Konkurrenz unter Kollegen Alles nur ein Spiel
In der Wirtschaftskrise nimmt die Ellenbogenmentalität unter Arbeitnehmern zu. Frauen und Männer konkurrieren dabei unterschiedlich
Sie fühlte sich so ausgegrenzt, dass sie überlegte, den Job zu wechseln. Dabei war Sabine Krüger gerade aufgestiegen. Die Betriebswirtin arbeitet in einem mittelständischen Unternehmen in Hamburg. In ihrer Abteilung fühlte sie sich wohl. Dann wählte der Vorstand sie für ein Sonderprojekt aus, und alles änderte sich. Die Kollegen kritisierten sie häufiger und versuchten, ebenfalls beim Vorstand zu punkten.
Eine Konkurrenzsituation war entstanden. Sabine Krüger war der Wettstreit mit den Kollegen unangenehm. Sie war so unglücklich, dass sie sich für ein Coaching entschied. In der Beratung lernte die Betriebswirtin, den Wettstreit als Teil des normalen Berufslebens zu sehen.
"Konkurrenz ist keine außergewöhnliche Situation", erklärt Margrit Springhorn, Elektroingenieurin und Coach aus Hamburg. Die Wirtschaft funktioniere nach dem Konkurrenzprinzip, Einzel- und Gesamtinteressen müssen ständig neu zwischen Unternehmen, Abteilungen und einzelnen Mitarbeitern ausgehandelt werden. Konkurriert werde auf allen Ebenen; am stärksten sei der Konkurrenzkampf zwischen Mitarbeitern, die auf einer Stufe stehen. Konkurrenz nimmt in Zeiten der Wirtschaftskrise zu. So ergab kürzlich eine Umfrage des Karriereportals Stepstone, dass 52 Prozent der Deutschen einen stärkeren Wettbewerb unter Kollegen wahrnehmen.
Das Schwierige daran: Männer und Frauen versuchen, auf verschiedene Weise ihre Kontrahenten auszustechen. Wer die Unterschiede nicht kennt, kann auf andersartiges Konkurrenzverhalten nur schwer reagieren.
Frauen empfinden den Wettstreit bedrohlicher als Männer – und sie beziehen die Situation auf sich persönlich. "Für Männer geht es in Konkurrenzsituationen meist um die Sache: Das Projekt, den Aufstieg, die Gehaltserhöhung", erklärt die Karriereexpertin Svenja Hofert, die auch ein Buch über den Umgang mit Konkurrenz im Job geschrieben hat. Frauen hingegen erleben eine Wettbewerbssituation häufig als persönlichen Angriff, in dem sie viel verlieren können.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich nicht nur im Empfinden, sondern auch in ihrem Handeln. Dabei macht es einen Unterschied, ob gleichgeschlechtlich oder gemischtgeschlechtlich konkurriert wird. "Da ist man schnell bei den Klischees, dass sich Männer Hahnenkämpfe liefern und Frauen stutenbissig sind", sagt Svenja Hofert. An den Klischees sei aber nur im Kern etwas Wahres dran. Ältere Männer erleben Frauen als Konkurrenz stärker als bedrohlich, Frauen hingegen können Männer als Konkurrenten eher zulassen, behauptet Margrit Springhorn. Erfolg ist Teil der traditionellen Männerrolle, Harmonie und Nachzugeben dagegen Teil der Frauenrolle.
Darum können Frauen es leichter ertragen, wenn der Mann erfolgreicher ist – Männer hingegen kommen schlechter damit klar, wenn eine Frau mehr Erfolg hat ist als sie. Die Geschlechterforschung hat mehrfach belegt, dass schon kleine Jungen gerne miteinander in Wettkampf treten, sie begreifen diesen als Spiel. Mädchen dagegen weichen offenen Wettbewerbssituationen eher aus.
Valide Studien, die das unterschiedliche Verhalten untersuchen, gibt es nur wenige, weil die Befragten meist mit dem Sozial erwünschten antworten. Eine der ganz wenigen, die das Konkurrenzverhalten von Männern und Frauen gnauer untersucht hat, ist die Soziologin Ulrike Weish. Sie schaute sich Beschäftigte in Kommunikationsberufen genauer an und kommt zu dem Ergebnis, dass die traditionellen Vorstellungen nach wie vor das Konkurrenzverhalten von Männern und Frauen bestimmen. Vordergründig wenden die Geschlechter jedoch die gleichen Strategien an. Sie sind fleißig, machen sich unentbehrlich, knüpfen Netzwerke, um Informationsvorteile zu erhalten, suchen sich Verbündete und Mentoren, um den Aufstieg zu schaffen.
- Datum 06.10.2009 - 12:21 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Wirtschaft und ihr Gefüge ist hinsichtlich Branchen, Betriebsgrößen-klassen und Strukturen sehr heterogen. Man kann jedoch überall feststellen, dass die Entsolidarisierung immer mehr um sich greift. Mögen die Mittel subtil oder auch in mancher Weise massiv sein, es kommt immer wieder auf das gleiche Ergebnis zu: es ist eine Art Fischerstechen. Mag dieses dem Loser ein Bad im Wasser eintragen, geht es hier um den Job oder um berufliches Fortkommen bzw Stillstand.
Nach wie vor hat die Mehrheit offenbar nicht kapiert, w e r , das heisst welche Leute, uns diese Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftskrise eingebrockt haben. Viele schauen nur auf Etikette, statt auf Inhalte.
Nehmen wir das Beispiel "Industriepolitisches Gesamtkonzept" des BMWi. Dieses Papier enthält sehr viele Forderungen aus dem Wahlprogramm von CDU/CSU und auch des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der zum großen Teil die Wahlkampagnen der Union finanziert. Das begann unter Erhard mit der Aktion "Die Waage" und wird heute durch INSM und viele Millionenspenden vorgenommen. Hinzu kommt die massive publizistische Hilfe durch die größten u. einflußreichsten Medienkonzerne hierzulande. Von nichts kommt nichts.
Es ist in so einer Zeit nicht einfach, sich im Betrieb auch für Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, als Betriebsrat oder gewerkschaftlicher Vertrauensmann (-frau). Viele schwadronieren nur an Stammtischen, können und wissen alles besser, finden irgendwo irgendein Härchen ( was aber nur billige Ausrede ist), um ihren Egotripp fortzusetzen.
1914 gab es nicht so viele Medien und anspruchsvolle Informationsmöglichkeiten wie heute. Aber die Leute wußten in ihrer übergroßen Mehrheit, wo sie hingehörten. Die Damaligen hielten sich nicht für schlau, aber gewissermassen waren sie es. Heute gibt es viele, trotz 1 oder 2 Doktortitel, die halten sich für schlau, aber für sie gilt in nicht wenigen Fällen unumstößlich: "zu gescheit ist auch dumm!"
... wenn die Mitarbeiter ein gemeinsames Ziel haben und eine konstruktive Unternehmens- bzw. Abteilungskultur existiert. Dann sind Auseinandersetzungen ein engagiertes Ringen um die besten Lösungen und Verschiedenheit (auch zwischen Mann und Frau, Alt und Jung) wird zu einer Bereicherung.
Wie Konkurrenz ausgetragen wird, ist immer ein Spiegel der gelebten Kultur. In einer Kultur des Mißtrauens und der Egotrips werden "Flurfunk" und damit andere Menschen für die eigenen Ziele instrumentalisiert. Die Kollateralschäden für die Abteilung / das Unternehmen sind dann allerdings beträchtlich.
Kultur ist immer stärker als der Einzelne. Wenn es Teil der Kultur ist, hintenrum übereinander statt miteinander zu reden, geht man alleine auf Dauer unter, wenn man sich nicht daran beteiligt. Wer in einer Kultur von Vertrauen mißtrauisch ist, ebenso.
Hans-Georg Huber, Coach und Trainer für Führungskräfte, Buchautor
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