Nachhaltigkeitsindex Wal-Mart rettet die Welt

Wie teuer Produkte sind, zeigt das Preisschild. Was sie die Umwelt kosten, wissen nur wenige Experten. Der größte Einzelhändler der Welt will das ändern

Die Luft soll sauber bleiben, dafür will Wal-Mart sorgen. Ein neuer Produktindex soll den Kunden helfen, möglichst umweltschonende Produkte zu kaufen

Die Luft soll sauber bleiben, dafür will Wal-Mart sorgen. Ein neuer Produktindex soll den Kunden helfen, möglichst umweltschonende Produkte zu kaufen

Im April 2008 lagen in den Regalen von Wal-Mart 200 Produkte aus, die unter besonders umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt worden waren. Die Käufer griffen derart häufig zu, dass einige der Artikel bereits lange vor Ende der Aktion ausverkauft waren. Wal-Mart, das größte Einzelhandelsunternehmen der Welt, zog daraus die Lehre, dass mit dem grünen Gewissen der Konsumenten Profit gemacht werden könne – selbst in einer Ladenkette, die den US-Amerikanern vor allem wegen ihrer niedrigen Preise und einer zweifelhaften Unternehmensethik bekannt ist. Nun folgt der nächste Schritt: Auf jedem Artikel soll angegeben sein, wie sehr er die Umwelt belastet.

Dazu entwickelt Wal-Mart seit 2007 in Kooperation mit Universitäten und Umweltorganisationen einen Nachhaltigkeitsindex. Zudem will der Konzern seinen 100.000 Lieferanten ab dem 01. Oktober eine Liste von Fragen vorlegen, die Aufschluss darüber geben soll, wie nachhaltig die Betriebe wirtschaften. Man werde den Herstellern 15 "einfache, aber eindringliche Fragen" stellen, sagt der Verkaufsleiter von Wal-Mart, John Fleming. Wal-Mart hat den Fragenkatalog vollständig im Internet veröffentlicht. Gefragt wird beispielsweise, wie viel Wasser im Herstellungsprozess verbraucht wird, wie hoch der Ausstoß von Treibhausgasen ist und ob in den Fabriken soziale Standards eingehalten werden.

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Erstmalig würden solche Informationen systematisch erhoben, sagte Fleming. Um Produkte mithilfe des Index auszuzeichnen, reichen sie jedoch nicht aus, denn die Fragen des aktuellen Katalogs beziehen sich auf das gesamte Lieferunternehmen, nicht auf seine einzelnen Produkte. Erst in fünf Jahren soll die Wal-Mart-Ware im Regal den Index tragen, damit die Kunden mit einem Blick erkennen können, wie Ressourcen-intensiv Herstellung und Betrieb des Produkts ist.

Seit Jahren haben Umweltorganisationen ein solches Verträglichkeitssiegel gefordert. Dass nun Wal-Mart sich ihres Wunschs angenommen hat, ist nur auf den ersten Blick überraschend. Zwar galt das Unternehmen lange als besonders skrupellos. Es hieß, um möglichst niedrige Preise anbieten zu können, sei Wal-Mart jedes Mittel recht. Der Stundenlohn eines Wal-Mart-Angestellten lag durchschnittlich fünf Dollar unter denen anderer Arbeiter im Einzelhandel.

Doch im Jahr 2005 gab der damalige Geschäftsführer, Lee Scott, bekannt, dass von nun an ökologische Nachhaltigkeit zum Leitmotiv des Unternehmens werden solle. So wolle man den Anschluss an eine neue Käufergeneration behalten, der Umweltverträglichkeit ebenso wichtig sei wie niedrige Preise. Seitdem modernisiert Wal-Mart seine Fahrzeuge, installiert Solarzellen auf den Filialendächern und benutzt zunehmend Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

Auch das Angebot ändert sich: Wal-Mart verkauft seit Mai 2008 nur noch konzentriertes Waschmittel, was laut Eigenangaben 1,5 Milliarden Liter Wasser spare. Produkte, die mit Baumwolle aus Usbekistan hergestellt werden, sind seit Oktober 2008 nicht mehr in den Läden zu finden. Zu viele Kinder würden in dem zentralasiatischen Land in der Baumwollindustrie arbeiten, fanden die Wal-Mart-Verantwortlichen.

Nun also der Nachhaltigkeitsindex. Es soll aber kein Wal-Mart-Index werden, sagt Mike Duke, der Geschäftsführer des Konzerns: "Wir möchten die Entwicklung einer gemeinsamen Datenbank vorantreiben, die es erlaubt, Informationen zu globalen Lieferketten zu sammeln und zu analysieren." Der Index werde nicht von Wal-Mart entwickelt, sondern von Forschern der University of Arkansas und der Arizona State University. Forscher aus Stanford, Harvard und Berkeley helfen mit, ebenso Vertreter multinationaler Konzerne wie Procter & Gamble, Unilever oder Henkel. Sogar konkurrierende Handelsketten wie Target oder Costco wurden eingeladen, an dem Index mitzuarbeiten.

Leser-Kommentare
    • Timo K
    • 11.08.2009 um 18:36 Uhr

    Ich würd bei jedem kaufen, der Ausweisen kann, dass das höchste Gehalt nicht mehr als das fünffache der Putzfrau beträgt.

    • keox
    • 11.08.2009 um 18:50 Uhr

    mit Gen-Mais, Gen-Soja, Gen-Raps etc?

    So lange, wie das außen vor bleibt muß man wohl von einer reinen Marketingstrategie reden.

    Und es wird außen vor bleiben, das Ziel, die Welternährung zu kontrollieren werden die USA wohl kaum aufgeben wollen.

    • Pyr
    • 11.08.2009 um 22:42 Uhr

    Wenn sie das konsequent durchziehen würden, wären sämtliche Fleischprodukte auf einer Ampel-Skala sofort tiefrot. Was da bei der Produktion alles an Energie und Wasser produziert wird, hat einfach nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun und geht darum sowieso nur wegen fetten Subventionen.

    Bin mal gespannt, was dann in 5 Jahren tatsächlich auf den Produkten prangt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ein böses Erwachen für viele Leute geben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass WalMart den Leuten wirklich so die Augen öffnen will. Das wird dann wohl eher ein Wischiwaschi-Index.

  1. ... vorgeben, müssen auch europäische Produzenten reagieren und der europäische Einzelhandel sich entweder beteiligen, oder eigene Standards entwicklen. Unterschiedliche Standards würden aber Handelshemmnisse nach sich ziehen.

    Michel Katzentisch

  2. Die "Nachhaltigkeit" von Produkten nachzuweisen ist ja schoen und gut und sicher begruessenswert, aber das aendert doch nichts an der grundlegenden Problematik von Walmart's Geschaeftsprinzipien, die auf der Ausbeutung von Mitarbeitern, Produzenten und dem rigiorosen Verdraengen von kleinen, lokalen Mitbewerbern beruhen, wie bereits in zahlreichen Dokumentationen nachgewiesen wurde und sicher jeder selbst bereits erlebt oder gehoert hat.

    Aenderungen in diesen Bereichen lassen sich wohl kaum in einer medien-wirksamen Kampagne verwenden, und die Produkte werden dadurch nicht attraktiver.

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