Dienstwagenaffäre Rechnungshof entlastet Schmidt

Der Bundesrechnungshof wird Gesundheitsministerin Schmidt offenkundig entlasten. Sie könnte somit doch ins Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Steinmeier aufgenommen werden

Die Dienstwagenaffäre um Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist offenkundig von offizieller Seite ausgestanden. Schmidt kann nach Informationen des Tagesspiegels einen Bescheid des Bundesrechnungshofs erwarten, dass sie ihr Dienstfahrzeug korrekt genutzt hat. Die Fahrt nach Spanien wurde demnach privat und damit vorschriftsmäßig abgerechnet. Der Rechnungshof wollte dieses Ergebnis dem Ministerium zustellen.

Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte die Berufung seiner Parteifreundin ins "Kompetenzteam" ausgesetzt, solange die Prüfung des Bundesrechnungshofs laufe. Schmidt hatte vergangene Woche in einem persönlichen Gespräch mit Steinmeier angeboten, auf die Mitgliedschaft im Team so lange zu verzichten, bis die Fragen geklärt seien. Steinmeier wollte ihre nachträgliche Aufnahme vom Ergebnis der Prüfung abhängig machen, das eindeutig sein sollte. Zugleich hatte Steinmeier, der Jurist ist, vor einer Vorverurteilung gewarnt und "Fairness" für Schmidt eingefordert. Aus seinem nächsten Umfeld hieß es jetzt auf Anfrage: "Wenn das Ergebnis des Bundesrechnungshofs so eindeutig ausfällt, dann gibt es keinen Grund, Ulla Schmidt aus dem Team des Kandidaten fernzuhalten."

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Die vorsichtige Behandlung des Vorgangs hatte auch innerhalb der SPD einige Kritik hervorgerufen. Steinmeier war intern gedrängt worden, sich schneller und klar zu entscheiden. Das hatte der SPD-Spitzenkandidat abgelehnt.

Ein Sprecher des Bundesrechnungshofs hatte zuvor am Freitag gesagt, die Überprüfung der Dienstwagenfahrten der Ministerin im Spanienurlaub sei noch nicht abgeschlossen. Über Stand oder Details gebe die Behörde keine Informationen. Das Ergebnis der Überprüfung werde voraussichtlich "im Laufe dieses Monats" vorliegen. Nach Informationen des Tagesspiegels fehlt jedoch lediglich die Stellungnahme des Gesundheitsministeriums. Die Prüfer waren dem Vernehmen nach Anfang dieser Woche im Gesundheitsministerium, um dort unter anderem die Fahrtenbücher der Ministerin zu kontrollieren.

Schmidt war in die Kritik geraten, nachdem Ende Juli ihr Dienstwagen an ihrem Urlaubsort in Spanien gestohlen worden war. Dabei war bekannt geworden, dass sie ihren Fahrer samt Dienstwagen aus Deutschland hatte anreisen lassen. Schmidt hatte das zunächst mit dienstlichen Terminen begründet. Später hieß es darüber hinaus, der Fahrer habe eine Büromindestausstattung an den Urlaubsort transportieren müssen.

Ihren Dienstwagen hat die Ministerin in ähnlicher Weise in Spanien auch in den Jahren zuvor genutzt. "Ab 2006 stand der Ministerin (...) auch im Urlaub ihr Dienstfahrzeug zur Verfügung", heißt es in einem Bericht des Bundesfinanzministeriums an den FDP-Abgeordneten Jürgen Koppelin. Schmidt habe den Wagen in Spanien genutzt, um sich unter anderem über "soziale Probleme der in der Region ansässigen Deutschen" zu informieren. Dazu gehörten der Besuch von Seniorenheimen und Gespräche mit Lokalpolitikern und Journalisten vor Ort. Auch 2004 und 2005 fuhr Schmidt aus Gründen des Personenschutzes im Dienstwagen an ihrem Urlaubsort. Bis Ende 2003, heißt es in dem Bericht, habe Schmidt während ihres Urlaubs ausschließlich private Fahrzeuge genutzt.

 
Leser-Kommentare
  1. ob Frau Schmidt jetzt noch mitmachen will, nachdem die Mitgliedschaft der SPD ihr gegenüber weithin unsolidarisch war.

  2. Haben Sie gelesen, wessen Votum ausnahmsweise das Verhalten von Politikern beeinflusst? Ja genau, das des Bundesrechnungshofes. Bisher landeten seine Schwarzbücher immer ungelesen in der Tonne und so mancher Politiker stimmte kurz mit ein in die Wehklagen über öffentliche Verschwendung, um danach genau DAS wieder billigend in Kauf zu nehmen oder im Fö(r)deralismuswirrwarr zu ignorieren - (Stichwort für letzteres: Kosten zusätzlicher Steuerprüfer vs. Steuerabführung in den Länderfinanzausgleich bzw. Standortvorteile)

    Merken Sie es sich - im Wahlkampf hat der Rechnungshof etwas zu sagen, solange er eine politisch genehme Aussage macht - hier die "Unschuld" der Gesundheitsministerin zu beweisen.
    Moniert er dagegen die jährliche Verschwendung von Steuergeldern in Höhe von 30-60 Mrd. Euro, dann passiert niemand irgendetwas...

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    Der Bundesrechnungshof und das Kartellamt, ich glaube mittlerweile auch das BaFin, sind reine Alibibehörden, die allerdings sehr viel Geld kosten und eigentlich überflüssig sind.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Der Bundesrechnungshof und das Kartellamt, ich glaube mittlerweile auch das BaFin, sind reine Alibibehörden, die allerdings sehr viel Geld kosten und eigentlich überflüssig sind.

    Gruß, Bernd
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  3. Die Erkenntnis daß rechtmäßig nicht das gleiche wie richtig ist, wird sich in den Köpfen unserer Politiker wohl niemals durchsetzen.

  4. ..... dass Frau Schmidt entlastet wurde, da sie nicht die einzige Ressortchefin ist (unter Ressortchefs), die ihren Dienstwagen privat benutzt hat.

    Man kann über sie denken, wie man will, aber es kam bisher zu keinerlei Unregelmäßigkeiten in ihrer Amtszeit, d.h., zu keinen Unkorrektheiten. Und die Gesetze die Gesundheitsreform betreffend muss man immer daran denken, dass die Gesetze in diesem Land vom Bundesrat verabschiedet werden müssen, nach der Zustimmung im Bundestag!

    Solidarisch haben sich ihre Kollegen innerhalb der SPD insofern verhalten, als Steinmeier von Anfang an ihren Platz in seinem Team freihielt, was gerechtfertigt war, da Klärungsbedarf bestand die Dienstwagen-Angelegenheit betreffend.

  5. Der Bundesrechnungshof und das Kartellamt, ich glaube mittlerweile auch das BaFin, sind reine Alibibehörden, die allerdings sehr viel Geld kosten und eigentlich überflüssig sind.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Antwort auf "Merken Sie was?"
  6. vollkommen richtig, Bernd , diese "Behoerden" verwalten sich ueberwiegend selbst, zum Teil auch Abschiebebahnhof fuer "Politiker"
    die versorgt werden muessen, so richtig ernst nimmt die keiner da von diesen "Versorgungsinstituten" keinerlei Konsequenzen angemahnt werden, leider ! arno-cote d'azur

  7. Fehlverhalten muss noch lange nicht Unrecht sein. Aber der gerne moralisierend auftretenden Frau Schmidt wird man Selbstbereicherung, auch wenn sie rechtens war, nicht einfach nachsehen.
    Unökologisch bis geht nicht mehr, prinzipienuntreu, dass mir elend wird. Was ist nur aus unserer linken Ulla Schmidt, ehemals KBW-Frontfrau, geworden.

    Das wird die SPD zur dritten Kraft machen.

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