Trägt man das jetzt so? Die krempeln alles um!Seite 2/2

Vorreiterinnen dieses Looks sind – wie so oft - Kate Moss und Stella McCartney, die wahlweise krempeln, hochschieben oder gleich Blazer mit kurzem Arm tragen. Emmanuelle Alt, viel verehrte Moderedakteurin der Französischen Vogue, kombiniert dazu gerne ein Dutzend Armreifen. Je mehr desto besser. Und zwar auf beiden Seiten. "Lange Ärmel? Non, non! Das wäre eine verschenkte Chance, um auf seine schönen Accessoires aufmerksam zu machen", sagt Alt. "Der subversive Sexappeal von schönen Handgelenken und Unterarmen sollte nie unterschätzt werden!"

Oliver ist überzeugt. Jetzt hat er nur noch eine Frage: "Gilt das alles auch für Männer und Sakkos?"
Tja, leider nicht. Bei Männern sieht Gekrempel nicht lässig, sondern affig aus. Und nach Angebertum. Einzige Ausnahme: Achtziger-Jahre-Parties und der Geburtstag von Sonny Crockett.

Antje Wewer betrachtet Modeerscheinungen auf deutschen Straßen und fragt sich jede Woche auf ZEIT ONLINE: "Trägt man das jetzt so?"

 
Leser-Kommentare
  1. ... ist etwas anderes. Vielleicht ist es einfach noch niemandem vorher aufgefallen. So einen Vorgang nennt man selektive Wahrnehmung und nicht "plötzlich". Das ist so ähnlich wie die Wahrnehmung von Babybäuchen, wenn man schwanger ist oder werden will ...

    Meine Ärmel egal ob von Blusen oder Jacken gleich welcher Art kremple ich schon seit vielen Jahren auch in der Öffentlichkeit immer wieder hoch, wenn es mir wie meist zu warm wird. Lustig, dass es mir erst irgendein Modell gleichtun muss, bevor es "plötzlich" zum Trend erklärt wird. Sollte ich gar ein Trendsetter sein?

  2. ...ich krempel meine Business-Blazer seit einem Viertel Jahrhundert, also schon immer, hoch.

    Schön, dass Sie mir jetzt Unkompliziertheit bescheinigen. (aber das hab ich schon von alleine gewusst, lach. Ob es je Trend war, ist oder sein wird, interessiert mich so sehr wie das umfallende Fahrrad in China).

  3. Auch ich bin begeistere Hochkremplerin, genauso, wie ich es pflegte, das Outfit mit Converse abzurunden, aber beides kann man nun auf keinen Fall mehr machen, ohne auszusehen, wie 80% der Leute um einen herum. Doch im Kleiderschrank und Accessoirskästchen, da wird sich schon wieder eine Alternative finden, und dann können Sienna und Co. das ja wieder kopieren.

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  4. Echte natürliche Gelassenheit kommt von allein. Wenn sie erst zur Modeerscheinung wird, die man in Zeitungsartikeln diskutiert, ist es schon wieder aus mit natürlich. Für die mühevoll studierte Lässigkeit haben die Italiener das schöne Wort sprezzatura erfunden, was dem deutschen Gespreiztheit verwandt ist.

  5. Umkrempeln, hochschieben – wie altmodisch, ich dachte das war bei der Nachkriegsgeneration üblich. Sang doch der Liedermacher Franz Joseph Degenhart in den sechziger Jahren verächtlich “Ärmel Aufkrempeln - Zupacken - Aufbauen”, das unter dem Titel “vatis argumente” bekannt wurde. Und bereits die Altkommunisten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schwangen mit aufgekrempelten Ärmeln und natürlich geballter Faust die Hammer und Sichel. Schon meine Großmutter, Geburtsjahr 1877, wußte “die Welt dreht sich und alles kommt einmal wieder”, unter “hochgepushten Ärmeln” hätte sie sich allerdings nichts vorstellen können, das bleibt unserer fortschrittlichen Neuzeit vorbehalten. Irgendwie beruhigend, daß dieses “Hochpuschen” zur Zeit nur eine Modeerscheinung ist – oder doch nur ein Thema um das Sommerloch zu stopfen?

  6. "Bei Männern sieht Gekrempel nicht lässig, sondern affig aus."

    Ganz meine Meinung! Allerdings sieht es bei Frauen natürlich genauso affig aus.

    Dieses Phänomen faszininiert mich schon seit Jahren:
    Die meisten Frauen sind sehr stilsicher wenn es um die Beurteilung der Bekleidung von Männern geht. Sie wissen instinktiv was bei Männern gut oder doof aussieht.

    Wenn es jedoch um ihre eigene Bekleidung geht, zeigen viele Frauen hingegen die Stilsicherheit eines Vorschulkindes. Da werden diese Frauen plötzlich extrem unsicher, und statt auf den eigenen Geschmack zu vertrauen imitieren sie einfach was Modezeitschriften und der Rest der Frauenwelt als "gerade in" suggerieren.
    So bescheuert es auch aussehen mag - das Wichtigste scheint zu sein, auf keinen Fall beim Rest der Frauenwelt als "unmodisch gekleidet" aufzufallen.

    Man werfe nur mal einen Blick auf die Kleidung die viele junge Mädchen heute tragen, weil es offenbar gerade in ist. Leggings und lange Schlabber-T-Shirts, viel zu enge Jeans die die eigene Figur völlig unförmig erscheinen lassen und und und. GRAUENHAFT!!!!

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