Paid Content Die Zeitungsbranche braucht ein iPhone
Rupert Murdoch hat den letzten Glaubenskampf der Medienwelt wieder entfacht: Kann man im Internet Geld für journalistische Inhalte verlangen oder nicht?

© Chip Somodevilla/Getty Images
Mit seiner Ankündigung, Geld für Nachrichten im Internet zu verlangen, hat Rupert Murdoch einer alten Debatte Zündstoff gegeben
Rupert Murdoch hat jetzt noch einmal wiederholt, was er schon vor kurzem andeutete: Die Zeiten des Internet, wie wir es kennen, seien vorbei. Er meint das kostenlose Internet, in dem kein Leser für Nachrichten, Reportagen oder Interviews zahlt. Bis 2010 will Murdoch auf allen Medien-Websites seines Konzerns News Corporation von den Nutzern Geld verlangen.
Medienprofessor Jeff Jarvis, Autor des Buches Was würde Google tun? und Apologet der aktuellen Kostenlos-Kultur, reagierte am schnellsten: "Als der Guardian mich bat, einen Kommentar zum Thema zu verfassen, bin ich rechts ran gefahren und habe im Auto geschrieben", twitterte er. Jarvis’ Tenor: Zeitungen können online nur dann Geld verlangen, wenn sie – wie die Financial Times oder Murdochs Wall Street Journal – wertvolle Fachinformationen haben, mit denen die Leser wiederum Mehrwert generieren können, und deren Rechnung sie als Spesen an ihren Arbeitgeber weiterleiten. Für alle anderen Titel sei die Hoffnung, Internet-Leser zu Kasse zu bitten, "fruchtlos und womöglich selbstmörderisch".
Ähnlich differenziert reagierte Chris Anderson, Chefredakteur der Technologie-Zeitschrift Wired: "Amüsiere mich über die schlecht informierten Spekulationen, was Murdoch gemeint haben könnte", twitterte der Autor des Buchs Umsonst, in dem er erklärt, warum digitale Produkte tendenziell immer billiger werden: "Murdoch spricht von Freemium", so Anderson: "Er wäre dumm, wenn er alle seine Seiten zu 100 Prozent kostenpflichtig machen würde. Und er ist nicht dumm."
Für alle Leser, die nicht bei einer Zeitung arbeiten, muss man die Debatte erklären. Verlagsmanager sind verzweifelt, weil die Werbeeinnahmen – und oft auch die Auflagen – der Print-Ausgaben wegbrechen, im Internet aber kein Markt nachwächst, der diese Verluste ausgleichen könnte. Für Werbung im Web wird sehr viel weniger bezahlt, für Inhalte in der Regel gar nicht.
Manche wehklagen nun, man habe zu Zeiten der New Economy einen Riesenfehler begangen, als man den Leser daran gewöhnt habe, den wertvollen Zeitungs-Content – wie man neuerdings sagt – umsonst zu bekommen. Realistischere Analysten wie Anderson und Jarvis verweisen auf die generelle Gratis- und Link-Kultur des Internet, in dem Inhalte blitzschnell überallhin kopiert werden. In dem es aber auch gut ist, wenn viele andere Seiten jemandes Content zitieren und auf dessen Website verweisen, weil das Leser bringt und damit Anzeigenumsatz. In dem nichtmonetäre Währungen wie Links, Reputation und Gruppenzugehörigkeit in vielen Fällen das Geld ersetzen.
Das klingt alles gut. Nur nützt es den Zeitungen und Magazinen nicht, die immer weniger einnehmen und darum sparen müssen. Die Verlage entlassen Journalisten, kürzen Budgets und können zunehmend schlechter begründen, warum sie für das in der Folge häufig qualitativ minderwertige Produkt nun plötzlich Geld verlangen wollen, obgleich es doch bislang im Netz umsonst zu haben war.
Murdoch will jetzt es trotzdem versuchen, und er ist nicht der einzige. Financial-Times-Chefredakteur Lionel Barber sagt voraus, dass im nächsten Jahr die meisten Zeitungen beginnen werden, ihre Internet-Nutzer zur Kasse zu bitten. David Simon, Autor der preisgekrönten amerikanischen TV-Serie The Wire, einflussreiche Medienfigur in den USA und selbst ehemaliger Journalist, forderte jüngst gar die New York Times und die Washington Post auf, ihre Online-Inhalte gleichzeitig hinter eine Pay Wall zu bringen, also komplett kostenpflichtig zu machen. Legten diese Dickschiffe vor, könnten alle anderen Zeitungen nachziehen, glaubt Simon.
- Datum 07.08.2009 - 18:24 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Verlage könnten den populären Teil der Zeitungs-Inhalte – Meldungen, große Sportereignisse, Buntes – weiter werbefinanzieren und in den Nischen für jene Leser, die sich wirklich für bestimmte Themen interessieren und aus ihnen individuellen Nutzen ziehen, nach Möglichkeiten für Bezahlung suchen.
Wenn ich mir den "seriösen" Teil der hiesigen Pressewelt der letzten 3 Wochen durchlese (z.B. Guttenberg Hype) ist dieser auch in die Rubrik "Populär" abgerutscht.
Dieses Abrutschen macht sich aber generell bei den klassischen Massenmedien schon seit an paar Jahren bemerkbar. Es wird immer unerträglicher!
Ihr wollt damit Geld verdienen? Nein, mit nichten!!!
Ihr werdet "Implodieren".
Die Geschwindigkeit bestimmt ihr auch noch selbst.
Überleben werden einige wenige Journalisten. Und zwar die, die wirklich gut sind.
Nicht in der Meinungsmache, sondern im investigativem, ehrlichen Journalismus!!!
Mit Tiefe. Selbstständig im Internet. Mit eigenen, pfiffigen Vermarktungsideen!
http://tiny.cc/urjib
Wer braucht noch Papier?
"Jene Qualitätszeitung, die sich als erste durch ein erschwingliches Abomodell, gebündelt mit einem schönen Spielzeug neu erfindet, wird auch junge Leser wieder begeistern."
Naja, ich weiß nicht ob ich mit 29 noch als junger Leser gelte, aber ich werde kaum die Zeitung wechseln nur weil eine auch in einer Kindle-Version erscheint. Ich kann mir durchaus vorstellen meine Zeitung kostenpflichtig auf einem Kindle zu lesen statt hauptsächlich Internachrichten zu konsumieren. Aber 1 ist ein Kindle o.Ä. momentan noch mit 300€ viel zu teuer und 2. würde ich bei deutschen Zeitungen darauf warten bis die Zeitung meiner Wahl auch derart zur Verfügung steht.
Für die E-Paper-Ausgabe einer amerikanischen Qualitätszeitung wäre ich aber erheblich schneller zu begeistern, da diese in Papierform an Bahnhöfen noch zu hohe Preise für den täglichen Konsum haben.
Ich denke es geht auch weniger um den Wechsel der angestammten Zeitung, sondern vor allem um das Schaffen eines regelmäßigen Nachrichtenkonsums und durch das Abo um das längerfristige Binden an einen Dienst. Hier wird natürlich besonders die Jugend angesprochen, da diese sich oft noch nicht festgelegt hat und außerdem das Kompakte, Praktische schätzt.
Und zum Punkt der Auslandspresse stimme ich Ihnen vollkommen zu und möchte hinzufügen dass zudem der Transport von Bytes deutlich schneller vonstatten geht als der von Papier.
Ich denke es geht auch weniger um den Wechsel der angestammten Zeitung, sondern vor allem um das Schaffen eines regelmäßigen Nachrichtenkonsums und durch das Abo um das längerfristige Binden an einen Dienst. Hier wird natürlich besonders die Jugend angesprochen, da diese sich oft noch nicht festgelegt hat und außerdem das Kompakte, Praktische schätzt.
Und zum Punkt der Auslandspresse stimme ich Ihnen vollkommen zu und möchte hinzufügen dass zudem der Transport von Bytes deutlich schneller vonstatten geht als der von Papier.
Ich denke es geht auch weniger um den Wechsel der angestammten Zeitung, sondern vor allem um das Schaffen eines regelmäßigen Nachrichtenkonsums und durch das Abo um das längerfristige Binden an einen Dienst. Hier wird natürlich besonders die Jugend angesprochen, da diese sich oft noch nicht festgelegt hat und außerdem das Kompakte, Praktische schätzt.
Und zum Punkt der Auslandspresse stimme ich Ihnen vollkommen zu und möchte hinzufügen dass zudem der Transport von Bytes deutlich schneller vonstatten geht als der von Papier.
Wenn ihr mit der Bannerwerbung nicht genug Geld verdient, dann macht es doch wie die Goldjungen von MediaMarkt und Saturn: eine nichtssagende Internetseite ohne Shop, sondern nur mit den Adressen der Märkte (notfalls kann man dann noch den aktuellen Flyer runterladen) - das Geld wird im Laden verdient.
Auf die Presse übertragen:
Erste Möglichkeit: Stellt einfach nur den ersten Absatz rein, alles weitere bekommt nur zu sehen, wer auch Abonnent der Print-Ausgabe ist. (Beispiele Heise-Verlag, Hamburger Morgenpost, Spiegel)
Zweite Möglichkeit: Blockt externe Suchmaschinen aus, die auf einzelne Artikel verweisen (rerouting auf die Titelseite) und mahnt alle konkurrierenden Anbieter ab, die es wagen, euren Content ohne Lizenzgebühren weiterzuverwenden! Copy&Paste sollte nicht nur an der Uni zur sofortigen Zwangsexmatrikulation führen! (Vorschlag von Burda?)
Aber mal ehrlich von der Leber weg: ich lese jeden Tag SpiegelOnline, Hamburger Abendblatt Online, Welt Online (meist nur Hamburgteil), Mopo; ab und an guck ich bei der Zeit online vorbei. Den Spiegel hab ich noch als Printausgabe abonniert (fürs Klo...), alle anderen genannten Zeitungen kaufe ich nicht mehr. Früher hab ich morgens beim Bäcker eine Tageszeitung zum Brötchen dazugekauft. Das Geld spar ich jetzt.
Es liegt an euch, liebe Journalisten und Verlagskaufleute rauszufinden, wie ihr wieder mehr Geld von mir bekommen könnt. (Nicht das ich dem abgeneigt wäre: als der Tagessspiegel einen Hamburgteil überlegte, hab ich mich gleich in die Liste der verpflichtenden Abonnenten eingetragen!)
Auch das wird niht funktionieren weil Information nicht mehr ein Vorrecht der "Printmedien" oder der alteingesessenen Medien ist.
Information verbreitet sich im Internet schnell durch die globale Vernetzung werden auch Vorfälle in entlegenen Gebieten recht schnell im Internet bekannt. Das Informationsmonopol, für das bezahlt werden muss, existiert als solches einfach nicht mehr.
Auch das wird niht funktionieren weil Information nicht mehr ein Vorrecht der "Printmedien" oder der alteingesessenen Medien ist.
Information verbreitet sich im Internet schnell durch die globale Vernetzung werden auch Vorfälle in entlegenen Gebieten recht schnell im Internet bekannt. Das Informationsmonopol, für das bezahlt werden muss, existiert als solches einfach nicht mehr.
Das Gejammer der Verlagsmanager ist vergleichbar mit den Leuten vom Heidelberger Appell: wir besitzen die Urheberrechte und darum wollen wir kein Google und keine Konkurrenz.
Ich verkaufe z.B. 250 X mehr über Google und Ghetty als jemals durch eine komische kleine deutsche Agentur wie die DPA...
Wie auch immer, toll ist doch, das es genau die Verlagsleier waren, die die Honorare bis zur Lächerlichkeit schrumpfen liessen das ihren Redaktionen zu uninteressant waren denen etwas anzubieten. Das Resultat ist das nur noch abgetakelte Platzhirsche ihren Frust auf "Den Leser" loslassen können der zuvor schon von solchen Kanalien wie "Hart abber fair" weichgekocht wurde. Neue Ideen werden so nun wirklich realisiert. Das haben die Platzhirsche der Medien mit den Universitäten gemein. Smartarsetalks und aufpassen das niemand nachwächst, sollen die doch als Soldaten nach Afghanistan gehen wenns keine Jobs gibt....
Anmerk. des Autors: Ich bin viel zu alt um Betroffener zu sein.
Von mir werden die Zeitungsverlage wahrscheinlich kein Geld mehr für News bekommen. Es wird sich immer jemand finden, der User mit Gratisangeboten auf seine Seiten lockt, um Werbung zu machen gegen die ich aber weitgehend immun bin. Auch wenn es intelligente Vermarktungsstrategien gäbe würden nur wenige Normalverbraucher Geld bezahlen, viel Geld sowieso nicht.
Die Zukunft liegt für Journalisten wohl in Privataufträgen für spezielle Themen und Kunden, Firmen beispielsweise oder Interessengemeinschaften.
Journalisten müssten sich also wahrscheinlich immer mehr spezialisieren. Ich lese eine Fachzeitschrift, bei der sowohl Jounalisten, als auch Fachleute schreiben. Man erkennt sofort den Unterschied: Journalisten schreiben zwar schön, haben aber fachlich meist nicht viel zu sagen. Bei schreibenden Fachleuten ist es anders herum.
...sieht so aus:
Zeitungsartikel werden neben der eigentlichen Zeitung, in der sie erscheinen, in einen Online-Store (siehe Amazon MP3s, Apple iTunes) gestellt. Dieser Online-Store erlaubt es mir, mir meine tägliche Tageszeitung als Epaper (für Kindle, Sony Reader etc., oder Audiobook) zusammenzustellen - aus Artikeln verschiedenster Quellen.
Ich würde z.B. gern täglich den Wirtschaftsteil der FTD, das Feuileton der SZ, den Sportteil meiner Lokalzeitung, eine sehr kurze Zusammenfassung des Politikgeschehens (wobei ich gern per Filter exlizit Themen ausschließen möchte) und die 5 meistgelesenen Artikel von spiegel.de (online) lesen.
Ebook-Reader-Gerät mit Online-Sync-Funktion wäre nett, ist aber kein Muss (hab schon einen).
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Zeitungsartikel werden neben der eigentlichen Zeitung, in der sie erscheinen, in einen Online-Store (siehe Amazon MP3s, Apple iTunes) gestellt. Dieser Online-Store erlaubt es mir, mir meine tägliche Tageszeitung als Epaper (für Kindle, Sony Reader etc., oder Audiobook) zusammenzustellen - aus Artikeln verschiedenster Quellen.
Ich würde z.B. gern täglich den Wirtschaftsteil der FTD, das Feuileton der SZ, den Sportteil meiner Lokalzeitung, eine sehr kurze Zusammenfassung des Politikgeschehens (wobei ich gern per Filter exlizit Themen ausschließen möchte) und die 5 meistgelesenen Artikel von spiegel.de (online) lesen.
Ebook-Reader-Gerät mit Online-Sync-Funktion wäre nett, ist aber kein Muss (hab schon einen).
...sieht so aus:
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Ich würde z.B. gern täglich den Wirtschaftsteil der FTD, das Feuileton der SZ, den Sportteil meiner Lokalzeitung, eine sehr kurze Zusammenfassung des Politikgeschehens (wobei ich gern per Filter exlizit Themen ausschließen möchte) und die 5 meistgelesenen Artikel von spiegel.de (online) lesen.
Ebook-Reader-Gerät mit Online-Sync-Funktion wäre nett, ist aber kein Muss (hab schon einen).
Ein weiteres Gerät dürfte eher nicht die Lösung sein. Der Reiz am iPhone ist ja, dass es so etwas wie ein telefonierender PC für die Hosentasche ist. Dabei wird ein Gerät (naja, nicht ganz) eingespart. Weil das so praktisch ist und gut funktioniert schafft Apple es dann auch in seiner geschlossenen Umgebung Dinge zu verkaufen.
Für Text-Inhalte sind spezielle Lesegeräte eher kein guter Weg. Für viele Ältere mag etwas buchähnliches ja attraktiv sein, aber jemand der seid Jahren nur noch auf dem Bildschirm ließt, für den ist der Computerbildschirm auch das beste Medium.
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