Die Seemänner der Hansa Stavanger haben die Freiheit zurück, die ersten sind bereits auf dem Weg in die Heimat. Die deutsche Reederei hatte ein hohes Lösegeld bezahlt, um Crew und Schiff von den somalischen Piraten freizukaufen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung nahm das nun zum Anlass, neue Zuständigkeiten für die Bundeswehr zu fordern: Für Geiselbefreiungen sollten künftig Elitesoldaten zuständig sein, im Ausland – und im Inland.

Jung, der im Kabinett nicht als stärkste Besetzung gilt, zeigt damit entweder fehlenden Sachverstand oder einen gefährlichen Hang zum Populismus in Wahlkampfzeiten. "Wir sollten über eine Verfassungsänderung nachdenken, die der Bundeswehr den Zugriff dann erleichtert, wenn die Polizei nicht handeln kann, da sie beispielsweise gar nicht am Ort des Geschehens ist", forderte er.

Doch das Grundgesetz, das in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, sollte nicht leichtfertig geändert werden – und in diesem Fall ist es überhaupt nicht nötig: Im Ausland können die Elitekämpfer der Bundeswehr ohne Probleme zur Befreiung von Geiseln eingesetzt werden – das Kommando Spezialkräfte (KSK) wurde sogar extra für diese Aufgabe gegründet. Und im Inland gibt es die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei, deren Mitglieder perfekt für das Beenden von Entführungen und das Festnehmen von Terroristen, Mafiosi und anderer Gewalttäter ausgebildet sind.

Die GSG 9 hat in Mogadischu 1977 die Geiseln aus dem Lufthansa-Flugzeug Landshut befreit und immer wieder seine Qualität bewiesen. Unter Sicherheitsexperten hat die Truppe einen ausgezeichneten Ruf und wird gleichrangig mit britischen und französischen Sondereinheiten genannt. Auch die Spezialeinsatzkommandos (SEK) und die Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Landespolizeiämter werden für die Befreiungen von Geiseln geschult. Sie sind lokal präsent und schneller im Einsatz als ihre Kollegen vom KSK, die im baden-württembergischen Calw stationiert sind. Es gibt keinen Grund, warum nun das KSK diese Aufgabe im Inland übernehmen sollte.

Auch im Ausland beweisen GSG-9-Mitglieder ihre Effizienz, sie beschützen in Krisengebieten wie Irak und Afghanistan deutsche Diplomaten und Botschaften. Nur sehr selten erfährt die Öffentlichkeit etwas über diese Missionen – ein Hinweis auf die geräuschlose und gute Arbeit des Kommandos. In den vergangenen Monaten wurden Einheiten der GSG 9 mehrfach zur Befreiung deutscher Geiseln nach Afrika entsandt, doch weder im Fall der Sahara-Geiseln noch der verschleppten Seemänner an Bord der Hansa Stavanger entschied sich die Politik für einen Zugriff.

An mangelnder Qualität der GSG 9 hat das nicht gelegen. Dennoch gibt es gute Gründe, warum die Bundeswehr, zumindest vor Somalia, in Zukunft solche Missionen übernehmen sollte.

Das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr ist die Elite der Bundeswehr. Es wurde 1996 vor allem gegründet, um "deutsche Staatsbürger aus Krisengebieten und Geiselhaft zu befreien", wie die Bundeswehr angibt. Wer zum KSK gehören will, muss zahlreiche Eignungstest bestehen und bereit sein, ein hohes Risiko einzugehen. Dort dienen die besten der Besten. Das Training der KSK gilt als hart und gut.