Der Sprayer springt über die Mauer eines Parkhauses, sieht sich kurz um und sprüht mit einer Schablone die Ankündigung für eine Demo am ersten Mai an die Wand. Das Video auf der Seite "Besseres Hannover" zeigt ihn vermummt, im Hintergrund läuft Rock. "Willst auch du Hannover wieder lebenswert gestalten?“ werden Besucher gefragt, und mit einem Brechtzitat zum Handeln aufgefordert: "Wer, wenn nicht du, wann, wenn nicht jetzt?“

Was erst auf den zweiten Blick deutlich wird: Die Betreiber der Website sind Rechtsradikale. Sie rufen Jugendliche auf, sich in den "nationalen Widerstand“ einzureihen, um wieder "freie Deutsche“ zu werden.

Neonazis nutzen das Internet für ihre Propaganda immer professioneller, sie haben das Web 2.0 als Werbe- und Rekrutierungsplattform für sich entdeckt: In sozialen Netzwerken wie Facebook und SchülerVZ verbreiten Sie ihre Ideologie ebenso wie in Videoclips auf Youtube und Myspace. Das ergibt ein Projektbericht der Bundeszentrale für politische Bildung und jugendschutz.net. Die Jugendschützer fanden im vergangenen Jahr 1700 rechtsextreme Internetseiten und mehr als 1500 Videos und Profilseiten mit unzulässigen Inhalten – das sind mehr als doppelt so viele wie 2007.

Die gute Nachricht: Viele dieser Angebote sind inzwischen gelöscht. Laut jugendschutz.net, dem Zusammenschluss der Jungendschutzbehörden der Bundesländer, liegt die Löschquote bei den beanstandeten Angeboten bei 80 Prozent. Wenn die Mitarbeiter von jugendschutz.net bei ihrer Recherche Webseiten finden, die gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen, wenden sie sich an den Provider. Der ist in Deutschland dazu verpflichtet, Illegales vom Netz zu nehmen, sobald er davon weiß. Das funktioniere auch gut, wenn die Server der Neonaziseiten im Ausland stehen, sagt Stefan Glaser von jugendschutz.net, denn die meisten Provider seien dankbar, wenn man sie auf Inhalte hinweise, die gegen ihre AGBs verstießen – und diese verböten rechtsradikale Inhalte meist ebenso wie pornografische oder gewaltverherrlichende Webseiten.

Allerdings dürften viele der gelöschten Videos inzwischen wieder online sein. Für die Rechtsradikalen, die sich inzwischen oft jenseits offizieller Strukturen in so genannten "freien Kameradschaften“ organisieren und die Symbolik der Jugendkultur übernommen haben, ist es ein Leichtes immer neue Profilseiten zu erstellen.

"Rechtsradikale bieten den Jugendlichen im Netz eine Erlebniswelt“, sagt Thomas Krüger, der Präsident der bpb. Das zunehmend „unverdächtige und hippe“ Erscheinungsbild von Neonazis auf der Straße spiegele sich auch im Netz wider. Und so nutzen sie nicht nur die vorhandenen Communitys und Videoseiten, sondern stellen auch ihre eigenen Angebote ins Netz.

Seiten wie "Straßenkunst.info" zeigen Bilder von Grafittis – dass diese rechtsradikale Parolen wiedergeben fällt erst einmal gar nicht auf. Doch spätestens bei den Hinweisen auf andere Websites wird die Gesinnung der Betreiber klar: Sie verlinken zu "nationaler Kunst" und zur "Aktionsfront Mittelsachsen", außerdem zu einem Webradio, das mit seinem Programm aus "Rechtsrock“ und "Hatecore“ wirbt.