Neuer Justizchef in Iran Sadegh Laridschani gilt als Hardliner

Irans neuer Justizchef ist ein extrem konservativer Geistlicher aus dem Umfeld des Religionsführers Ali Chamenei. Mit Politik hat der Neue wenig Erfahrung

Schauprozess in Teheran, Vergewaltigungen in den Gefängnissen, ungeklärte Foltermorde von Häftlingen – der neue Justizchef des Iran tritt sein Amt an während der schwersten Krise der Islamischen Republik seit ihrer Gründung.

Gestern wurde Sadegh Laridschani vom Obersten Religionsführer Ali Chamenei offiziell ernannt, am Montag wird er in seine fünfjährige Amtszeit eingeführt. Er erwarte, dass die iranische Justiz aufblühe und Urteile "leicht und schnell" erfolgen, heißt es in dem Dekret. Und Chamenei weiß, dass er sich auf seinen Schützling verlassen kann.

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Während Vorgänger Ayatollah Mahmoud Hashemi Scharudi ein Konservativer war mit gewissem Augenmaß, ist Sadegh Laridschani ein ausgewiesener Hardliner und stramm konservativer Ideologe. 1960 im irakischen Nadschaf geboren, wuchs der Geistliche in einer sehr religiösen und einflussreichen Familie auf, die stets engen Kontakt zu Chamenei hielt.

Sein Vater ist Großayatollah Mirza Hashem Amoli, sein Schwiegervater Großayatollah Hossein Vahid Khorasani, der in Qom zu den prominentesten Gelehrten zählt. Sein älterer Bruder Ali Laridschani ist Sprecher des iranischen Parlaments und war Chefunterhändler seines Landes für Atomfragen. Mohammad Javad Laridschani war stellvertretender Außenminister und studierte Mathematik an der Berkeley Universität in Kalifornien.

Auch Sadeqh Laridschani machte bereits als junger Mann steile Karriere. Seit 2001 gehört er als jüngstes Mitglied dem zwölfköpfigen Wächterrat an, neben Chamenei das mächtigste Gremium des Landes. Seine relativ geringe politische Erfahrung sieht der 49-jährige Kleriker nicht als Manko an für seine künftige Aufgabe, erläutert er in einer kurzen Biographie auf seiner Website. Da er der Meinung sei, "die westliche Kulturinvasion ist nicht weniger wichtig als eine militärische Invasion" habe er sich viele Jahre darauf vorbereitet, "der kulturellen Invasion entgegen zu treten".

Dazu hat er nach eigenen Angaben Englischkurse genommen, einige westliche Schriften ins Persische übersetzt, unter anderem einen Aufsatz zur Wissenschaftsphilosophie von Karl Raimund Popper sowie "Moralphilosophie der Gegenwart", ein vor 40 Jahren erschienenes Werk des relativ unbekannten britischen Philosophen Geoffrey James Warnock, was er mit kritischen Anmerkungen aus islamischer Perspektive versah. Poppers Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" allerdings hat es ihm offenbar nicht angetan.

Stattdessen machte er sich in Qom und zahlreichen Kasernen der Revolutionären Garden einen Namen durch Kurse in islamischer Rechtgläubigkeit. Und er fiel auf durch rabiate Kritik an dem iranischen Intellektuellen Abdulkarim Soroush, der in seiner Heimat und im Westen als einer der wichtigsten Denker der Gegenwart gilt.

Sadegh Laridschani zählt zu einer breiten Riege nachrückender Politiker und Amtsträger, deren Karriere im Milieu der Revolutionären Garden oder des Geheimdienstes wurzelt. Anders als die Geistlichen, die an der Revolution von 1979 teilnahmen, hat diese Generation kaum mehr eigenständige intellektuelle Leistungen vorzuweisen. Stattdessen gefallen sie sich in unbeirrter Linientreue und Hatz auf Andersdenkende.

Darum ist zu befürchten, dass der neue Justizchef noch härter gegen Oppositionelle und Menschenrechtler vorgehen wird, als sein Vorgänger. Und die drei wichtigsten Machtsäulen des Regimes – Justiz, Revolutionäre Garden und Geheimdienst – werden noch enger Hand in Hand arbeiten als bisher: düstere Aussichten für die 140 Angeklagten im Teheraner Schauprozess.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Laut eines BBC-Experten ist der man sehr gehorsam. Mit Politik hat er wohl Erfahrung, da er Mitglied der Expertenrat und Wächterrat war. Mit Jura hat er aber überhaupt keine Erfahrung.

    Interessant war, dass Rafsanjani in der Zeremonie zu der Amtseinnahme teihnahm.

    Ein deutschsprachiges Blog über den Iran: http://dustandtrash.blogs...

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