40 Jahre Woodstock Matsch & MythosSeite 4/4

Die Rockkritiker wanken mit Hendrix-Kakophonie in den Ohren an die Schreibmaschinen und münzen seine infernalische Version der amerikanischen Nationalhymne sofort in ein Bild intimer Widersprüchlichkeit um. "Endlich hörte man", schwärmt Al Aronowitz von der New York Post, "dass man sein Land lieben, aber seine Regierung hassen kann", und er bringt damit das ambivalente Verhältnis vieler Zeitgenossen zu ihrem gelobten Land auf den Punkt.

Es gibt Leute wie Pete Townsend von The Who, die Woodstock furchtbar finden, das Magazin Rolling Stone schwärmt von Woodstock als "Vorbild dafür, wie gut wir uns nach der Revolution fühlen werden". Und die Singer/Songwriterin Joni Mitchell, die es nicht mehr aufs Festivalgelände geschafft hat, träumt in einem New Yorker Apartment davon, wie sich Bomber in Schmetterlinge verwandeln, nur durch die Kraft von Woodstock. "All das beweist vor allem das enorme kollektive Bedürfnis der Hippies nach einem Mythos", folgert Frank Schäfer in seinem Buch Woodstock ’69: die Legende, "weil man aller Aufbruchsrhetorik zum Trotz insgeheim bereits ahnt und bald danach auch weiß, dass die eigene Zeit abgelaufen ist und man ein virtuelles Denkmal braucht, um sich zu vergewissern, dass sie Realität und es wert war, tradiert zu werden."

Für die Nachwelt hält vor allem der Film von Michael Wadleigh das Geschehen in seiner mythologischen Dimension fest. Cutter ist Martin Scorsese, der das Festival auf einer Plattform rechts neben der Bühne erlebt, wie er in der umfassenden Bilddokumentation Woodstock schreibt (Collection Rolf Heyne). In 20 Jahren spielt der Film 100 Millionen Dollar ein, weitere 100 Millionen erbringt das Album.

John Roberts hat wenig davon. Er braucht etwa genauso lange, um die 1,6 Millionen Dollar Schulden von Woodstock Ventures Inc. abzubezahlen. Zeitlebens – er stirbt 2001 – bleibt ihm in Erinnerung, wie er wenige Tage vor dem Festival das Angebot ausschlug, für 100.000 Dollar die Filmrechte zu erwerben.

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Leser-Kommentare
  1. Zum Glück war dieses Fest ja ganz anders.

  2. war das Monterey Pop, zwei Jahre zuvor, eben dort.

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  3. ... es wird nicht weniger legendär, wenn man mehr darüber schreibt.

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