Es ist ein wahres Affentheater, das sich seit nunmehr zwölf Jahren in Bremen abspielt. Konkret geht es um heikle Fragen: Wie weit dürfen Tierversuche gehen? Wann sind sie ethisch gerechtfertigt und wann nicht? Was dürfen Wissenschaftler im Namen der Forschung Tieren antun?

Nirgendwo entzweien Tierexperimente Forscher, Tierschützer, die Öffentlichkeit und die Politik so sehr wie in der Hansestadt. Denn hier betreibt der Neurobiologe Andreas Kreiter Grundlagenforschung an den Gehirnen von Makakenäffchen.

Nun hat die Bremer Gesundheitsbehörde, zuständig für die Genehmigung der Versuche, einen Widerspruch Kreiters gegen die Einstellung seiner Primatenexperimente abgelehnt. Zuvor hatte die Behörde Ende 2008 beschlossen, die Versuche, die sie selbst seit 1997 stets neu genehmigt hatte, nicht weiter zu bewilligen. Die Universität Bremen stellte sich hinter Kreiter und zog vor das Verwaltungsgericht. Doch die Gesundheitsbehörde bleibt stur.

Jetzt werden die Primatenversuche möglicherweise die obersten Richter des Landes beschäftigen. Wilfried Müller, der Rektor der Bremer Universität erklärte in einer Stellungnahme: "Die Universität wird alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen – bis hin zum Gang vor das Bundesverfassungsgericht." Kreiters Forschung sei "international anerkannt" und deren Untersagung ein "unzulässigen Eingriff in die grundrechtlich geschützte Wissenschaftsfreiheit."

Der Rektor hat recht. Und doch fällt es schwer, die umstrittenen Tierversuche an den Makaken nüchtern zu betrachten. Denn der Streit hat sich in den vergangenen Jahren zu einer hässlichen und emotionalisierten Auseinandersetzung aufgebauscht. Kreiter selbst wurde noch vor Beginn der Versuche zur Zielscheibe militanter Tierschützer. Er und seine Familie erhielten Morddrohungen und lebten unter ständigem Polizeischutz. In Briefen wurde ihnen Gewalt angedroht. Die Aktion Tierbefreiung Bremen schrieb 1998, man freue sich besonders auf Kreiters Sohn Lucas "er passt in seinem Alter wunderbar in einen kleinen Affenstuhl."

Versuche, die Forschung des Neurobiologen den Menschen zu erklären, sind oft gescheitert. Der Blick in das Gesicht eines Versuchsäffchens lässt uns erschaudern, denn letztlich erkennen wir darin menschliche Züge. Die Experimente selbst sind jedoch weitaus weniger beängstigend als sie sich anhören: Die Affen tragen eine Röhre auf dem Kopf, die mit Zahnzement befestigt ist und in die Schädeldecke operiert wird. Während der Versuche sind die Tiere vier bis fünf Stunden auf einem Plexiglasstuhl fixiert. Dabei schieben Kreiter und seine Mitarbeiter den Affen dünne Elektroden ins Hirn, die dort die jeweilige elektrische Aktivität messen. Die Makaken müssen nun per Joystick geometrische Aufgaben lösen, die vor ihnen auf einem Bildschirm angezeigt werden.

Wer bei dieser Prozedur physische Leiden für die Tiere annimmt, liegt falsch: Das Gehirn ist schmerzunempfindlich. Ähnliche Elektroden führen Ärzte auch in der Tiefenhirnstimulation Menschen ein. Kreiters Forschung zielt darauf ab zu verstehen, wie komplexe Informationen im Gehirn verarbeitet werden – im Wesentlichen Grundlagenforschung. Allerdings sollen die Versuche einmal helfen, die Diagnostik bei Epilepsiekranken zu erleichtern. Dieses Vorhaben wird vom Bundesforschungsministerium finanziell unterstützt. Weitere Fördermittel erhielt Kreiter unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.