Film "Iran ist wie ein Vulkan"Seite 2/2
Frage: Ist es schwieriger geworden, Freunde in Iran zu erreichen?
Farsi:Manchmal funktionieren die Leitungen, manchmal nicht. Früher haben meine Freunde viel berichtet, jetzt sagen sie kaum noch etwas. Niemand kennt das Ausmaß der Abhöraktionen, sicher ist nur, dass abgehört wird. Menschen, die Kontakt zur BBC suchen, bekommen Anrufe, in denen ihnen dazu geraten wird, solche Versuche bleiben zu lassen. "Tehran Without Permission" habe ich auf einem Nokia-Handy gefilmt. Es war das letzte Mal, dass ich etwas von Nokia in die Hand genommen habe. Wir sind alle sehr wütend, dass Nokia und Siemens dem Regime ein perfektes Abhörsystem eingerichtet haben.
All das erinnert mich an die Zeit, als ich in Iran zur Schule ging. Es ist dieselbe Atmosphäre, derselbe Modus Operandi, die Hoffnungen, Enttäuschungen… Es ist ja nicht so, dass diese Gegenbewegung nicht vorher schon existiert hätte. Sie war immer da, unter der Oberfläche, und jetzt bricht es hervor. Iran ist wie ein Vulkan.
Frage: Der Mut der Frauen ist erstaunlich.
Farsi:Sie sehnen sich nach Freiheit. Und sie sind wütend. Es war nie leicht in den Jahren seit der Revolution, aber unter Ahmadineschad hat sich alles verschlimmert. Vor allem Frauenrechtlerinnen haben es schwer. Sie werden eingeschüchtert, verhaftet, frei gelassen, wieder verhaftet, vor Gericht gestellt, eingesperrt und so weiter.
Frage: Änderte sich das Klima auch für Künstler?
Farsi:Alle wichtigen Stellen wurden mit Leuten besetzt, die den Revolutionsgarden nahe stehen. Auch der Kulturminister ist ein ehemaliger hochrangiger Offizier. In Iran muss jede Publikation für jede weitere Auflage noch einmal durch die Zensur. So kam es, dass unter Ahmadineschad viele Bücher, deren Druck schon erlaubt worden war, verboten wurden. Seit vier Jahren ist alles wie eingefroren.
Frage: Und Ihre Erfahrungen mit den Zensoren?
Farsi:Mein letzter Spielfilm The Gaze wurde verboten. Es war die Zeit des Übergangs von Chatami zu Ahmedineschad, niemand wollte ein Risiko eingehen. Anderthalb Jahre haben wir verhandelt, eine Begründung wurde nie mitgeteilt. Einmal bat ich einen Beamten um Unterstützung. Er sagte: Wenn du eine von uns wärst, dann vielleicht hättest du das Recht, kritisch zu sein. Aber du bist nur eine Exil-Iranerin. Ich stand auf und ging.
Manchmal sagen sie auch: Nimm dies raus, ändere das, füge hier ein Phrase ein. Es gibt einen Witz über einen Filmemacher, der so viel heraus nehmen muss, dass aus seinem Spielfilm ein Kurzfilm geworden ist. Aber es ist fast kein Witz mehr. Das ewige Hin und Her - es ist wie bei Kafka.
Frage: Es heißt, Ahmadineschad schätze das Kino nicht besonders.
Farsi:Es wird viel Geld in aufwendige Kriegsfilme gesteckt, aber davon profitieren nur wenige Regisseure, die dem Regime nahe stehen. Einer der Günstlinge gehörte einst zu denen, die die Leute schlagen, den Basidschi-Milizen. Er dreht jetzt Kriegskomödien.
Das Gespräch führte Sebastian Handke
- Datum 06.09.2009 - 11:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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