WeiterbildungReisen bildet, auch in der Arbeitszeit

Wer festangestellt ist, hat ein Recht auf Bildungsurlaub. Nur knapp zwei Prozent der Beschäftigten machen davon auch Gebrauch von 

Lernen für den Job: Eine halbe Million Erwerbstätiger in Deutschland nimmt jedes Jahr Bildungsurlaub in Anspruch

Lernen für den Job: Eine halbe Million Erwerbstätiger in Deutschland nimmt jedes Jahr Bildungsurlaub in Anspruch  |  ©PR: TU Wien/Continuing Education Center

Heike Richter hat ihren Arbeitsvertrag genau gelesen und kennt ihr Recht: Fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr stehen der Verlagsmitarbeiterin aus Hamburg zu – und die hat sie in diesem Jahr gut genutzt: Die 43-Jährige fuhr an die Ostsee. Kreativseminar, drei Tage. Ihr Chef bewilligte ihr die Fortbildung gerne. An der See hat sie sich nicht nur entspannt und Kontakte zu Kollegen geknüpft, es kamen ihr auch viele Ideen für die Arbeit, erzählt sie. Zurück im Büro habe sie sich motivierter gefühlt. Das habe auch ihr Chef bemerkt. "Ich denke, Bildungsurlaub ist eine gute Investition."

Nach Einschätzungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes nimmt sie jedoch weniger als zwei Prozent der Beschäftigten wahr. Und das, obwohl die meisten Bundesländern den gesetzlichen Anspruch auf Weiterbildung geregelt haben. Fast überall dürfen Festangestellten in Vollzeit zehn Tage Bildungsurlaub nehmen. Auch Auszubildende und Heimarbeiter. Wer in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen oder Thüringen wohnt, hat Pech. Diese Länder haben kein Bildungsurlaubsgesetz. Dort können Arbeitnehmer ihren Anspruch auf Weiterbildung einfordern, wenn es im Tarifvertrag für ihre Branche steht.

Anzeige

Am stärksten nutzen die Bremer ihr Recht auf Weiterbildung: Hier nehmen immerhin mehr als vier Prozent Bildungsurlaub. Aber was sind schon vier Prozent?

Die niedrige Beteiligung ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass lebenslanges Lernen zu einem Leitmotiv in der modernen Arbeitsgesellschaft geworden ist. Der Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben hat schon den sechziger Jahren als Erstes ein offenes Weiterbildungssystem für ein alle Beschäftigten gefordert. Jetzt hat er untersucht, warum es nur so wenige nutzen. Eine Erklärung sehen die Experten in der unterschiedlichen statistischen Erhebung der Bundesländer. Zudem fürchten viele Arbeitnehmer um ihren Job. Sie glauben, "unnötig" der Arbeit fern zu bleiben. Selbst, wenn eine Weiterbildung eigentlich auch dem Unternehmen zu Gute kommt.

Aber was das kostet! Der Arbeitgeber zahlt dem Urlauber weiter das Gehalt, während der Mitarbeiter die Kosten für seine Reise und die Kursgebühren trägt. Wenn er will, kann sich der Arbeitgeber beteiligen. Das ist sinnvoll, wenn er von der Weiterbildung  profitiert.

Leserkommentare
  1. Ich bat meinen Chef um Bildungsurlaub.
    Er klärte mich auf: Meine Karriere würde maßgeblich behindert, wenn ich Bildungsurlaub nähme. Der Arbeitgeber sähe das nicht gern. Wenn ich mit dieser Aussage zum Betriebsrat ginge, dann hätte er das nie gesagt.
    Ich könnte aber den Bildungsinhalt des beantragten Bildungsurlaubs (Rhetorik) auch in einem firmeninternen Kurs erhalten. Das ist dann allerdings nie erfolgt.
    Ich habe jedenfalls den einzigen Antrag meines Lebens auf Bildungsurlaub wieder zurückgenommen.

  2. ...wohl kaum.

    Da die Anzahl der "prären Arbeitsverhältnisse" (1-Euro-Jobs, Mini-Jobs mit 400,- Euro mtl., Zeitarbeitsverträge, Dumping-Lohn-Jobs, etc.) erheblich zugenommen hat, ist es meiner Meinung nach nicht verwunderlich, dass "Bildungs-Urlaub" vermutlich nur noch bei krisenfesten Arbeitsverträgen Anwendung findet, die bei NEUanstellungen kaum noch anzutreffen sind.

    Fest angestellte Arbeitnehmer sind meines Erachens zwar wünschenswert, aber bei NEUANSTALLUNGEN die Ausnahme.

    So wird zum Beispiel beim Unternehmen OPEL vermutet, dass sämtliche Arbeitnehmer demnächst eine Kündigung erhalten und diesen angeboten wird, einen NEUen ZEIT-Arbeitsvertrag bei ADECCO Personaldienstleistungen GmbH zu unterzeichnen. Dann gibt es eine NEUe Probezeit in der der Arbeitgeber OHNE Grund kündigen kann. Darüber hinaus spielt die Betriebszugehörigkeit dann KEINE Rolle mehr. Was sagen Sie dazu Herr von zu Guttenberg ?

  3. Ich bin in der Montage tätig, und wir haben gerade nicht soviel zu tun, d.h. das ich zur Zeit viel zu Hause bin, und jedes mal wenn ich meinen Chef darum bitte, diese Zeit sinnvoll zu nutzen, mittels Weiterbildung - will er mir weiß machen das es jetzt wichtiger ist sich nicht weiter zu bilden, sondern zu warten, den es könnte ja auch schon Morgen der nächste Auftrag herein spazieren.
    Ich möchte meine Arbeitsstelle allerdings auch nicht aufgeben, da es mir sehr viel Spaß macht, in meinem Bereich tätig zu sein.
    Doch so kann es doch aber auch nicht weitergehen.
    Denn wenn ich die Zeit, welche ich dieses Jahr zu Hause verbracht habe mit der Zeit welche ich auf Arbeit war, kann ich fast sagen das ist ein gesundes 50/50 Verhältniss.
    Also beklagen möchte ich mich nicht, zu dem verdiene ich auch nicht schlecht. Doch wenn er mir das jedes Mal sagt, dann Frage ich ihn in 10 Jahren immernoch die sekbe Frage.
    Also hilft ja zum Schluss nur der Sprung ins kalte Wasser.
    Das ist Blöd.
    Ja nicht alle Arbeitgeber sind der Weiterbildung gegenüber aufgeschlossen.
    Vielleicht Angst?, die eigene Macht gegenüber dem Vieh zuverlieren?

  4. Ich habe auf mevaleo (www.mevaleo.de/info/recht-und-studium/bildungsurlaub/) gerade gelesen, dass man auch auf die staatliche Anerkennung des Weiterbildungsanbieters achten muss, ansonsten wird die Bildungsfreistellung nicht genehmigt!

    Insgesamt aber eine echt gute Sache, schade dass nur so wenige die Chance der Weiterbildung wahrnehmen.

  5. Das ist ein guter Artikel, der schonmal einen schönen Einblick ins Thema gibt. Da im Artikel selbst aber nicht die jeweiligen spezielleren Infos der Bundesländer aufgeführt sind, möchte ich dies an dieser Stelle kurz nachholen. Auf dieser Seite: http://www.studieren-berufsbegleitend.de/bildungsurlaub/ sind die Regelungen der Bundesländer aufgelistet. Außerdem gibt es noch ein paar Infos zu Bewerbungsfristen etc. obendrauf. Ich hoffe, das ist eine hilfreiche Ergänzung für die Leser.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service