"Also, was hat es mit den hochgekrempelten Blazer-Ärmeln auf sich?", will Oliver wissen. Er hat gerade ein paar Wochen in Schweden verbracht und die Krempel-Ärmel sowohl dort als auch hier entdeckt. "Was wollen die Frauen mir damit sagen? Ist das eine modische Hommage an Miami Vice und die Achtziger Jahre oder einfach nur eine Kampfansage?"

"Nein, alles andere als das", erkläre ich ihm. "Diese Frauen werfen sich einfach mal ein Sakko über, pfeifen auf den geraden Arm, weil sie, wenn es drauf ankommt, auch anpacken können. Es hat etwas sehr Dynamisches, wenn man die Ärmel des Blazers umschlägt und nach oben schiebt."

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Bevor Oliver widersprechen kann, setzt sich ein hübsches "Ich-krempel-einfach-alles-um-Mädchen" an den Nebentisch. Ihre hochgeschobenen, hellblauen Jeans geben den Blick frei auf ihre Gladiatorensandalen, ihren grauen Zweireiher hat sie so hochgerollt, dass er das fein gestreifte Innenfutter der Ärmel preisgibt. Als sie die Jacke auszieht, sieht man, dass sie ein dünnes T-Shirt mit - ganz genau: hochgekrempelten Ärmeln trägt. Wir bekommen durchtrainierte und gebräunte Arme zu sehen und spätestens hier wird auch Oliver klar: wer krempelt, setzt subversiv seine schönsten Körperteile in Szene. Sonst würde er es bleiben lassen.

Und wer krempelt, ist das Gegenteil von perfektionistisch. Einem Blazer nehmen die hochgepushten Ärmel das Formale und machen ihn sommertauglich. Selbst ein Nadelstreifen-Sakko sieht plötzlich nicht mehr nach Sparkasse aus. Besonders geeignet sind natürlich Modelle mit schönem Innenfutter. Das Prinzip funktioniert auch bei kurzen sowie lang geschnittenen Blazern, zu Jeans wie zu Miniröcken und besonders sexy sieht es aus, wenn man darunter etwas Enges oder Durchsichtiges trägt.