Krankenversicherung in den USA
Mit Sozialismus-Paranoia gegen Obamas Reformplan
Der öffentliche Protest gegen Obamas Gesundheitsreform wird schrill. Dabei scheint der Volkszorn auch gezielt durch die Republikaner geschürt zu sein
Offiziell befinden sich die USA in der politischen Sommerpause. Doch Urlauber, die dieser Tage durchs Land reisen, stoßen inmitten amerikanischer Städte auf Infostände zur Gesundheitsreform, an denen Präsident Barack Obama mit Hitler- Schnurrbart gezeigt wird. Wer im Fernsehen die Nachrichtenkanäle einschaltet, sieht ungewohnte Bilder.
Jeden Sommer stellen sich Abgeordneten und Senatoren in sogenannten Townhall-Meetings daheim im Wahlkreis den Fragen der Bürger. Doch jetzt entgleisen sie zu Schreiduellen. Aufgebrachte Frauen und Männer, zumeist vorgerückten Alters, brüllen die Volksvertreter nieder. Mancherorts mussten bei den Informationsveranstaltungen der Demokraten Abgeordnete gar unter Polizeischutz aus dem Saal geführt werden.
Auf den Plakaten der Protestler steht „No socialism“ oder „No to government run health care“ oder „Nobama Deathcare“. Mitunter werden Kinder vorgeschickt, die eine Pappe mit der Aufschrift „Obama Lies, Grandma Dies“ hochhalten. Neben dem Hitler-Vergleich ist auch die Darstellung des Präsidenten als „Obamahdinejad“ üblich geworden, in Anspielung auf Irans verhassten Präsidenten Ahmadineschad.
Der Widerstand richtet sich gegen die geplante Gesundheitsreform. Diese Amerikaner interpretieren die Einführung einer Krankenversicherung für alle als „Sozialismus“ und die Maßnahmen zur Kostendämpfung als Todesurteil für kränkelnde Senioren. Die Pläne zur Finanzierung sind für sie Lügenwerk. In anderen Zeiten sind Townhall-Meetings gesittete Veranstaltungen mit einem höflichen Austausch von Argumenten.
Doch im Sommer 2009 ist vieles anders. Und so fragen US-Medien: Sind die Wutausbrüche Ausdruck spontanen Volkszorns gegen ein ungeliebtes Reformprojekt? Oder steckt dahinter eine Kampagne der Republikaner, die im Kongress die Mehrheit verloren haben und nun die Straße aufwiegeln? Obamas Sprecher Robert Gibbs hat in White-House-Presserunden schon mehrfach vom „Mob“ gesprochen.
Allem Anschein nach mischen sich beide Faktoren. Umfragen belegen immer wieder: Eine Mehrheit der Bürger hat Angst vor Veränderungen im Gesundheitswesen. In einer CNN-Umfrage sagten 83 Prozent kürzlich, sie halten ihre Gesundheitsversorgung für gut. 74 Prozent sind mit ihrer jetzigen Krankenversicherung zufrieden. Für Europäer, die beide Systeme kennen und vergleichen können, ist das ein erstaunlicher Befund. Der Durchschnittsbürger ist in Deutschland besser gegen Krankheit und ihre Folgen abgesichert als in den USA, und das zu niedrigeren privaten Kosten.
Doch die meisten Amerikaner denken anders als Europäer über die Rolle des Staates und das richtige Ausmaß gesellschaftlicher Solidarität. Eine staatlich organisierte Versicherung für alle gilt als Zwangssystem oder „Sozialismus“. Zur individuellen Freiheit gehört aus Sicht vieler Amerikaner auch die Freiheit, sich nicht gegen Krankheit zu versichern, sondern das Risiko selbst zu tragen.
- Datum 17.8.2009 - 09:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 23
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Grundsätzlich finde ich es gut, dass es seitens der Politik in den USA notwendig, den Menschen die entsprechenden Gesetze und Vorhaben nahe zu bringen. Sowas würde ich mir auch für Deutschland wünschen.
Das Problem dabei ist, dass man dafür ein Volk mit breiter Bildung benötigt. Ich habe keinen übermäßigen Einblick in das amerikanische Bildungssystem und will hier auch nicht mit Vorurteilen kommen, aber das US-Schulsystem ist nicht gerade für seine fundierte Bildungsvermittlung bekannt (mit Ausnahme der Elite-Universitäten, an denen man aber ohnehin nur als Genie oder Teil eine Geldelite ankommt). Ein gebildetes Volk würde sich zumindest nicht von solch einer dämlichen Angstmachererei blenden lassen.
Ich kann natürlich nicht selbst beurteilen, wie weit verbreitet dieser Protest tatsächlich ist - aber darf man den Medien trauen, dann sind die Gegner nicht gerade eine kleine Minderheit.
interessant ist vielmehr, daß nach all den jahren, die die us-bürger einen buh-mann hatten, den sie vorschieben konnten, sich nun zeigt, daß sie viel stärker hinter ihrem angeblich so verpönten bush standen, als man vermutet hätte.
nun haben sie keinen präsidenten mehr, der als feindbild geeignet ist, da zeigt sich dann eben auch, welche haltung die menschen haben, die die gesellschaft dieses landes ausmachen.
ich wünsche barack obama viel erfolg und glück, das wird er brauchen.
Ich lebe hier in den USA seit den letzten 24 Jahren. Ich weiss nicht warum die sich in die Hose machen. Die mit Versicherung muessen die mit keiner auffangen,deswegen haben die Kosten(ein Teil). Das ist doch auch Sozialismus !! Die amerikanische Armee wird hat " Goverment Healthcare " . Wir haben es auch und es funktioniert ganz gut.Wie wuerden sonst die Soldaten behandelt werden und ausserdem alle Senat und Congress Mitglieder profitieren davon ebenfalls (lebenlang,bizarre)!!!
Ich stimme dem Komentator zuvor ,das Schulsystem ist unter aller Sau ( ich arbeite in einem). Zum freien Denken wird nicht animiert. Ich kann nur sagen es herrscht Schizophrenie hier in Lande und viel Dummheit.
Ausserdem gehoert Medicaid (fuer die Unterbemittelten) und Medicare (fuer die ueber 65 Jahre) auch zu einem "Goverment run Healthcare", ist auch Sozialismus. Den Amerikaner zu verstehen ist auch fuer viele hier schwer.
Es muessen dann alle aelteren Amerikaner ihr Medicare aufgeben.... goverment run.. never going to happen:)
Wie kann die gerechte, gute Meinung von Obama nur von so vielen Bürgern - die natürlich durch die republikanischen Rattenfänger "manipuliert" werden - angezweifelt werden?
Hat der Autor des Artikels Probleme mit der Demokratie? Glaubt er, jede Meinung, die - bei diesem durchaus schwierigen Thema - von seiner und der Obamas abweicht, muss unlauter erworben sein?
Und seit wann ist man so zimperlich, wenn zugespitzt wird? Bei Bush, habe ich nie Artikel gesehen, die sich über Vergleiche mit Hitler etc. in irgendeiner Weise mokiert hätte.
Es ist unglaublich und nie da gewesen: die gesamte deutsche Presse verlässt die Tradition US-Präsidenten o.a. mächtige Männer mit kontroversen Argumenten anzugreifen bzw. ein wenig "des Teufels Advokat" zu spielen, wie es ein Journalist doch eigentlich auch tun sollte ... Statt dessen wird kritiklos und einseitig berichtet und Obama geradezu mythisch überhöht.
Was ist da los ...?
Das Problem ist nicht die Kritik an der Gesundheitsreform, sondern das völlig unsachliche Angreifen ebendieser. Und während eines Townhall-Meetings den Abgeordneten, der die Inhalte erklärt, nicht zu Wort kommen zu lassen und herumbrüllen zu lassen, zeugt auch nicht gerade von einem Interesse an einem konstruktiven Austausch. Zumal einige Kritiker ja nicht mal den Inhalt der Reform zu kennen scheinen - da sollten sie, statt zu brüllen, lieber mal dem Abgeordneten zuhören.
Amerika hat diese Maxime seit Beendigung des Buergerkrieges und dies ist auch die Meinung aller Amerikaner. Kein Praesident - und erst recht nciht Mr. OBAMA kann dies aendern. Die Freiheit der Amerikaner wurde bereits im Laufe der letzten Jahrzehnte drastisch eingeschraenkt - und wenn Sie es wissen wollen, die Deutschen haben inzwischen mehr Freiheiten. Freiheit durch die staatlichen Waelder und Fluren zu wandern, Freiheit so schnell zu fahren wie es der Verkehr und die eigenen Faehigkeiten erlauben, Freiheit zu entscheiden ob staatliche oder gesetzliche Krankenversicherung - nicht moeglich in Amerika. Jeder Amerikaner hat einen gesetzlichen Pflichtbeitrag (rund 8% des monatlichen Brutto-Einkommens) zu bezahlen, egal ob er diese Pflichtversicherung in Anspruch nimmt oder nicht. Auch Selbstaendige, die ihre Angestellten nicht in der gesetzlichen (und minderwertigen -was Medikamente, Auswahl der Aerzte und Behandlungen) Plichtversicherung, sondern in einer privaten Krankenversicherung teilfinanzieren, sind gezwungen!!! die gesetzlichen Pflichtbeitraege in Hoehe von 10% des erzielten monatlichen Brutto-Gesamtumsatzes zu bezahlen! Dies sind Fakten, die kein freiheitsliebender Amerikaner ertragen kann.
*We the People of the United States, menaced for the past 100 years by collectivist trends, must seek Revival of Our Strength by re-Educating Ourselves in the Spiritual Foundations, Principles and Ideals which are the bedrock of our Republic, the Principle and Conviction of the Sacredness of every Human Life, and in the understanding of Our Responsibilities in the care and maintenance of those Foundations. To that end is this HTML Edition presented.
* "Government is not reason, it is not eloquence, it is force; like fire, a troublesome servant and a fearful master. Never for a moment should it be left to irresponsible action." ----George Washington, speech of January 7, 1790 in the Boston Independent Chronicle, January 14, 1790
* Kein Praesident - und erst recht nciht Mr. OBAMA kann dies aendern.
Seltsam - wir Dummerchen in Europa hatten bislang geglaubt, Mr Obama sei Präsident Ihres Landes. Da sehen Sie mal, wie wenig wir hier drüben mitbekommen.
Es ist schön zu lesen, wie viel weiter Deutschland mittlerweile zu sein scheint. Daher empfehle ich jedem Amerikaner mal in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Nach Abzug aller Abgaben würde wohl jeder Amerikaner dann wieder ganz schnell zurück wollen in sein System.
Und dann wären bei den Deutschen noch die Werbespotirrtümer zu entdecken: Dienstleistung, Rechtssystem, Waffenlobby, viele freie und nicht eingeschränkte Autobahnen.
Wenn die Amerikaner so freiheitsliebend sind, warum wurde dann nicht so massiv gegen die Antiterrorgesetze protestiert?
Ich habe das Gefühl, die Illusion von Freiheit ist den Amerikanern wichtiger als wirkliche Freiheit. Kaum schränkt man den Second Amendment (Waffenbesitz) ein, sind die Grundpfeiler des Staates in Gefahr, aber wenn auf Guantánamo ein Gefangenenlager errichtet wird, ein Heimatschutzministerium gegründet wird oder ein Patriot Act verabschiedet wird, interessiert das bestenfalls eine Hand voll Intellektueller.
Ihren durchgehenden, schreienden Fettdruck hätte ich Ihren Kommentar vielleicht gelesen. Oder ist das ein technischer Fehler?
Zum Thema selbst: Ich gebe zu, ich verstehe die Amis einfach nicht. Es gibt sicher einiges, was ich mag, aber der Begriff von "Freiheit" ist schon seltsam. Eine allgemeine Krankenversicherung ist also "Sozialismus". Und was ist es, wenn Kriminelle nach dem dritten Verbrechen jahrelang eingesperrt werden (wie in Kalifornien), auch wenn das Verbrechen nur im Stehlen von Golfschlägern besteht? Vermutlich irgendwie Freiheit.
Die Kampagne die einige Fundis gegen Obama hier fahren, ist echt widerlich.
* Kein Praesident - und erst recht nciht Mr. OBAMA kann dies aendern.
Seltsam - wir Dummerchen in Europa hatten bislang geglaubt, Mr Obama sei Präsident Ihres Landes. Da sehen Sie mal, wie wenig wir hier drüben mitbekommen.
Ich kann Ihnen nur dringend raten Ihre Deutsch-Kenntnisse (Satz-Stellung, -Inhalte, -Sinn-Zusammenhang etc.) zu ueberpruefen und dann nochmals in Ruhe diesen Beitrag zu lesen - wobei Sie offensichtlich bei dem ersten Durchlesen nichts vom Inhalt erfasst haben!
Kaum zu glauben, wie die Amerikaner sich vor einen Karren spannen lassen. Kaum zu glauben, dass das freie Reden so sehr gewünscht ist, aber das freie Denken kaum stattfindet. Wer auch immer sich gegen eine amerikanische Gesundheitsreform stellt, wird sicherlich selbst gut abgesichert sein oder noch nie wirklich hohe Genesungskosten verursacht haben. Ehem, was kostet noch gleich eine Chemo oder eine kleine OP in den USA?
An Obamas Stelle würde ich mich offen zeigen. Ich würde als gewählter Volksvertreter auch das Volk ganz gezielt befragen und ggf. eine Art Volksabstimmung durchführen. Irgendwie muss es möglich sein, diese gegengerichteten Gruppen zu isolieren. Denn wer nach den letzten Jahren noch nicht verstanden hat, das ausschließlich Werte Krisen vermeiden können, der sollte nicht aus dem Mantel einer Weltmacht sprechen.
Ich kann Ihnen nur dringend raten Ihre Deutsch-Kenntnisse (Satz-Stellung, -Inhalte, -Sinn-Zusammenhang etc.) zu ueberpruefen und dann nochmals in Ruhe diesen Beitrag zu lesen - wobei Sie offensichtlich bei dem ersten Durchlesen nichts vom Inhalt erfasst haben!
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