Bundesliga-Presseschau Fußball braucht Fehlentscheidungen

Gleich am 1. Spieltag debattiert die Liga wieder über die Torkamera. Werder Bremen hat das Verteidigen noch immer nicht gelernt. Felix Magath mosert trotz Sieg. Eine Presseschau

Das fälschlicherweise aberkannte Hoffenheimer Tor belebt die Diskussion um technische Hilfen für die Schiedsrichter wieder. Jan Christian Müller (FR) plädiert für eine Torkamera: "Letztlich können die Schiedsrichter noch so intensiv geschult werden (was aufgrund beruflicher Belastung längst noch nicht ausreichend der Fall ist) – in solchen Szenen hilft ihnen für zweifelsfreie Aufklärung am besten technische Hilfe. Dass die Uefa diese Saison in der Europa League Torrichter testet, ist ein richtiger Schritt in die falsche Richtung. Denn so wird die Verantwortung doch nur auf die Fehlbarkeit des Menschen übertragen."

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In der SZ spricht sich auch Klaus Hoeltzenbein dafür aus. Der Vorfall in Hoffenheim habe klar gemacht, wie einfach solche Entscheidungen wären, wenn der Schiedsrichter das nutzen könnte, was jeder Fernsehzuschauer vor Augen hat. Auf diese Weise würde die Fairness erhöht und die Autorität des Schiedsrichters geschützt. Dass die Uefa nun nur auf menschliche Torrichter setze, sei nicht verständlich.

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Seine Gegenstimme erhebt Markus Hesselmann im Tagesspiegel: "Der Fußball ist gerade deshalb so groß, weil er so anfällig ist für Fehler. Der Philosoph Martin Seel nannte populären Sport die 'Zelebration des Unvermögens'. Fußball wäre dann das Hochamt des Unvermögens. Den Schiedsrichter hier herauszulösen und ihm durch technische Mittel zu einer Quasi-Unfehlbarkeit zu verhelfen, nähme dem Spiel viel von seiner subversiven Kraft, aus der die Fußballkultur schöpft. Der Fußball, wie wir ihn kennen und lieben, braucht die Fehlentscheidungen sogar."

Frank Hellmann (FR) kritisiert Werder Bremen, 2:3-Verlierer gegen Eintracht Frankfurt: "Ein unfertiges Ensemble, schlecht eingespielt, kaum abgesichert. Die Probleme des Pokalsiegers sind diffizil und haben natürlich einiges mit dem Diego-Abgang zu tun. Die vollzogene Systemumstellung, das Mittelfeld zugunsten der Dribbler Özil und Marko Marin quadrat- statt rautenförmig anzuordnen, führt zu noch mehr Dysbalancen im Defensivkonstrukt. Und Rückkehrer Tim Borowski einfach die Nummer 6 auf den Rücken zu packen und zu glauben, der lethargische und in München nicht grundlos aussortierte große Blonde sei ein defensiver Mittelfeldstratege, könnte ein fataler Irrtum sein."

In der Welt stimmen Kai Niels Bogena und Patrick Krull in die Diagnose ein: "Das Bremer Kollektiv fühlt sich zum Stürmen berufen, das Verteidigen scheint ihm eher lästig zu sein. Vorn hui, hinten pfui – die neue Spielzeit beginnt schon wieder mit den alten Problemen. Als Miroslav Klose noch in Bremen spielte, war das anders. Er war der erste Abfangjäger seines Teams, attackierte den Gegner schon, als der sich noch zum Gegenangriff sammeln wollte. Kloses Nachfolger dagegen fühlen sich nicht als Abfangjäger. Im Vergleich zu ihm bieten Spieler wie Boubacar Sanogo oder Hugo Almeida den Kontrahenten Geleitschutz."

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Immer montags und freitags veröffentlichen wir auf ZEIT ONLINE unsere Fußball-Presseschau zu den wichtigsten Themen der aktuellen Fußballberichterstattung. Die Presseschauen werden von unserem Kooperationspartner indirekter-freistoss.de erstellt.

indirekter-freistoss.de ist ein Fußball-Blog, das täglich die besten und wichtigsten Textausschnitte aus der deutschen Fußball-Presse sammelt, zitiert, verlinkt und kommentiert. Gegründet wurde das Blog im Jahr 2001 von Oliver Fritsch, der seit dem Jahr 2008 für ZEIT ONLINE als Autor arbeitet.

Mit Felix Magaths Reaktion auf den 2:1-Sieg in Nürnberg befasst sich Oliver Müller (Welt) : "Der Sieg war zustande gekommen, obwohl sich die Schalker in Teilen unprofessionell verhalten hatten. Und so gab es für Magath viele Gründe, trotz der drei Punkte sauer zu reagieren. Er befürchtet zum einen, dass die Defizite vom Sieg genauso übertüncht werden könnten wie sein Wunsch nach weiteren Verstärkungen. Zum anderen demonstrierte Magath mit seinem Auftritt und all seinen Entscheidungen, wer auf Schalke außer ihm im sportlichen Bereich noch etwas zu sagen hat. Niemand."

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) räumt Armin Veh einen Bonus ein: "Man kann es gewagt finden, dass der VfL einen Trainer engagiert hat, der mit der Konsolidierung auf höchstem Niveau schon einmal überfordert war; man kann es auch als besonders clever werten, weil Veh mit Sicherheit klug genug ist, dieselben Fehler nicht ein zweites Mal zu begehen. In Stuttgart hat er einst mit Macht versucht, die Meistermannschaft personell aufzumotzen und dabei ein funktionierendes Team zerlegt; beim ersten Bundesligaauftritt mit dem VfL hingegen hielt sich sein Veränderungswillen in Grenzen. Das heißt nicht, dass in Wolfsburg alles so bleiben wird, wie es war. Veh will mehr Kurzpässe und Kombinationen sehen. Ein Hang zur Selbstüberschätzung ist jedenfalls nicht festzustellen, viel eher eine gesunde Einschätzung der neuen Situation."

 
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