Konkurrenz unter Kollegen Alles nur ein SpielSeite 2/2

Grundlegend unterscheidet man zwischen positiven Strategien, die darauf ausgelegt sind, den eigenen Erfolg zu vergrößern und negativen, die das Ziel verfolgen, einen Kontrahenten zu schädigen. Männer und Frauen unterscheiden sich bei der Wahl ihrer Strategien kaum. Welche Strategie gewählt wird, ist abhängig von der Situation und der Intensität der Konkurrenz.

Als "typisch männliches" Verhalten gilt, in einer Konferenz seine Leistungen zu betonen und sich in den Vordergrund zu spielen, dem Kontrahenten ins Wort zu fallen oder offen mit ihm zu streiten. Männer verschaffen sich einen Vorteil, indem sie mit den "Entscheidern" gemeinsame Unternehmungen machen: Etwas trinken gehen oder Fußball spielen.

Eher "typisch weiblich" ist es, sich loyal gegenüber dem Vorgesetzten zu verhalten und eher versteckt zu konkurrieren. "Während der Personalassistent mit Ideen losprescht, hält sich die Marketingleiterin zurück und beruhigt den Chef", beschreibt Svenja Hofert eine Situation.

Frauen suchen eher die Nähe zu Kollegen und Vorgesetzten, Männer halten Distanz. Frauen halten sich in Konferenzen zurück, aber fallen bei Kollegen und Vorgesetzten mit Sozialkompetenz auf: Sie gratulieren zum Geburtstag, bringen Kuchen mit und sorgen mit Kommunikation für ein gutes Betriebsklima. Das bringt ihnen zwar Sympathie ein, "ist aber weniger erfolgreich beim Aufstieg", sagt Margrit Springhorn. In den Studien nennen Frauen deutlich häufiger als Strategie für ihr Fortkommen, dass sie fleißig sind.

Die Dominanz von Männern in Führungspositionen gibt Frauen außerdem eine besondere Möglichkeit zum Konkurrieren: Die sogenannte "Augenaufschlag-Strategie". Sie wird, laut Weish, vor allem von jungen und attraktiven Frauen angewendet und bedeutet, dass sie ihre Weiblichkeit bewusst einsetzen, um beim männlichen, meist älteren Vorgesetzten Sympathiepunkte zu erwerben. Diese Strategie birgt jedoch das Risiko, sich schnell in Verruf zu bringen, den Aufstieg erotischen Dienstleistungen zu verdanken.

Negativ über die Konkurrenz zu sprechen und diese sogar in diskriminierende Zusammenhänge zu rücken, ist ein Vorgehen, das sowohl von Männern und Frauen gleichermaßen eingesetzt wird. Je heftiger die Wettstreitsituation, desto heftiger sind auch die Mittel, die Kontrahenten auszuschalten. So wird selbst Mobbing zu einer Konkurrenzstrategie.

Alle Studien zeigen jedoch, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zwar tendenziell feststellbar sind, aber nicht jeder Mann und jede Frau auch typisch "männlich" oder "weiblich" konkurriert. Die Elektroingenieurin Margrit Springhorn hat in mehr als 40 Berufsjahren viele Veränderungen erlebt.

"Mit der Feminisierung der Arbeitswelt haben weibliche Strukturen Einzug gehalten", erklärt sie. Das stimme sie optimistisch, dass die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und das stereotype Verhalten überwunden werden könne. Springhorn wünscht sich für den Umgang mit Konkurrenz generell souveränes Verhalten. "Letztendlich ist alles nur ein Spiel."

Seitdem Sabine Krüger die Konkurrenz als Spiel begreift, dessen Regeln sie lernen kann, bezieht sie das Verhalten der Kollegen nicht mehr auf sich persönlich. Manchmal helfe es auch, "einfach cool zu bleiben und zu lachen. Dann sind alle wieder freundlicher", sagt sie.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Wirtschaft und ihr Gefüge ist hinsichtlich Branchen, Betriebsgrößen-klassen und Strukturen sehr heterogen. Man kann jedoch überall feststellen, dass die Entsolidarisierung immer mehr um sich greift. Mögen die Mittel subtil oder auch in mancher Weise massiv sein, es kommt immer wieder auf das gleiche Ergebnis zu: es ist eine Art Fischerstechen. Mag dieses dem Loser ein Bad im Wasser eintragen, geht es hier um den Job oder um berufliches Fortkommen bzw Stillstand.

    Nach wie vor hat die Mehrheit offenbar nicht kapiert, w e r , das heisst welche Leute, uns diese Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftskrise eingebrockt haben. Viele schauen nur auf Etikette, statt auf Inhalte.
    Nehmen wir das Beispiel "Industriepolitisches Gesamtkonzept" des BMWi. Dieses Papier enthält sehr viele Forderungen aus dem Wahlprogramm von CDU/CSU und auch des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der zum großen Teil die Wahlkampagnen der Union finanziert. Das begann unter Erhard mit der Aktion "Die Waage" und wird heute durch INSM und viele Millionenspenden vorgenommen. Hinzu kommt die massive publizistische Hilfe durch die größten u. einflußreichsten Medienkonzerne hierzulande. Von nichts kommt nichts.

    Es ist in so einer Zeit nicht einfach, sich im Betrieb auch für Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, als Betriebsrat oder gewerkschaftlicher Vertrauensmann (-frau). Viele schwadronieren nur an Stammtischen, können und wissen alles besser, finden irgendwo irgendein Härchen ( was aber nur billige Ausrede ist), um ihren Egotripp fortzusetzen.

    1914 gab es nicht so viele Medien und anspruchsvolle Informationsmöglichkeiten wie heute. Aber die Leute wußten in ihrer übergroßen Mehrheit, wo sie hingehörten. Die Damaligen hielten sich nicht für schlau, aber gewissermassen waren sie es. Heute gibt es viele, trotz 1 oder 2 Doktortitel, die halten sich für schlau, aber für sie gilt in nicht wenigen Fällen unumstößlich: "zu gescheit ist auch dumm!"

  2. ... wenn die Mitarbeiter ein gemeinsames Ziel haben und eine konstruktive Unternehmens- bzw. Abteilungskultur existiert. Dann sind Auseinandersetzungen ein engagiertes Ringen um die besten Lösungen und Verschiedenheit (auch zwischen Mann und Frau, Alt und Jung) wird zu einer Bereicherung.

    Wie Konkurrenz ausgetragen wird, ist immer ein Spiegel der gelebten Kultur. In einer Kultur des Mißtrauens und der Egotrips werden "Flurfunk" und damit andere Menschen für die eigenen Ziele instrumentalisiert. Die Kollateralschäden für die Abteilung / das Unternehmen sind dann allerdings beträchtlich.

    Kultur ist immer stärker als der Einzelne. Wenn es Teil der Kultur ist, hintenrum übereinander statt miteinander zu reden, geht man alleine auf Dauer unter, wenn man sich nicht daran beteiligt. Wer in einer Kultur von Vertrauen mißtrauisch ist, ebenso.

    Hans-Georg Huber, Coach und Trainer für Führungskräfte, Buchautor

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