Trägt man das jetzt so? Die krempeln alles um!
Was hat es zu bedeuten, wenn Frauen plötzlich Ärmel und Hosensäume umschlagen? Eine Kampfansage oder absolute Gelassenheit? Die Analyse unserer Kolumnistin
© privat

Das Gegenteil von kompliziert: hochgekrempelte Ärmel
"Also, was hat es mit den hochgekrempelten Blazer-Ärmeln auf sich?", will Oliver wissen. Er hat gerade ein paar Wochen in Schweden verbracht und die Krempel-Ärmel sowohl dort als auch hier entdeckt. "Was wollen die Frauen mir damit sagen? Ist das eine modische Hommage an Miami Vice und die Achtziger Jahre oder einfach nur eine Kampfansage?"
"Nein, alles andere als das", erkläre ich ihm. "Diese Frauen werfen sich einfach mal ein Sakko über, pfeifen auf den geraden Arm, weil sie, wenn es drauf ankommt, auch anpacken können. Es hat etwas sehr Dynamisches, wenn man die Ärmel des Blazers umschlägt und nach oben schiebt."
Bevor Oliver widersprechen kann, setzt sich ein hübsches "Ich-krempel-einfach-alles-um-Mädchen" an den Nebentisch. Ihre hochgeschobenen, hellblauen Jeans geben den Blick frei auf ihre Gladiatorensandalen, ihren grauen Zweireiher hat sie so hochgerollt, dass er das fein gestreifte Innenfutter der Ärmel preisgibt. Als sie die Jacke auszieht, sieht man, dass sie ein dünnes T-Shirt mit - ganz genau: hochgekrempelten Ärmeln trägt. Wir bekommen durchtrainierte und gebräunte Arme zu sehen und spätestens hier wird auch Oliver klar: wer krempelt, setzt subversiv seine schönsten Körperteile in Szene. Sonst würde er es bleiben lassen.
Und wer krempelt, ist das Gegenteil von perfektionistisch. Einem Blazer nehmen die hochgepushten Ärmel das Formale und machen ihn sommertauglich. Selbst ein Nadelstreifen-Sakko sieht plötzlich nicht mehr nach Sparkasse aus. Besonders geeignet sind natürlich Modelle mit schönem Innenfutter. Das Prinzip funktioniert auch bei kurzen sowie lang geschnittenen Blazern, zu Jeans wie zu Miniröcken und besonders sexy sieht es aus, wenn man darunter etwas Enges oder Durchsichtiges trägt.
- Datum 26.11.2009 - 16:55 Uhr
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- Serie Trägt man das jetzt so?
- Quelle ZEIT ONLINE, 08.08.2009
- Kommentare 6
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... ist etwas anderes. Vielleicht ist es einfach noch niemandem vorher aufgefallen. So einen Vorgang nennt man selektive Wahrnehmung und nicht "plötzlich". Das ist so ähnlich wie die Wahrnehmung von Babybäuchen, wenn man schwanger ist oder werden will ...
Meine Ärmel egal ob von Blusen oder Jacken gleich welcher Art kremple ich schon seit vielen Jahren auch in der Öffentlichkeit immer wieder hoch, wenn es mir wie meist zu warm wird. Lustig, dass es mir erst irgendein Modell gleichtun muss, bevor es "plötzlich" zum Trend erklärt wird. Sollte ich gar ein Trendsetter sein?
...ich krempel meine Business-Blazer seit einem Viertel Jahrhundert, also schon immer, hoch.
Schön, dass Sie mir jetzt Unkompliziertheit bescheinigen. (aber das hab ich schon von alleine gewusst, lach. Ob es je Trend war, ist oder sein wird, interessiert mich so sehr wie das umfallende Fahrrad in China).
Auch ich bin begeistere Hochkremplerin, genauso, wie ich es pflegte, das Outfit mit Converse abzurunden, aber beides kann man nun auf keinen Fall mehr machen, ohne auszusehen, wie 80% der Leute um einen herum. Doch im Kleiderschrank und Accessoirskästchen, da wird sich schon wieder eine Alternative finden, und dann können Sienna und Co. das ja wieder kopieren.
www.synecstasy.com
Echte natürliche Gelassenheit kommt von allein. Wenn sie erst zur Modeerscheinung wird, die man in Zeitungsartikeln diskutiert, ist es schon wieder aus mit natürlich. Für die mühevoll studierte Lässigkeit haben die Italiener das schöne Wort sprezzatura erfunden, was dem deutschen Gespreiztheit verwandt ist.
Umkrempeln, hochschieben – wie altmodisch, ich dachte das war bei der Nachkriegsgeneration üblich. Sang doch der Liedermacher Franz Joseph Degenhart in den sechziger Jahren verächtlich “Ärmel Aufkrempeln - Zupacken - Aufbauen”, das unter dem Titel “vatis argumente” bekannt wurde. Und bereits die Altkommunisten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schwangen mit aufgekrempelten Ärmeln und natürlich geballter Faust die Hammer und Sichel. Schon meine Großmutter, Geburtsjahr 1877, wußte “die Welt dreht sich und alles kommt einmal wieder”, unter “hochgepushten Ärmeln” hätte sie sich allerdings nichts vorstellen können, das bleibt unserer fortschrittlichen Neuzeit vorbehalten. Irgendwie beruhigend, daß dieses “Hochpuschen” zur Zeit nur eine Modeerscheinung ist – oder doch nur ein Thema um das Sommerloch zu stopfen?
"Bei Männern sieht Gekrempel nicht lässig, sondern affig aus."
Ganz meine Meinung! Allerdings sieht es bei Frauen natürlich genauso affig aus.
Dieses Phänomen faszininiert mich schon seit Jahren:
Die meisten Frauen sind sehr stilsicher wenn es um die Beurteilung der Bekleidung von Männern geht. Sie wissen instinktiv was bei Männern gut oder doof aussieht.
Wenn es jedoch um ihre eigene Bekleidung geht, zeigen viele Frauen hingegen die Stilsicherheit eines Vorschulkindes. Da werden diese Frauen plötzlich extrem unsicher, und statt auf den eigenen Geschmack zu vertrauen imitieren sie einfach was Modezeitschriften und der Rest der Frauenwelt als "gerade in" suggerieren.
So bescheuert es auch aussehen mag - das Wichtigste scheint zu sein, auf keinen Fall beim Rest der Frauenwelt als "unmodisch gekleidet" aufzufallen.
Man werfe nur mal einen Blick auf die Kleidung die viele junge Mädchen heute tragen, weil es offenbar gerade in ist. Leggings und lange Schlabber-T-Shirts, viel zu enge Jeans die die eigene Figur völlig unförmig erscheinen lassen und und und. GRAUENHAFT!!!!
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