Tschetschenien Jagd auf Menschenrechtler reißt nicht ab

Morde an Menschenrechtlern werden in Russland zur schrecklichen Routine. Nun wurden in Tschetschenien die Bürgerrechtlerin Sarema Sadulajewa und ihr Ehemann ermordet

Russische Aktivisten demonstrieren nach der Ermordung der kritischen Journalistin Anna Politkowskaja gegen die Regierung und für die Wahrung der Menschenrechte

Es war ein trauriges Déjà-vu. Zunächst war am Montag die Entführung der tschetschenischen Bürgerrechtlerin Sarema Sadulajewa und ihres Ehemannes bekannt geworden. Am frühen Dienstagmorgen fand man die Leichen des Paares mit zahlreichen Schusswunden im Kofferraum eines Autos nahe der Hauptstadt Grosnyj. In einem ähnlichen Szenario war erst vor gut drei Wochen die bekannte Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa in der rechtsfreien Krisenrepublik Tschetschenien verschleppt und ermordet worden. Ihren Körper hatten die Mörder in ein Waldstück des benachbarten Inguschetien geworfen.

Das jüngste Opfer, Sarema Sadulajewa, hatte in der tschetschenischen Hauptstadt die Hilfsorganisation "Retten wir die Kinder“ geleitet. Die Gruppe kümmerte sich seit vielen Jahren um Kriegsopfer, Waisen und behinderte Kinder und Jugendliche. In Zusammenarbeit auch mit deutschen Ärzten organisierten sie medizinische Versorgung und Prothesen für die Opfer von Landminen.

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Obwohl die Organisation mit der tschetschenischen Regierung kooperiert haben soll, war sie schon in der Vergangenheit Opfer von Gewalt und Repressionen geworden. Im April 2005 waren der damalige Leiter Murad Muradow und der Mitarbeiter Ismail Kadajew entführt worden. Im Jahr darauf tauchten unter mysteriösen Umständen ihre bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leichen wieder auf. Die Mordfälle wurden niemals aufgeklärt. Aus Mudarows Privatwohnung hatten damals Unbekannte in Militäruniformen Dokumente der Organisation entwendet, darunter eine Datenbank mit den Namen der Opfer.

Die Entführung Sadulajewas und ihres Ehemannes Alik Djibralow am frühen Montagnachmittag war offenbar als Verhaftung inszeniert worden. Nach Informationen der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial waren fünf bewaffnete Männer, zwei in Zivil, drei in schwarzer Uniform, in das Büro der Organisation "Retten wir die Kinder“ in Grosnyj eingedrungen und hatten das Ehepaar aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Sie wurden in einem Auto weggebracht. Die Entführer sollen kurz darauf ins Büro zurückgekehrt sein, um ein Mobiltelefon und das Auto des Ehemannes mitzunehmen.

Alik Djibralow hatte, ebenfalls nach Angaben von Memorial, in Tschetschenien eine vierjährige Gefängnisstrafe wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Gruppierung verbüßen müssen. Er hatte Sadulajewa zwei Monate nach der Entlassung aus dem Gefängnis geheiratet.

Gewalt und Mordanschläge gegen Menschenrechtler gehören in Russland, nicht nur in Tschetschenien, zur Tagesordnung. Allein seit Jahresbeginn wurden fünf Aktivisten ermordet, darunter der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastasija Barburowa, die im Januar in Moskau auf offener Straße erschossen wurden. Große internationale Aufmerksamkeit hatte Ende Juli die Ermordung von Natalja Estemirowa ausgelöst. Die Mitarbeiterin der Organisation Memorial hatte willkürliche Ermordungen und Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Kriegsgebiet Tschetschenien aufgedeckt. Sie war eng befreundet mit der Tschetschenien-Reporterin Anna Politkowskaja, die 2006 in ihrem Wohnhaus in Moskau erschossen worden war.

Nach der Ermordung Estemirowas hatte Oleg Orlow, der Leiter von Memorial, den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow für das Verbrechen verantwortlich gemacht. Der Schützling des russischen Premierministers Wladimir Putin wies die Anschuldigungen zurück und kündigte an, die Mörder mit seinen eigenen, "volkstümlichen Methoden“ verfolgen zu wollen. Kadyrow hatte Estemirowa wegen ihrer mutigen Recherchen mehrfach bedroht und sie aufgefordert, ihre Arbeit zu beenden. In einem Radiointerview am Wochenende beschimpfte der tschetschenische Präsident die Bürgerrechtlerin. Sie habe keine Ehre und Würde besessen.

Leser-Kommentare
  1. es ist alles "lupenreine Demokratie", was in Putwedjews Mafia-Zarenreich praktiziert wird!
    Ja, wenn vor 30 Jahren die Kommunisten in der Sowjetunion ihre Gegner scharenweise niedergemetzelt hätten, dann wäre das Protestgeheule in der "freien demokratischen zivilisierten westlichen Welt" gigantisch gewesen.
    Aber heute sind die gleichen Kriminellen ja unsere lieben Freunde und Wirtschaftspartner, und da verbietet sich natürlich jede Form der Kritik von selbst. Schließlich wollen wir doch keine Arbeitsplätze gefährden, oder gar im nächsten Winter wegen plötzlich notwendig werdender mehrmonatiger Wartungsarbeiten an den Erdgas-Pipelines im Kalten sitzen müssen.

    Also weiter gute Jagd auf die lästigen QuerulantInnen und Waidmannsheil!

    • EllyS
    • 11.08.2009 um 18:45 Uhr

    Wir haben uns alle von der Propaganda zu lange einlullen lassen. Die Raffgier unserer führenden Manager, die auch mit dem Teufel paktieren würden solange der Gewinn stimmt, hat sicher das Übrige dazu getan.

  2. Welch ein brutaler Dummkopf, offensichtlich weiß er nichteinmal, was Ehre und was Würde ist. Vermutlich hatte er Angst, daß sie Beweise über ihn hätten, denn ein Mann so vieler Verbrechen kann gar nicht mehr genau wissen was wo gegen ihn vorliegt.
    Die Frage ist: Hat Putin mitgeschossen?

  3. Wenn raus kommen sollte, dass die US Amerikaner dahinter stecken, dann hört das Interesse, der US hörigen Systempresse, an der Aufklärung sehr schnell auf.

    So wie bei den täglichen Massenmorden und Folterungen an Menschen, die die USA und ihr oberster Verantwortlicher Barack Hussein Obama begehen.

    Jede noch so perverse Folter wird unterstützt und geduldet, solange es den eigenen Interessen dient, aber wenn in einem Staat wie Russland, das sich nicht dem Diktat der USA beugen will und in Freiheit leben will, ein Mensch aus dem Leben scheidet, wird schon wenige Minuten nach der Tat sofort im anti-russischem Wahn gegen diesen Staat gehetzt.

    Vor nicht all zu langer Zeit wurden Juden für alle Unglücke der Welt verantwortlich gemacht, heute nimmt man sich sich das Russische Volk und seine gewählten Vertreter vor.

    Diese Treibjagd gegen die Russische Föderation wird auf die Aggressoren zurückfallen, wie es auch auf Deutschland im Dritten Reich zurückgefallen ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bivi
    • 14.08.2009 um 9:23 Uhr

    Verharmloser, Verhöhner der Opfer, Wagenburgbauer und Verschwörungstheoretiker aller Länder vereinigt euch im 'Dienst' an Russland und China!

    • bivi
    • 14.08.2009 um 9:23 Uhr

    Verharmloser, Verhöhner der Opfer, Wagenburgbauer und Verschwörungstheoretiker aller Länder vereinigt euch im 'Dienst' an Russland und China!

  4. wo alle Rußlandbasher sich in ihren Vorurteilen bestätigt sehen, dann kann ich nur hoffen, daß sich wenigstens die deutsche Politik nicht von dieser gesteuerten Kampagne in den Medien nicht beeindrucken läßt. Wenn man die gewähren ließe, fänden wir uns im Krieg mit Rußland wieder, mit anderen Mächten als lachenden Dritten. Die selektive Sicht auf solche Ereignisse und die verlogene Berichterstattung über Rußland ist einfach nur noch ermüdend.

    • bivi
    • 14.08.2009 um 9:23 Uhr
    6. ***

    Verharmloser, Verhöhner der Opfer, Wagenburgbauer und Verschwörungstheoretiker aller Länder vereinigt euch im 'Dienst' an Russland und China!

  5. Der ganze Bericht ist typisch für deutsche Medienlandschaft. Immer die gleichen Anschuldigungen. Man will aus Russland eine bösartige Diktatur machen, die massenweise Menschen erschießt. Dabei wird nie über Menschenrechtler selbst oder die Gerichtsverhandlungen berichtet. In Tschechenien profietieren von den Ermordungen hauptsächlich die Rebellen, den damit kann man die tschetschenische Regierung unter Druck setzen.
    Das erstaunliche ist, dass die Berichte immer auf russischen Nachrichtenmeldungen beruhen, nur dreht man alles so, als ob die russische Regierung an allem Schuld ist.

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