Frage: Vor einem Jahr hat noch niemand von dem Phänomen des "land grabbing" gesprochen. Wieso ist das Thema international wichtig geworden?

Jochim von Braun: Seit dem starken Anstieg der internationalen Lebensmittelpreise vor einem Jahr beobachten wir eine wahre Explosion ausländischer Investitionen in Agrarflächen. Vor allem wasserarme Länder wollen sich Anbaugebiete sichern. Neu ist dabei auch, dass meistens Vereinbarungen zwischen Regierungen geschlossen werden.

Frage: Was ist das Motiv für die Suche nach Agraranbaugebieten?

von Braun: Für viele Investorenländer steht die Sicherheit der Lebensmittelversorgung im Vordergrund. Die Weltbevölkerung wächst, es hat im vergangenen Jahr wegen der stark gestiegenen Preise in etlichen Ländern soziale Unruhen gegeben. Weil die Hektarpreise in vielen Entwicklungsländern zudem sehr niedrig sind im Vergleich zu Agrarflächen in Industrieländern, gibt es mittlerweile aber alle möglichen Sorten von Investoren.

Frage: Nun sind Auslandsinvestitionen nicht per se schädlich, sondern manchmal sehr nützlich. Worin liegt denn die Gefahr?

von Braun: Zum einen geht es nicht nur um das Land, sondern auch um das dazugehörende Wasser. Zum anderen unterminiert es die politische Stabilität in Ländern, wenn Regierungen über die Köpfe der Kleinbauern hinweg fruchtbares Anbauland an ausländische Investoren vergeben. Und es gibt einen humanitären Aspekt: Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn nun etwa in Entwicklungsländern Getreidelaster für den Export an hungernden Menschen vorbeirollen.

Frage: Was wäre also nötig?