Afghanistan Was den Wahlsieger erwartet
Warlords, Taliban, Drogenanbau und allgemeine Kriegsmüdigkeit, im Land wie in der internationalen Gemeinschaft: Afghanistans kommender Wahlsieger hat viel zu tun
© Daniel Berehulak/Getty Images

Auf dem Weg zur Wahl, Kabul am 20. August
Die Stimmabgabe ist möglicherweise lebensgefährlich. Das wissen die 17 Millionen wahlberechtigten Afghanen, die am heutigen Donnerstag einen neuen Präsidenten und 34 Provinzräte bestimmen sollen. Es sind die zweiten Wahlen seit dem Sturz der Taliban 2001, die ihrerseits alles daransetzen, die Bürger mit Gewalt vom Wählen abzuhalten – und die ersten in afghanischer Selbstverantwortung.
Wie viele sich von den Drohungen der Radikalislamisten abschrecken lassen, wird man sehen. Jeder und jede Wahlwillige jedenfalls darf als Ausdruck eines starken Willens zum demokratischen Engagement gelten. Das wiederum gilt der internationalen Gemeinschaft als Gradmesser für den Erfolg ihres Versuchs, Afghanistan den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen.
Auf den Sieger der Präsidentschaftswahl warten immense Aufgaben. Von Frieden kann keine Rede sein, der Drogenanbau boomt, die Korruption ist allgegenwärtig. Unterdessen macht sich Kriegsmüdigkeit nicht nur in Afghanistan breit. Auch in den Entsendeländern der internationalen Allianz werden die Debatten über einen Abzug nachdrücklicher denn je geführt. Schließlich kostet der Militäreinsatz Milliarden, und das in Zeiten einer globalen Krise, da alle mit ihren eigenen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.
In Umfragen liegt Amtsinhaber Hamid Karsai vorn. Die meisten Beobachter erwarten, dass er eine zweite fünfjährige Amtszeit vor sich hat, wenn nicht sein aussichtsreichster Rivale Abdullah Abdullah weiter kräftig aufholt. Verfehlt Karsai die absolute Mehrheit, dürften sich beide im Oktober in einer Stichwahl gegenüberstehen.
Einst als tatkräftige Führungspersönlichkeit bejubelt, ist Karsais Glanz über die Jahre der Gewalt, der Korruption und der ineffektiven Regierungsarbeit verblasst. Um an der Macht zu bleiben, hat er sich mit einflussreichen Strippenziehern und Warlords umgeben. Im Westen haben daher die Überlegungen längst eingesetzt, was nach der Wahl passieren muss – unabhängig davon, wer als Sieger aus ihr hervorgeht.
Die US-Regierung unter Barack Obama hält sich zurück, hat aber deutlich gemacht, dass sich einiges ändern muss. So ist zu erwarten, dass die internationale Gemeinschaft bei der Vergabe der Kabinettsposten ihren Einfluss wird geltend machen wollen, um zu verhindern, dass Kriegsverbrecher wie Ex-Milizenführer General Abduhl Raschid Dostum in Schlüsselpositionen rücken und die Mission der Allianz torpedieren.
Für Washington steht nämlich einiges auf dem Spiel. Afghanistan ist Obamas Krieg. Seine Regierung hat einiges politisches Kapital darauf gesetzt, Truppenstärke und Mittel für Afghanistan aufzustocken – und er braucht Erfolge, schnelle Erfolge, damit seine Partei der Demokraten bei den Kongresswahlen im Herbst 2010 nicht abgestraft wird.
- Datum 04.09.2009 - 16:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Und was erwartet den Wahlsieger nun? Der Titel verspricht mehr als nur einen Absatz zu dieser Frage, nämlich eine Analyse der Problemlagen im land.
Leider liest man mehr über den geplanten Abzug der westlichen Truppen. Dieser wäre aber gar nicht so dringlich, wenn vor dem Engagement eben eine zufriedenstellende Analyse über den Konflikt und die dort lebenden Menschen erstellt worden wäre. Wahrscheinlich hätte es ein solches Engagement dann gar nicht gegeben. Wir lesen zu viel über Afghanistan mit zu wenig Inhalt.
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