Afghanistan wählt Afghanische VetternwirtschaftSeite 2/2
Aus der Sicht der Interventionsmächte war diese Politik zweifelsfrei die richtige: Mutawakil war ein Taliban und folglich verantwortlich für deren Verbrechen. Er oder andere Taliban durften also nicht Teil des neuen, freien Afghanistan werden. Dummerweise gelang es weder den USA noch anderen beteiligten Ländern, dieses neue Afghanistan sinnvoll und im notwendigen Umfang zu unterstützen.
Trotz aller Lippenbekenntnisse interessierte sich die US-Regierung zunächst nicht für Demokratisierung oder Staatsaufbau. Wichtig war der Kampf gegen al-Qaida, und der sollte so preiswert wie möglich geführt werden. Deswegen trugen einheimische Kämpfer die Hauptlast der Attacken. Deren Dienste erkaufte man sich. CIA-Agenten gaben in den ersten Monaten ungefähr 100 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern aus.
Allein Mohammad Fahim erhielt drei Millionen Dollar. Karsai hingegen, der Vertreter des zivilen Afghanistans, bekam nichts. In den ersten vier Monaten seiner Regierungszeit konnte das neue Afghanistan niemanden Gehalt auszahlen. In 2002 gaben die USA gerade einmal 750.000 Dollar für den afghanischen Wiederaufbau aus, zahlten "ihren" Warlords im selben Zeitraum aber ungefähr eine Milliarde Dollar. So ist kein Staat zu machen, auch nicht in Afghanistan.
Karsai konnte also keine Stärke demonstrieren, weil im Gegensatz zum "Eisernen Emir " seine Gönner ihm nicht gleich eine Armee schenkten. Also blieben nur politische Mittel: Um seine Gegner ruhig zu stellen, hätte er sie in den neuen Staat integrieren müssen, so wie er auch Vertreter der Nordallianz anfangs zu Staatsdienern gemacht hatte. Doch dagegen verwehrten sich aus nahe liegenden Gründen sowohl die USA als auch deren Günstlinge, die Kommandanten der siegreichen Nordallianz.
Somit war Karsais Spielraum von Anfang an eng begrenzt. Eine aus westlicher Sicht richtige Demokratie war nach diesem Start jedenfalls nicht möglich. Daran wird auch die jetzige Wahl nichts ändern.
- Datum 04.09.2009 - 16:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Endlich mal wagt sich ein Journalist in den deutschen Medien die ganze Wahrheit zu erzählen. Afghanen haben ein Spruch " Ein krumm verladener Fracht wird sein Ziel nicht erreichen." Wieso wundert man sich über die dürftigen Ergebnissen der Pseudo-Demokratie - erstarkten Taliban, Korruption, unzufriedene Bevölkerung - , wenn man schon die Weichen falsch gelegt hatte? Es tut mir Leid für allen Humanisten und Idealisten, die tatsächlich an der Wiederaufbau der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen geglaubt haben.
Jüngst war im Spiegel in seltener Offenheit zu lesen: "Er gilt als blutrünstigster Milizführer: Kurz vor der Wahl in Afghanistan kehrt Abdul Raschid Dostum nach Kabul zurück. Doch statt mit einer Gefängniszelle rechnet der General mit einem Regierungsposten. Schamlos nutzt Präsident Karzai Kriegsverbrecher wie ihn zum Erhalt seiner Macht."
Was ist an dieser Regierung Kasai demokratisch? Demokratie, da lachen doch die Hühner. Diese schlechte Komödie wir uns als Fortschritt verkauft.
Wo bleiben die eifrigen Fahnder des Serbentribunals?
... Sache mit den lokalen Fürsten.
Ich habe nun schon einige Berichte gelesen, dass genau dies der größte Fehler der Amerikaner war. Denn die Taliban geniessen einiges Ansehen in der Bevölkerung, weil sie die korrupten Kleinmonarchen absetzen und abstrafen, auch wenn sie ansonsten nicht sehr beliebt sind. Tja ist halt so eine Sache mit den Eroberungskriegen, wie man es macht, man macht es falsch. Sicher dachten die Amis: vorhandene Struktur nutzen, Tradition beibehalten, eigene Truppen sparen, fremde Taliban vertreiben. Beißt sich mit den Demokratiegeschwafel? Egal, damit war es den USA ja eh nie ernst, Rechtfertigungen fürs Volk, nichts weiter.
"In fast allen Ländern, deren politische Institutionen nach Kriegen zerstört waren, dominiert der Klientelismus."
Richtig. Aber Afg. kennt doch faktisch nichts anderes, immerhin herrscht da seit Jahrzehnten irgendwie Krieg. Es wäre ein sinnvolles Ziel gewesen, diesen "Klientelismus" zu entmachten und eine weniger korruptionsanfällige politische Struktur zu etablieren. Das hätte die Bevölkerung (die eigentlich über die Taliban-Vertreibung ganz froh war) viel sicherer hinter die Besatzer gebracht. Aber dazu hätte es mehr Truppen gebraucht und die brauchte man ja für den nächsten Angriffskrieg...
Aber das ist natürlich einfach geschrieben, an Afg. sind bisher alle gescheitert.
"Doch ist unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Demokratie nach westlichem Vorbild gar nicht möglich."
Ja, wie auch, da gibts ja noch gar kein Banken und Großkonzerne, die die Politik entsprechend schmieren. Aber im ernst, die wären wahrscheinlich tatsächlich froh, selbst wenn sie nur so ein erbärmliches System wie eine "Demokratie nach westl. Vorbild" bekommen würden.
daß die USA absolut nicht daran interessiert waren/sind, eine starke Zentralregierung zu fördern.
Nix Neues also. Teile und herrsche.
Interessant ist folgende Bemerkung:
"Die meisten Konflikte würden durch Verrat entschieden, nicht durch Waffengewalt. Oder auf demokratischere Verhältnisse gewendet: Nicht der Wahlausgang ist entscheidend, sondern die Koalitionsverhandlungen."
Gestern Abend (leider mal wieder spät) gab es eine sehr gute Reportage über die Bundeswehr dort! Sehr objektiv mit Hintergrundinformationen. Dort wurde nicht nur der Irrsinn gezeigt sondern auch erwähnt, das sich diedeutsche Politik auf recht kriminelle "Fürsten" stützt, so zb Steinmeier mit einem "ehemaligen" Drogenbaron. Karsai umgibt sich auch mit zweifelhaften Getreuen und er braucht zur Sicherung der Macht sog. Warlords. Ein Verwandter und großer Drogenschmuggler und -Händler machte karsai dann zum Chef der Antikorruptionsbehörde!!
Da sieht man auf welche Leute sich der Westen und somit auch die nunmehr kämpfende und immer weiter gehasste Bundeswehr stützt! Aber es ist ja offiziell kein Krieg!!! Unsere armen Soldaten werden wirklich veräppelt! Das haben unsere Soldaten nicht verdient und die Öffentlichkeit auch nicht! Entweder neuer Kurs oder raus da!
Die Doku müsste in der Ndr mediathek zu finden sein! Aktuell und sehenswert..
Auch die Geschichte aller westlichen Länder begann einst mit jahrhundertelangen blutigen Fehden zwischen kleinen Stammesfürsten. Wir sollten nicht erwarten, dass die Völker des Mittleren Ostens binnen weniger Jahre die gleiche Entwicklung vollziehen, zu der wir selbst tausend Jahre benötigten.
...Abdullah heißen.
Der ist die letzten Jahre
um die ganze Welt getingelt
und hat sich mit den entschei-
denden Leuten getroffen.
Mal sen, wie er an die Macht kommt.
Es ist jedoch ziemlich sicher - echt.
Afghanistan wird kurz- und mittelfristig keine Demokratie westlicher Prägung sein können, denn dafür braucht es eine entsprechende Kultur und Frieden, darüber hinaus ein funktionierenden Rechtssystem. Und das alles ist nicht gegeben.
Diese Menschen leben in Stammesgemeinschaften und nach islamischer Tradition. Deshalb können nur diese aus unserer Sicht archaischen Systeme Grundlage für den afghanistanischen Staat sein.
Den Afghanen die westliche Demokratie überstülpen zu wollen ist Besatzung. Und genau mit diesen Argumenten punkten auch die Befreiungskämpfer aka Taliban. Und wir sollten die Wahl des afghanischen Volkes respektieren, denn es muss mit ihren System jeden Tag leben.
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