Paid Content Die Zeitungsbranche braucht ein iPhoneSeite 2/2

Simon ist ein kluger Mann, aber diese Hoffnung ist vermutlich naiv. Niemand bezahlt für den Zugang zu einer Website, auf der er Nachrichten findet, die er – und das ist die Natur des Internet – in Sekunden woanders kostenlos finden kann. Es wird nie möglich sein, alle Löcher zu stopfen: Die Marktlogik und die dezentrale Natur des World Wide Web werden dafür sorgen, dass sich immer ein neuer Anbieter fände, der dieselben News umsonst anböte.

Für Kommentare kann man auch kein Geld verlangen, wie das Beispiel von Times Select zeigt, des grandios gescheiterten Online-Bezahlprogramms der New York Times, das vor einigen Jahren die Leitartikel kostenpflichtig machte. Und die Hoffnung, dass die an schnelle, vielfältige Informationsaufnahme gewöhnten Onlineleser ausgerechnet für lange Reportagen und hintergründige Tiefenanalysen zahlen mögen, dürfte auch eher dem Wunschdenken klassisch ausgebildeter Journalisten entspringen.

Und doch ist Murdochs Vorstoß nicht vergeblich. Denn dass Menschen für digitale Inhalte Geld ausgeben, wenn sie einen klaren Nutzen für sich erkennen, der Preis niedrig und das Bezahlsystem einfach genug ist, zeigt Apples App-Store für das iPhone, in dem Millionen von Nutzern kleine, nützliche oder auch nur lustige Programme für oft weniger als einen Euro kaufen. Nur: Für welche Verlags-Inhalte würden sie zahlen?

Das von Anderson favorisierte Freemium-Modell scheint realistisch. Die Verlage könnten den populären Teil der Zeitungs-Inhalte – Meldungen, große Sportereignisse, Buntes – weiter werbefinanzieren und in den Nischen für jene Leser, die sich wirklich für bestimmte Themen interessieren und aus ihnen individuellen Nutzen ziehen, nach Möglichkeiten für Bezahlung suchen.

Darüber, was man ihnen anbieten könnte, zerbrechen sich auch in Deutschland Verleger und Redaktionen den Kopf. Man kann sich vorstellen, dass Fans von Pop-Bands, Fußballvereinen oder hochspezialisierten Hobbys bereit wären, für aktuelle, professionell aufbereitete und nutzerfreundlich abrufbare Informationen zu ihrem jeweiligen Lieblingsthema kleine Summen zu zahlen. Vielleicht könnten sich solche Angebote auch selbst tragen. Wie damit ein Netz an Auslandskorrespondenten oder gar monatelange investigative Recherche in den Politik- und Wirtschaftsressorts finanziert werden sollen, ist aber völlig ungeklärt.

Interessanter scheint da, das Abo-Modell in Verbindung mit neuen elektronischen Lesegeräten wiederzubeleben. Für auf Papier gedruckte statische Nachrichten von gestern wollen immer weniger Leser zahlen. Vielleicht aber für sich stets aktualisierende, multimedial aufbereitete Nachrichten, die aktuell auf einen Reader wie Amazons elektronisches Buch Kindle gesendet würden. Strichen Verlage Papier, Druck und Vertrieb aus der Kalkulation, könnten sie ein Zeitungs- oder Magazin-Abo günstiger als derzeit anbieten und gleichzeitig ein solches, dank technischem Fortschritt schon bald sehr viel attraktiveres Lesegerät umsonst oder sehr billig dazugeben, so wie Mobilfunkbetreiber die Handys subventionieren. Ein solches Abo könnte sogar bequem über die Telefonrechnung bezahlt werden, da der Handy- oder Internetprovider sowieso die Daten überträgt.

Es braucht also ein iPhone für die Verlagsbranche – und eher früher als später wird es eines geben. Vielleicht ist es das große, leichte und in der nächsten Generation auch flexible E-Paper, das die Dresdner Firma Plastic Logic im kommenden Jahr herausbringen will. Jene Qualitätszeitung, die sich als erste durch ein erschwingliches Abomodell, gebündelt mit einem schönen Spielzeug neu erfindet, wird auch junge Leser wieder begeistern.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Verlage könnten den populären Teil der Zeitungs-Inhalte – Meldungen, große Sportereignisse, Buntes – weiter werbefinanzieren und in den Nischen für jene Leser, die sich wirklich für bestimmte Themen interessieren und aus ihnen individuellen Nutzen ziehen, nach Möglichkeiten für Bezahlung suchen.

    Wenn ich mir den "seriösen" Teil der hiesigen Pressewelt der letzten 3 Wochen durchlese (z.B. Guttenberg Hype) ist dieser auch in die Rubrik "Populär" abgerutscht.
    Dieses Abrutschen macht sich aber generell bei den klassischen Massenmedien schon seit an paar Jahren bemerkbar. Es wird immer unerträglicher!

    Ihr wollt damit Geld verdienen? Nein, mit nichten!!!
    Ihr werdet "Implodieren".
    Die Geschwindigkeit bestimmt ihr auch noch selbst.

    Überleben werden einige wenige Journalisten. Und zwar die, die wirklich gut sind.
    Nicht in der Meinungsmache, sondern im investigativem, ehrlichen Journalismus!!!
    Mit Tiefe. Selbstständig im Internet. Mit eigenen, pfiffigen Vermarktungsideen!

    http://tiny.cc/urjib

    Wer braucht noch Papier?

  2. "Jene Qualitätszeitung, die sich als erste durch ein erschwingliches Abomodell, gebündelt mit einem schönen Spielzeug neu erfindet, wird auch junge Leser wieder begeistern."

    Naja, ich weiß nicht ob ich mit 29 noch als junger Leser gelte, aber ich werde kaum die Zeitung wechseln nur weil eine auch in einer Kindle-Version erscheint. Ich kann mir durchaus vorstellen meine Zeitung kostenpflichtig auf einem Kindle zu lesen statt hauptsächlich Internachrichten zu konsumieren. Aber 1 ist ein Kindle o.Ä. momentan noch mit 300€ viel zu teuer und 2. würde ich bei deutschen Zeitungen darauf warten bis die Zeitung meiner Wahl auch derart zur Verfügung steht.
    Für die E-Paper-Ausgabe einer amerikanischen Qualitätszeitung wäre ich aber erheblich schneller zu begeistern, da diese in Papierform an Bahnhöfen noch zu hohe Preise für den täglichen Konsum haben.

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    Ich denke es geht auch weniger um den Wechsel der angestammten Zeitung, sondern vor allem um das Schaffen eines regelmäßigen Nachrichtenkonsums und durch das Abo um das längerfristige Binden an einen Dienst. Hier wird natürlich besonders die Jugend angesprochen, da diese sich oft noch nicht festgelegt hat und außerdem das Kompakte, Praktische schätzt.
    Und zum Punkt der Auslandspresse stimme ich Ihnen vollkommen zu und möchte hinzufügen dass zudem der Transport von Bytes deutlich schneller vonstatten geht als der von Papier.

    Ich denke es geht auch weniger um den Wechsel der angestammten Zeitung, sondern vor allem um das Schaffen eines regelmäßigen Nachrichtenkonsums und durch das Abo um das längerfristige Binden an einen Dienst. Hier wird natürlich besonders die Jugend angesprochen, da diese sich oft noch nicht festgelegt hat und außerdem das Kompakte, Praktische schätzt.
    Und zum Punkt der Auslandspresse stimme ich Ihnen vollkommen zu und möchte hinzufügen dass zudem der Transport von Bytes deutlich schneller vonstatten geht als der von Papier.

  3. Ich denke es geht auch weniger um den Wechsel der angestammten Zeitung, sondern vor allem um das Schaffen eines regelmäßigen Nachrichtenkonsums und durch das Abo um das längerfristige Binden an einen Dienst. Hier wird natürlich besonders die Jugend angesprochen, da diese sich oft noch nicht festgelegt hat und außerdem das Kompakte, Praktische schätzt.
    Und zum Punkt der Auslandspresse stimme ich Ihnen vollkommen zu und möchte hinzufügen dass zudem der Transport von Bytes deutlich schneller vonstatten geht als der von Papier.

  4. Wenn ihr mit der Bannerwerbung nicht genug Geld verdient, dann macht es doch wie die Goldjungen von MediaMarkt und Saturn: eine nichtssagende Internetseite ohne Shop, sondern nur mit den Adressen der Märkte (notfalls kann man dann noch den aktuellen Flyer runterladen) - das Geld wird im Laden verdient.

    Auf die Presse übertragen:

    Erste Möglichkeit: Stellt einfach nur den ersten Absatz rein, alles weitere bekommt nur zu sehen, wer auch Abonnent der Print-Ausgabe ist. (Beispiele Heise-Verlag, Hamburger Morgenpost, Spiegel)

    Zweite Möglichkeit: Blockt externe Suchmaschinen aus, die auf einzelne Artikel verweisen (rerouting auf die Titelseite) und mahnt alle konkurrierenden Anbieter ab, die es wagen, euren Content ohne Lizenzgebühren weiterzuverwenden! Copy&Paste sollte nicht nur an der Uni zur sofortigen Zwangsexmatrikulation führen! (Vorschlag von Burda?)

    Aber mal ehrlich von der Leber weg: ich lese jeden Tag SpiegelOnline, Hamburger Abendblatt Online, Welt Online (meist nur Hamburgteil), Mopo; ab und an guck ich bei der Zeit online vorbei. Den Spiegel hab ich noch als Printausgabe abonniert (fürs Klo...), alle anderen genannten Zeitungen kaufe ich nicht mehr. Früher hab ich morgens beim Bäcker eine Tageszeitung zum Brötchen dazugekauft. Das Geld spar ich jetzt.

    Es liegt an euch, liebe Journalisten und Verlagskaufleute rauszufinden, wie ihr wieder mehr Geld von mir bekommen könnt. (Nicht das ich dem abgeneigt wäre: als der Tagessspiegel einen Hamburgteil überlegte, hab ich mich gleich in die Liste der verpflichtenden Abonnenten eingetragen!)

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    Auch das wird niht funktionieren weil Information nicht mehr ein Vorrecht der "Printmedien" oder der alteingesessenen Medien ist.
    Information verbreitet sich im Internet schnell durch die globale Vernetzung werden auch Vorfälle in entlegenen Gebieten recht schnell im Internet bekannt. Das Informationsmonopol, für das bezahlt werden muss, existiert als solches einfach nicht mehr.

    Auch das wird niht funktionieren weil Information nicht mehr ein Vorrecht der "Printmedien" oder der alteingesessenen Medien ist.
    Information verbreitet sich im Internet schnell durch die globale Vernetzung werden auch Vorfälle in entlegenen Gebieten recht schnell im Internet bekannt. Das Informationsmonopol, für das bezahlt werden muss, existiert als solches einfach nicht mehr.

  5. Das Gejammer der Verlagsmanager ist vergleichbar mit den Leuten vom Heidelberger Appell: wir besitzen die Urheberrechte und darum wollen wir kein Google und keine Konkurrenz.
    Ich verkaufe z.B. 250 X mehr über Google und Ghetty als jemals durch eine komische kleine deutsche Agentur wie die DPA...
    Wie auch immer, toll ist doch, das es genau die Verlagsleier waren, die die Honorare bis zur Lächerlichkeit schrumpfen liessen das ihren Redaktionen zu uninteressant waren denen etwas anzubieten. Das Resultat ist das nur noch abgetakelte Platzhirsche ihren Frust auf "Den Leser" loslassen können der zuvor schon von solchen Kanalien wie "Hart abber fair" weichgekocht wurde. Neue Ideen werden so nun wirklich realisiert. Das haben die Platzhirsche der Medien mit den Universitäten gemein. Smartarsetalks und aufpassen das niemand nachwächst, sollen die doch als Soldaten nach Afghanistan gehen wenns keine Jobs gibt....

    Anmerk. des Autors: Ich bin viel zu alt um Betroffener zu sein.

  6. Von mir werden die Zeitungsverlage wahrscheinlich kein Geld mehr für News bekommen. Es wird sich immer jemand finden, der User mit Gratisangeboten auf seine Seiten lockt, um Werbung zu machen gegen die ich aber weitgehend immun bin. Auch wenn es intelligente Vermarktungsstrategien gäbe würden nur wenige Normalverbraucher Geld bezahlen, viel Geld sowieso nicht.
    Die Zukunft liegt für Journalisten wohl in Privataufträgen für spezielle Themen und Kunden, Firmen beispielsweise oder Interessengemeinschaften.
    Journalisten müssten sich also wahrscheinlich immer mehr spezialisieren. Ich lese eine Fachzeitschrift, bei der sowohl Jounalisten, als auch Fachleute schreiben. Man erkennt sofort den Unterschied: Journalisten schreiben zwar schön, haben aber fachlich meist nicht viel zu sagen. Bei schreibenden Fachleuten ist es anders herum.

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    • mewers
    • 07.08.2009 um 20:57 Uhr

    ...sieht so aus:
    Zeitungsartikel werden neben der eigentlichen Zeitung, in der sie erscheinen, in einen Online-Store (siehe Amazon MP3s, Apple iTunes) gestellt. Dieser Online-Store erlaubt es mir, mir meine tägliche Tageszeitung als Epaper (für Kindle, Sony Reader etc., oder Audiobook) zusammenzustellen - aus Artikeln verschiedenster Quellen.

    Ich würde z.B. gern täglich den Wirtschaftsteil der FTD, das Feuileton der SZ, den Sportteil meiner Lokalzeitung, eine sehr kurze Zusammenfassung des Politikgeschehens (wobei ich gern per Filter exlizit Themen ausschließen möchte) und die 5 meistgelesenen Artikel von spiegel.de (online) lesen.

    Ebook-Reader-Gerät mit Online-Sync-Funktion wäre nett, ist aber kein Muss (hab schon einen).

    • mewers
    • 07.08.2009 um 20:57 Uhr

    ...sieht so aus:
    Zeitungsartikel werden neben der eigentlichen Zeitung, in der sie erscheinen, in einen Online-Store (siehe Amazon MP3s, Apple iTunes) gestellt. Dieser Online-Store erlaubt es mir, mir meine tägliche Tageszeitung als Epaper (für Kindle, Sony Reader etc., oder Audiobook) zusammenzustellen - aus Artikeln verschiedenster Quellen.

    Ich würde z.B. gern täglich den Wirtschaftsteil der FTD, das Feuileton der SZ, den Sportteil meiner Lokalzeitung, eine sehr kurze Zusammenfassung des Politikgeschehens (wobei ich gern per Filter exlizit Themen ausschließen möchte) und die 5 meistgelesenen Artikel von spiegel.de (online) lesen.

    Ebook-Reader-Gerät mit Online-Sync-Funktion wäre nett, ist aber kein Muss (hab schon einen).

    • mewers
    • 07.08.2009 um 20:57 Uhr

    ...sieht so aus:
    Zeitungsartikel werden neben der eigentlichen Zeitung, in der sie erscheinen, in einen Online-Store (siehe Amazon MP3s, Apple iTunes) gestellt. Dieser Online-Store erlaubt es mir, mir meine tägliche Tageszeitung als Epaper (für Kindle, Sony Reader etc., oder Audiobook) zusammenzustellen - aus Artikeln verschiedenster Quellen.

    Ich würde z.B. gern täglich den Wirtschaftsteil der FTD, das Feuileton der SZ, den Sportteil meiner Lokalzeitung, eine sehr kurze Zusammenfassung des Politikgeschehens (wobei ich gern per Filter exlizit Themen ausschließen möchte) und die 5 meistgelesenen Artikel von spiegel.de (online) lesen.

    Ebook-Reader-Gerät mit Online-Sync-Funktion wäre nett, ist aber kein Muss (hab schon einen).

    Antwort auf "Von mir werden die"
    • LH
    • 07.08.2009 um 21:11 Uhr

    Ein weiteres Gerät dürfte eher nicht die Lösung sein. Der Reiz am iPhone ist ja, dass es so etwas wie ein telefonierender PC für die Hosentasche ist. Dabei wird ein Gerät (naja, nicht ganz) eingespart. Weil das so praktisch ist und gut funktioniert schafft Apple es dann auch in seiner geschlossenen Umgebung Dinge zu verkaufen.
    Für Text-Inhalte sind spezielle Lesegeräte eher kein guter Weg. Für viele Ältere mag etwas buchähnliches ja attraktiv sein, aber jemand der seid Jahren nur noch auf dem Bildschirm ließt, für den ist der Computerbildschirm auch das beste Medium.

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