Arbeitswelt Alte nicht aufs Abstellgleis schieben
Viele Rentner wollen weiter arbeiten. Unternehmen könnten die aktiven Senioren gut gebrauchen - doch die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Forscher fordern, das zu ändern
Zu einem zufriedenen Leben gehört auch Arbeit, findet der Antibiotikaspezialist Horst Reim. Der 65-Jährige, der viele Jahre in leitenden Positionen in der Pharmabranche tätig war, hat sich als Rentner noch einmal selbstständig gemacht. Heute ist er als Berater tätig, seine Arbeitswoche ist maximal zwei Tage lang, und zusätzlich zur Pension gibt es noch ein Extragehalt.
Sich mit seinem Fachwissen aufs Altenteil zu setzen wäre für Reim nie infrage gekommen. "Ich habe mir die Selbstständigkeit lange vorher überlegt, ich wollte nicht aufhören. Ich fühle mich noch nicht so alt, dass ich nicht mehr arbeiten möchte", erzählt der Pharmaexperte. Die Tätigkeit als Berater halte ihn jung, auch genießt er die beruflichen Kontakte.
Im Austausch mit Kollegen zu bleiben, sein Know-how zu teilen, das Gefühl zu haben, noch gebraucht zu werden und dafür Wertschätzung zu erfahren – es sind vor allem die nicht-materiellen Aspekte, die Menschen im Rentenalter dazu bewegen, aktiv im Job oder Ehrenamt zu sein. Die Rahmenbedingungen allerdings machen es ihnen derzeit noch schwer. Eine Studie der Leuphana Universität Lüneburg und der Geneva Association, einer von der Versicherungswirtschaft getragenen Forschungseinrichtung, kommt zu dem Ergebnis, dass in der Gruppe der Ruheständler ein großes Potenzial für die Wirtschaft und Gesellschaft brachliegt.
Es sei höchste Zeit, die Arbeitswelt altersgerecht umzugestalten, sagen Jürgen Deller, Professor am Institut für Wirtschaftspsychologie an der Universität Lüneburg, und Patrick Liedtke, Generalsekretär und Managing Director der Geneva Association. Gemeinsam forschen sie zum Thema "Silver Workers" und untersuchen, wie sich die Arbeitsgesellschaft in Zukunft entwickeln wird.
"Es gibt etwa 400.000 Menschen, die bereits heute jenseits des gesetzlichen Rentenalters noch berufstätig sind", erklärt Deller. Das Gros von ihnen seien Akademiker oder Angehörige freier Berufe, denen es die Rahmenbedingungen vergleichsweise leicht machen, mit über 65 Jahren im Job zu bleiben. Aber auch Dachdecker, Krankenschwestern, Kraftfahrer, Sachbearbeiter oder Servicemitarbeiter gehören zu den "Silver Workers". Sie arbeiten jedoch häufig schwarz, weshalb es den Forschern schwer fiel, sie zur Teilnahme an ihrer Studie zu bewegen. Beamte wiederum werden nach ihrem ersten Berufsleben häufig durch die für sie geltenden Vorschriften ausgebremst. "Für sie sind die gesetzlichen Regelungen sehr strikt. Sie verlieren Pensionsansprüche", erklärt Jürgen Deller.
Wer heute mit 65 Jahren in Rente geht, ist meist noch fit – die gesetzliche Rente jedoch ist schon heute für viele Berufsgruppen gering. Die Alten können sich durch Teilzeitarbeit ein zusätzliches Einkommen hinzuverdienen, und falls sie sozialversicherungspflichtige Jobs annehmen, stützen sie weiterhin die sozialen Sicherungssysteme.
- Datum 05.09.2009 - 18:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Den beschriebenen Problemkreis hätte das System ganz sicher nicht, gäbe es eine Dynamisierung - natürlich versicherungsmathematisch korrekt - in der Weise: ab 65 Jahre = 100 % Rente.
Wenn aber Rente erst ab 66 Jahre = 100 % + 1, Rente erst ab 67 Jahre = 100 % + 2 , Rente erst ab 68 Jahre 100 % + 3 usf.
Sinngemäß ließe sich diese Berechnungsmethode auch auf den Teilzeiter anwenden.
Ob das allerdings im bürokratischen Deutschland umzusetzen wäre...?
@Gobelinus:
Genau das ist auch meine Idee seit Jahren.
Anständigerweise müßte die Regierung weiterhin die Rente mit 65 als Norm präsentieren und nicht wie sie es tut, nach dem Motto, "Ihr seid ja viel gesünder als die Vorväter", die Rente mit 67 (oder bald 69, ..., 75?) zur Norm zu machen, was natürlich eine Rentenkürzung ist. Man siehe auch bei http://www.jjahnke.net/ge... nach, daß Deutschlands Renten am Ende des internationalen Vergleichsfeldes sind. Das weiß fast keiner - oder?
UND die Zwangsverrentung nach Erreichen des Norm-Rentenalters in den Tarifverträgen muß weg! Damit bin ich bei den Kollegen von VerDi bisher nur auf Granit gestoßen. Gewerkschafter, bewegt Euch!
Grüße aus Karlsruhe
Harald Artur Irmer
@Gobelinus:
Genau das ist auch meine Idee seit Jahren.
Anständigerweise müßte die Regierung weiterhin die Rente mit 65 als Norm präsentieren und nicht wie sie es tut, nach dem Motto, "Ihr seid ja viel gesünder als die Vorväter", die Rente mit 67 (oder bald 69, ..., 75?) zur Norm zu machen, was natürlich eine Rentenkürzung ist. Man siehe auch bei http://www.jjahnke.net/ge... nach, daß Deutschlands Renten am Ende des internationalen Vergleichsfeldes sind. Das weiß fast keiner - oder?
UND die Zwangsverrentung nach Erreichen des Norm-Rentenalters in den Tarifverträgen muß weg! Damit bin ich bei den Kollegen von VerDi bisher nur auf Granit gestoßen. Gewerkschafter, bewegt Euch!
Grüße aus Karlsruhe
Harald Artur Irmer
@Gobelinus:
Genau das ist auch meine Idee seit Jahren.
Anständigerweise müßte die Regierung weiterhin die Rente mit 65 als Norm präsentieren und nicht wie sie es tut, nach dem Motto, "Ihr seid ja viel gesünder als die Vorväter", die Rente mit 67 (oder bald 69, ..., 75?) zur Norm zu machen, was natürlich eine Rentenkürzung ist. Man siehe auch bei http://www.jjahnke.net/ge... nach, daß Deutschlands Renten am Ende des internationalen Vergleichsfeldes sind. Das weiß fast keiner - oder?
UND die Zwangsverrentung nach Erreichen des Norm-Rentenalters in den Tarifverträgen muß weg! Damit bin ich bei den Kollegen von VerDi bisher nur auf Granit gestoßen. Gewerkschafter, bewegt Euch!
Grüße aus Karlsruhe
Harald Artur Irmer
Rentner sollten auf jeden Fall arbeitend ihre volle Rente weitererhalten. Deshalb brauchten Sie keine Arbeitslosenversicherung. Der arbeitslose Rentner braucht kein Arbeitslosengeld. Ebenso müssten sie höchstens freiwillig Rentenversicherungsbeträge zu bezahlen, um die Rente aufzustocken. Kranken- und Pflegeversicherung müssen prinzipiell auch Rentner bezahlen und diese müssten auf die höheren Bezüge angepasst werden.
und seine Enkel müssen Hartz Iv beantragen.
Opa hat ja seine Rente. Da braucht der Arbeitgeber nix zu zahlen - wie praktisch! Der nutzt Opa bis zum Umfallen aus.
Und Opa wird "gebraucht".
Welch Sprachgebrauch ...
rheinelbe
"Rheinelbe", das ist doch reine Polemik. Sie setzen Neidakzente, wo sie nicht zu gebrauchen sind.
Wenn Opa für seinen Job qualifiziert ist, kann sein Verzicht für den Hartz IV - Enkel dessen Sache auch nicht besser machen. Da werden mal wieder Äpfel und Birnen gleichgeschaltet.
ist Hartz IV keine Polemik, sondern für Millionen Menschen harte, tagtägliche Realität! Und es werden immer mehr.
Und Opa braucht nicht weiterzuarbeiten bis zum Ultimo, um "gebraucht" zu werden.
Es gibt viele ehrenamtliche Tätigkeiten und in manchen Städten sogar vermittelnde "Ehrenamtsagenturen".
rheinelbe
ist Hartz IV keine Polemik, sondern für Millionen Menschen harte, tagtägliche Realität! Und es werden immer mehr.
Und Opa braucht nicht weiterzuarbeiten bis zum Ultimo, um "gebraucht" zu werden.
Es gibt viele ehrenamtliche Tätigkeiten und in manchen Städten sogar vermittelnde "Ehrenamtsagenturen".
rheinelbe
Mein erster Gedanke zu dem Artikel war irgendwie: "...und ich fühle mich noch zu jung zum arbeiten..."
Also irgendwas läuft da schief! Vielleicht sollte man ein Konzept erarbeiten, dass es jüngeren Arbeitnehmern ermöglicht ihre Pflichten auf zwei drei Rentner zu verteilen...
ist Hartz IV keine Polemik, sondern für Millionen Menschen harte, tagtägliche Realität! Und es werden immer mehr.
Und Opa braucht nicht weiterzuarbeiten bis zum Ultimo, um "gebraucht" zu werden.
Es gibt viele ehrenamtliche Tätigkeiten und in manchen Städten sogar vermittelnde "Ehrenamtsagenturen".
rheinelbe
Da werden "Jugendliche" mit 18, 19, 20 nach Jugendstrafrecht beurteilt, da gibt es 25-jährige "Jungs" und "Mädels", aber mit plus55 zählt man schon zu den "Alten". Sind wir dabei, das Erwachsenendasein komplett abzuschaffen, direkt und ohne Übergang vom "Jugendlichen" zum "Greis"? Es gibt Leute, die wollen nicht mehr arbeiten ( warum auch immer ), es gibt solche, die können es einfach nicht mehr, andere können es und wollen es - in gewissem Rahmen. Warum nur müssen wir immer alle "gleich machen", es heißt "Jedem das Seine" und nicht "Jedem das Gleiche". Ich hatte mal einen Rasierapparat erfunden, da steckte man den Kopf 'rein - und zack - war man rasiert. Hm, es sind doch aber nicht alle Köpfe gleich groß? Naja, hinterher schon ...
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