Milliardenkredit Island fürchtet den Ruin

Großbritannien und die Niederlande drängen Island, sich mit weiteren Milliarden zu verschulden, um Sparer zu entschädigen. Das wäre der Staatsbankrott, sagen Kritiker

Blick auf Islands Hauptstadt Reykjavik

Als hätte Island nicht schon mit genug wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, droht dem Land nun ein weiterer Schlag. 225 Millionen Euro soll das Land jährlich an Großbritannien und die Niederlande zahlen, um Sparer in beiden Ländern zu entschädigen. Für ein nur 320.000 Einwohner großes Land in äußerst schlechter wirtschaftlicher Verfassung könnte das den Todesstoß bedeuten.

Es geht um die Entschädigung britischer und niederländischer Sparer, die ihr Geld auf isländischen Hochzinskonten mit dem Namen "Icesave" angelegt hatten. Wegen des Bankenkollapses haben die isländischen Finanzinstitute Probleme, die Sparer auszuzahlen. Großbritannien und die Niederlande meinen, dass der Staat Island dafür die Verantwortung trage und zahlen müsse.

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Gemeinsam haben sie dem Land einen 4,1 Milliarden Euro-Kredit angeboten. Er soll dazu genutzt werden, die Sparer auszuzahlen, und von Island in den kommenden Jahrzehnten zurückgezahlt werden. Die isländische Regierung hat den Kreditvertrag schon unterzeichnet; doch rechtsverbindlich gültig wird das Papier erst, wenn auch das Parlament ihn abgesegnet hat - und ob es das tun wird, ist zweifelhaft. Durch den Kredit würde die Staatsverschuldung des kleinen Landes von 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 240 Prozent steigen. In den kommenden Wochen werden sich die Parlamentarier mit dem Vertrag beschäftigen.

Die Kreditbedingungen sind ebenso umstritten wie die Frage, ob der Staat Island gegenüber den ausländischen Sparern überhaupt in der Pflicht steht. Schon im Oktober vergangenen Jahres wiesen die isländischen Juristen Lárus Blöndal und Stefán Már Stefánsson darauf hin, dass der Staat juristisch nicht in der Verantwortung sei, für alle Verbindlichkeiten der Banken grade zu stehen. "Wir riskieren einen Staatsbankrott, da muss dringend nachverhandelt werden", sagt Lilja Mósesdóttir von den Linksgrünen, stellvertretender Vorsitzender im Wirtschaftsausschuss. Das Land wird seit Februar von einer rot-grünen Koalition regiert.

Konkret bietet Großbritannien Island 2,4 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) an, die Niederlande 1,3 Milliarden Euro. Der Kredit wird mit 5,55 Prozent jährlich verzinst. Zins und Tilgung werden erstmals in sieben Jahren fällig, allerdings wird der bis dahin fällige Zins jährlich aufgeschlagen. "Im Vergleich zu einem Kredit an Unternehmen gibt es generös zu nennende Bedingungen, aber wenn man bedenkt, dass es sich um einen Vertrag zwischen Staaten handelt, sieht das anders aus", sagt ein amerikanischer Anwalt, der sich auf Staatsschulden spezialisiert hat. Weil die Verhandlungen laufen, möchte er seinen Namen nicht öffentlich gemacht wissen.

Der Jurist meint, dass die Konditionen unfair sind. Er weist daraufhin, dass britische Staatsanleihen derzeit bei unter vier Prozent liegen – "wenn Großbritannien einen Kredit zu 5,55 Prozent vergibt, verdient es also sogar. Der Kredit ist sehr einseitig, es scheint, dass Island keinerlei Interessen hat durchsetzen können", sagt er.

Nur eine Hoffnung bleibe: "Die Politiker in den Niederlanden und Großbritannien müssen jetzt auf ihre Wähler Rücksicht nehmen und Stärke demonstrieren, indem sie Island die Forderungen aufdrücken. In ein paar Jahren ist es vielleicht möglich, Teile des Kredites zu erlassen", sagt er. So wird es schließlich auch mit Entwicklungsländern gemacht, um deren Zukunft nicht wegen hoher Kreditbelastungen endgültig zu verbauen.

Leser-Kommentare
  1. Zu den Aufgaben der Misters/Mijnheeren Politiker in GB/NL gehört z.B.
    - ...dafür zu sorgen, daß Geschäfte nur mit ordentlichem Vertrag (->kein reines Internetbanking) getätigt werden können
    - ...dafür zu sorgen, daß die Risiken von Finanzprodukten deutlich ausgewiesen werden und
    - ...die eigene Bevölkerung so gut auszubilden, daß sie entspr. Hinweise auch versteht

    Zu den Aufgaben der Misters/Mijnheeren Politiker in GB/NL gehört z.B. NICHT:
    - ...über die staatsdiplomatische Schiene die Rouletteverluste ihrer Staatsbürger abzufangen

    Ähnliches gilt für deutsche Politiker:
    Zu ihren Aufgaben gehört z.B.
    - ... s.o.,

    Zu ihren Aufgaben gehört u.a. NICHT
    - mich als Steuerzahler dazu zu zwingen, Leuten auszuhelfen, die wg. 0,05% zusätzlicher Zinsen ihr Konto an ein 320.000-Einwohner-Inselchen verhökert haben

  2. ... des Zinseszins-Systems: ab in die Zinsknechtschaft. Zuerst nur kleine Bevölkerungsteile, dann immer mehr verarmende Massen, und irgendwann ganze Staaten. Globalisierung at it's worst.

    Von Kritikern, welche man auch heute noch gerne in die Verschwörerecke sortiert, als "Systemfehler" bezeichnet, ist es aus Sicht der Profiteure gar "kein Bug, sondern ein Feature" (wie man in der IT-Szene sagen würde).

    Ob unsere Kinder den Tag erleben werden, an dem man diesen Fehler beseitigt? Ist ja nicht so, daß man das schon früher erkannt hätte - Zinsen sind oder eher waren in allen großen Weltreligionen schonmal verboten ...

  3. Das haben sie jetzt davon.
    Immer noch ist mir unklar warum Island die Banken überhaupt verstaatlicht haben. Wäre es nicht einfacher und vorallem billiger gewesen sie einfach alle pleite gehen zu lassen.
    Wer hätte dafür bezahlt?
    Niederländer und Briten die WUSSTEN, wem sie ihr Geld da anvertrauten. Die gleichen die ihnen einen Wucherkredit aufdrängen um ihnen das Geld SOFORT wieder abzunehmen.

    So dürfen 320000 Isländer für die Fehler und Gier von ein paar 100 bezahlen.

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    • keox
    • 10.08.2009 um 18:54 Uhr

    Auch in D-Land greift man lieber dem Volk in die Taschen. Aber diese Geschichte ist schon eine Nummer härter.

    Da läßt man einen Staat über die Klinge springen, für Summen, die ansonsten unter Peanuts laufen.

    5,6 Milliarden Dollar kostet der Iraküberfall monatlich.

    * Kosten Afghanistan + Irak …………………………..…3.000.000.000.000
    * Umsatz/Mitarbeiter in Rüstungsfirma…………….…200.000 USD/Jahr
    * Tote insgesamt Afghanistan + Irak …………………1.000.000 ( kommt nicht so genau drauf an )

    3.000.000.000.000/200.000/1.000.000=15 in Worten:

    Jeder Tote in dem Afghanistan- und Irakkrieg hat 15 Arbeitsplätze gebracht.

    http://tomswochenschau.wordpress.com/2008/03/15/die-kriege-der-usa/

    Fazit: Die Konzentration von gemeinschaftlich erarbeitetem Vermögen in den Händen einer winzigen, asozialen Minderheit schafft weltweit nur Not, Verelendung und Tod.

    Ob via Finanzindustrie oder per Militär ist nur eine Frage der jeweiligen Umstände.

    Das sind zwei Seiten einer rundum schäbigen Medaille.

    • keox
    • 10.08.2009 um 18:54 Uhr

    Auch in D-Land greift man lieber dem Volk in die Taschen. Aber diese Geschichte ist schon eine Nummer härter.

    Da läßt man einen Staat über die Klinge springen, für Summen, die ansonsten unter Peanuts laufen.

    5,6 Milliarden Dollar kostet der Iraküberfall monatlich.

    * Kosten Afghanistan + Irak …………………………..…3.000.000.000.000
    * Umsatz/Mitarbeiter in Rüstungsfirma…………….…200.000 USD/Jahr
    * Tote insgesamt Afghanistan + Irak …………………1.000.000 ( kommt nicht so genau drauf an )

    3.000.000.000.000/200.000/1.000.000=15 in Worten:

    Jeder Tote in dem Afghanistan- und Irakkrieg hat 15 Arbeitsplätze gebracht.

    http://tomswochenschau.wordpress.com/2008/03/15/die-kriege-der-usa/

    Fazit: Die Konzentration von gemeinschaftlich erarbeitetem Vermögen in den Händen einer winzigen, asozialen Minderheit schafft weltweit nur Not, Verelendung und Tod.

    Ob via Finanzindustrie oder per Militär ist nur eine Frage der jeweiligen Umstände.

    Das sind zwei Seiten einer rundum schäbigen Medaille.

  4. Es ist so im Leben, wer unverschuldet in Not gerät der hat zumindest moralisch ein Anrecht auf Hilfe und Solidarität. Verständnis so und so.
    Wer aber über Jahre über seinen Verhältnissen lebt, alle Warnungen - und die gab es millionenfach sei es als Globalisierungskritik oder in Form von gestandenen Ökonomen - in den Wind schlägt und es so richtig krachen lässt, die Party in vollsten Zügen genießt... der darf dann auch nicht davonschleichen wenn es um's Aufräumen und Zahlen der Zeche geht.
    Das ist halt so. Und noch viel weniger kann es angehen dass Staaten die zumindest nicht ganz so kurzsichtig gewirtschaftet haben auch noch dafür in Haftung genommen werden sollen. Da darf es auch keinen "Island-Bonus" geben, weil das ja so ein kleines hübsches Land ist, bzw. weil diese kleinen europäischen Länder von (Nord)Deutschen mit Vorliebe verniedlicht ("Putzige Sprache", etc.) und innig geliebt werden.
    Die Isländer sind nicht unverschuldet in Not geraten und nach allen Berichten gab es zwischen Politik und Wirtschaft dort Verflechtungen sowie Vetternwirtschaft die alles was man Kontinentaleuropa kennt erblassen lassen.
    "Ich zahle nicht für eure Krise" gilt auch für Nationen die sich als Casino geriert haben.

    • keox
    • 10.08.2009 um 18:54 Uhr

    Auch in D-Land greift man lieber dem Volk in die Taschen. Aber diese Geschichte ist schon eine Nummer härter.

    Da läßt man einen Staat über die Klinge springen, für Summen, die ansonsten unter Peanuts laufen.

    5,6 Milliarden Dollar kostet der Iraküberfall monatlich.

    * Kosten Afghanistan + Irak …………………………..…3.000.000.000.000
    * Umsatz/Mitarbeiter in Rüstungsfirma…………….…200.000 USD/Jahr
    * Tote insgesamt Afghanistan + Irak …………………1.000.000 ( kommt nicht so genau drauf an )

    3.000.000.000.000/200.000/1.000.000=15 in Worten:

    Jeder Tote in dem Afghanistan- und Irakkrieg hat 15 Arbeitsplätze gebracht.

    http://tomswochenschau.wordpress.com/2008/03/15/die-kriege-der-usa/

    Fazit: Die Konzentration von gemeinschaftlich erarbeitetem Vermögen in den Händen einer winzigen, asozialen Minderheit schafft weltweit nur Not, Verelendung und Tod.

    Ob via Finanzindustrie oder per Militär ist nur eine Frage der jeweiligen Umstände.

    Das sind zwei Seiten einer rundum schäbigen Medaille.

    Antwort auf "Das haben sie jetzt"
  5. Die Isländer müssten ja wahnsinnig sein auf soetwas einzugehen.
    Wer Geld anlegt, und das noch in einem ausländischen Wirtschaftsraum muss damit rechnen dass es u.U. weg ist.

  6. eine falsche Geldpolitik betrieben und sich zu einseitig an die US-Banken gehängt. Der Schlag war umso härter. Kein Mensch vermutete jedoch, dass die amerikanischen Banken schlapp machen könnten. Insofern kann Island als Opfer gesehen werden, dass mit EU-Unterstützung wieder auf die Füße gestellt werden sollte.
    http://kallewestrich.blog...

  7. In Deutschland haben Kunden der eigenen Volkswirtschaft Geld entzogen und es in Island angelegt zu höheren Zinsen. Wahrscheinlich hatten sie damals nicht vor, den deutschen Staat an diesen zusätzlichen Gewinnen zu beteiligen. Zumindest habe ich nichts entsprechendes gehört. Das diese Banken dort keinem Sicherungsnetz angehören hatte damals keine Rolle gespielt. Jetzt wo die Sache schief gegangen ist, sollen die anderen Bürger, die ihr Geld zu schlechteren Konditionen bei der Sparkasse gelassen haben, die sollen jetzt für die Verluste aufkommen.
    Und Politiker in England und den Niederlanden meinen an Popularität zu gewinnen, wenn sie in diesem Fall sich für englische und niederländische Kunden einsetzen. Und dabei zum Schaden des isländischen Staates ihr Staaten obendrein noch finanziell gewinnen.
    Es gibt eben keine persönliche Verantwortung mehr. Wenn es gut läuft, wird gezockt. Geht es schief halten wir uns an den Staat. Langfristig landen wir alle im Aus auf diese Weise. Man ist fast versucht zu glauben, wir leben nicht mehr im Kapitalismus, sondern schon im Kommunismus.
    Alle Volkswirtschaften würden gewinnen, wenn den Bürgern klar gemacht würde, das Chancen und Risiken zusammen betrachtet werden müssen. Wenn er einen Gewinn macht, gut, wenn er einen Verlust macht, ist es auch sein Problem.

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    und werden von den Medien auch als solche vermarktet.
    Dabei ist die GIER, die deutsche Kleinbürger dazu brachte, ein paar lausige tausend euro in Island anzulegen, ja wohl keinen Deut geringer als die der inzwischen gründlich gescholtenen Banker und Manager.

    und werden von den Medien auch als solche vermarktet.
    Dabei ist die GIER, die deutsche Kleinbürger dazu brachte, ein paar lausige tausend euro in Island anzulegen, ja wohl keinen Deut geringer als die der inzwischen gründlich gescholtenen Banker und Manager.

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