ZEIT ONLINE: Sie wollten die Berufssituation von Kapitäninnen untersuchen. Dabei haben Sie festgestellt, dass es nur fünf weibliche Kapitäne in Deutschland gibt.

Antje Eilers: Die Seeschifffahrt ist noch eine absolute Männerdomäne. Die meisten Frauen auf See sind im Servicebereich tätig. In den wirklich attraktiven Jobs mit guten Karriereaussichten ist der Frauenanteil verschwindend gering.

ZEIT ONLINE: Hat Sie das überrascht?

Eilers: Überraschend fand ich, dass es schwierig war, Kapitäninnen zu einem Interview zu bewegen. Das zeigt das Beispiel von Barbara Massing. Sie fährt seit 13 Jahren zur See. Und 2004 durfte sie sogar, als erste Frau überhaupt, nach 460 Jahren, am Bremer Schaffermahl teilnehmen. Das ist das älteste Brudermahl der Welt und eine der bedeutendsten maritimen Veranstaltungen Deutschlands. Massing äußerte sich damals gegenüber der Berliner Zeitung auf die Frage hin, wie es ist, die einzige Frau unter Männern zu sein, mit dem Satz: "Das ist normal." Danach war sie Hauptgegenstand der Berichterstattung über das Ereignis und machte die Erfahrung, dass die Berichte selbst zum Problem wurden. Dabei haben sie es schon schwer genug.

ZEIT ONLINE: Wie schwer es Frauen auf See haben, zeigt Ihre Magisterarbeit. Für die haben Sie die Berufssituation am Beispiel von Nautikstudentinnen beleuchtet. Wie hoch ist der Frauenanteil in der Seeschifffahrt überhaupt?

Eilers: Die Branche wird zu mehr als 90 Prozent von Männern dominiert. Aber in der Ausbildung steigt der Frauenanteil kontinuierlich. Mittlerweile sind etwa 14 Prozent der Nautik-Studierenden weiblich. Die Frauen wissen, was sie erwartet. Sie haben oft schon eine Ausbildung zur Schiffsmechanikerin oder nautischen Offiziersassistentin hinter sich. Man kann zwar noch nicht von einer Feminisierung der Branche sprechen. Aber im Vergleich mit anderen Männerdomänen ist die Seeschifffahrt für Frauen interessanter geworden. Im Berufsgruppenbereich der Metall- und Anlagenberufe liegt der Frauenanteil zum Beispiel nur bei etwa einem Prozent.

ZEIT ONLINE: Gibt es denn Fördermaßnahmen oder Quotenregelungen?

Eilers: Eine Frauenquote gibt es nicht. Für eine Laufbahn als Offizierin qualifiziert man sich über ein Nautik-Studium. Die Zulassungsvoraussetzungen sind durch den Numerus clausus bestimmt. Nach dem Studium wird man frühestens nach zwei Jahren Fahrzeit zum Kapitän oder zur Kapitänin berufen – und die Berufung hängt ganz allein von der Reederei ab. In meiner Untersuchung habe ich festgestellt, dass die Frauen durchschnittlich länger fahren, bis das geschieht.

ZEIT ONLINE: Also gibt es eine offene Diskriminierung?

Eilers: Teilweise ja. Die Hälfte der von mir befragten Studentinnen haben zum Beispiel berichtet, dass sie an Bord belästigt wurden. Einige haben berichtet, dass sie an Bord von den Männern ausgegrenzt wurden, einer Studentin hat die Reederei sogar das Praktikum verweigert – mit der Antwort, man nehme keine Frauen.

ZEIT ONLINE: Und Sie haben auch strukturelle Probleme ausgemacht?