Verspätete Postkarten Die Schneckenpost

Wenn verschollene Postkarten plötzlich wieder auftauchen: die zehn kuriosesten Fälle

1. Spätes Hochzeitsgeschenk

Vier Jahre nach ihrer Hochzeit überreichten Redakteure des Hamburger Abendblatts einem Ehepaar eine an sie adressierte Postkarte. Während der Hochzeitsfeier von Heiner und Birte Sietas hatten die Gäste Glückwünsche und Geschenkversprechen auf Karten geschrieben und sie als Flaschenpost in die Nordsee geworfen. Eine der Karten strandete vor der Küste der Insel Neßsand, einem Naturschutzgebiet, das das Team des Hamburger Abendblatts nur mit einer Sondergenehmigung betreten durfte. Über den Inhalt der lange verreisten Flasche freuten sich die Sietas bei der Übergabe sehr: Ihre Rostocker Verwandtschaft versprach darauf, sie nun zu einem Drei-Gänge-Menü einzuladen.

2. "Ich hoffe, dass die Karte ankommt."

"Liebe Oma, lieber Opa! Nun bin ich schon eine Woche unterwegs. Wir sind den dritten Tag in Marokko. Was es hier so zu sehen gibt, seht ihr auf der Karte: Der Mann in der Mitte ist ein Wasserverkäufer. Von diesen lustigen Vögeln laufen hier mehrere herum. Ich hoffe, dass die Karte ankommt. Euer Walter", schrieb der damals 24-jährige Student Walter Frainzl seinen Großeltern von einer Marokko-Reise im Jahr 1981. Die Urlaubskarte bekamen die Frainzl-Großeltern jedoch nie zu sehen. Die Urlaubsgrüße erreichten erst 2009, mit 28 Jahren Verspätung, ihr Ziel. Opa und Oma Frainzl starben 1983 beziehungsweise 1994.

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3. Botschaft aus der Jugend

Mit einer Verspätung von 68 Jahren erhielt die 87-jährige irische Nonne Schwester Cecilia Glückwünsche zu ihrem 19. Geburtstag. Die Grußkarte wurde während des Abrisses eines Postamtes unter den Bodenbrettern gefunden und der alten Dame zugestellt. "Es war wie eine Botschaft aus meiner Jugend und hat mir so viele glückliche Erinnerungen ins Gedächtnis gerufen", kommentierte die katholische Schwester die Überraschung.

4. Post aus dem Ersten Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs schrieb der britische Soldat Walter Butler aus dem Schützengraben an seine Freundin Ami Hicks ein paar Zeilen, die den Weg nie zu ihr schafften. Erst 90 Jahre später tauchten die Liebesschwüre wieder auf: Im Februar 2007 erhielt Butlers und Hicks’ gemeinsame Tochter Joyce Hulbert, mittlerweile 86 Jahre alt, die Postkarte ihres Vaters.

5. 112 Jahre für 12.000 Meilen

Über ein ganzes Jahrhundert brauchte eine 1889 abgeschickte Postkarte für ihren Weg vom australischen Queensland nach Aberdeen in Schottland. "Ich bin immer noch in Brisbane und genieße meine sechswöchigen Ferien... Ich hoffe, es geht euch gut und ich wünsche euch ein frohes neues Jahr. Morgen oder übermorgen werde ich euch wieder schreiben. Euer Colin" steht auf der mit einer 3-Penny-Briefmarke frankierten Karte. Warum die Urlaubsgrüße erst im Jahr 2001 ihren Zielort erreichten, konnte die Royal Mail nicht erklären. Hinweise auf noch lebende Verwandte der eigentlichen Empfängerin Miss Wardrop oder des Absenders Colin nimmt sie aber gerne entgegen.

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