Spekulation Die Gier im BlutSeite 2/2
All diese Figuren spüren die Pathologie der Gier am eigenen Leib, nicht selten reißen sie andere mit hinunter in der Abgrund. Wie die Habsucht aber im Einzelnen über sie kam, darüber geben die Geschichten selten Aufschluss. Oft überwältigt sie ihre Helden wie ein Naturereignis. Wie viele haben sich in den vergangenen Jahrhunderten den Kopf zerbrochen! Der Ökonom John Stuart Mill schrieb einst: Das "Verlangen, reicher zu werden", sei die "Leidenschaft derer, die keine andere kennen".
Dem Schriftsteller Gottfried Keller war es rätselhaft, warum mancher es zu Reichtum bringt und andere leer ausgehen. Im Grünen Heinrich schreibt er vage, es handle sich dabei offensichtlich um einen Tick, den man im rechten Moment erwischen müsse.
Und ein paar Jahrzehnte später, als Fanny Mae und Freddy Mac noch allenfalls Charaktere eines nie geschriebenen Jane-Austen-Buchs waren, veröffentlichte der Schriftsteller Émile Zola den Roman Das Geld. Das war 1891. Eine Geschichte vom Spekulanten Saccard, der auf durchtriebene Art und Weise rafft und lügt und betrügt und natürlich hart auf den Boden der Tatsachen fällt. Geläutert wird er dadurch keineswegs. Und geradezu lapidar lautet die Erklärung: "Das liegt ihm im Blut."
Im Blut also. Fast anderthalb Jahrhunderte später soll es uns nun in den Genen liegen, und wir sind wenig schlauer als Zola. Der eigentlichen Ursprung der Gier bleibt rätselhaft. Immerhin: Wer immer noch glaubt, entgrenzte Habsucht sei eine Erfindung unseres postmodernen Kapitalismus, den könnte die Literatur eines Besseren belehren. Die Kunst der vergangenen Jahrhunderte hat uns schon greifbar gemacht, was wir tatsächlich jetzt erfahren.
Was uns die Einsicht bringt? Ein paar Stunden sehr unterhaltsamer Lektüre, die man mit kleinen und großen Krisen verbringen kann. Da darf man gierig zugreifen. Ausnahmsweise. Wir leben in schweren Zeiten.
- Datum 18.08.2009 - 20:56 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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nicht die Manager und Finanzjongleure aus den entsprechenden Schulen mit den entsprechenden Programmen sind schuld, die Gene sind es und gegen Gene kann man ja nix machen, das wissen ja auch schon die Männer, die wahllos ihre Gene streuen müssen und deshalb zur Promiskuität gezwungen sind, die Armen. Und dann noch männliche Finanzjongleure und Manager, ein doppelt grausames Schicksal, so der eigenen Natur unterworfen zu sein!
oder sind für diesen sexistischen Kommentar auch entsprechende Schulen mit entsprechenden Programmen verantwortlich?
oder sind für diesen sexistischen Kommentar auch entsprechende Schulen mit entsprechenden Programmen verantwortlich?
Der Schluss von der Kunst der vergangenen Jahrhunderte auf die Natur des Menschen ist sehr gewagt. Die Menschheit gibt es auch schon etwas länger als den Kapitalismus. Komische Natur, die sich über Jahrtausende nicht bemerkbar gemacht hat.
dann wäre er längst ausgestorben.
dann wäre er längst ausgestorben.
Der Grund, warum uns der Kapitalismus in den letzten Jahrhunderten einen so unglaublichen Wohlstand beschert hat, ist, dass er die naturgegebene "Gier" des Menschen in sozial nützliche Bahnen lenkt. Durch den Wettbewerb am freien Markt kann dort nur Profit erzielt werden, wenn die Bedürfnisse der Konsumenten besser/effizienter erfüllt werden, als durch die ebenso gierige Konkurrenz.
genügend Priester gibt es, die es vorbeten.
"Der Grund, warum uns der Kapitalismus in den letzten Jahrhunderten einen so unglaublichen Wohlstand beschert hat, ist, dass er die naturgegebene "Gier" des Menschen in sozial nützliche Bahnen lenkt. Durch den Wettbewerb am freien Markt kann dort nur Profit erzielt werden, wenn die Bedürfnisse der Konsumenten besser/effizienter erfüllt werden, als durch die ebenso gierige Konkurrenz."
Es ist genau so stimmig wie der Artikel, der behauptet, die Weltliteratur lehre, die Gier liege in der Natur des Menschen. Dann muss ich mich fragen, welcher Gattung andere Figuren der Weltliteratur, die nicht gierig waren, angehören. Ich denke z.B. an Fürst Myschkin, der Figur aus Dostojewskis "Der Idiot". Das bringt mich auf den Gedanken, dass es Menschen gibt, die gierig sind, der Rest, das sind Idioten.
genügend Priester gibt es, die es vorbeten.
"Der Grund, warum uns der Kapitalismus in den letzten Jahrhunderten einen so unglaublichen Wohlstand beschert hat, ist, dass er die naturgegebene "Gier" des Menschen in sozial nützliche Bahnen lenkt. Durch den Wettbewerb am freien Markt kann dort nur Profit erzielt werden, wenn die Bedürfnisse der Konsumenten besser/effizienter erfüllt werden, als durch die ebenso gierige Konkurrenz."
Es ist genau so stimmig wie der Artikel, der behauptet, die Weltliteratur lehre, die Gier liege in der Natur des Menschen. Dann muss ich mich fragen, welcher Gattung andere Figuren der Weltliteratur, die nicht gierig waren, angehören. Ich denke z.B. an Fürst Myschkin, der Figur aus Dostojewskis "Der Idiot". Das bringt mich auf den Gedanken, dass es Menschen gibt, die gierig sind, der Rest, das sind Idioten.
oder sind für diesen sexistischen Kommentar auch entsprechende Schulen mit entsprechenden Programmen verantwortlich?
gehört? Offenbar nicht!
gehört? Offenbar nicht!
dann wäre er längst ausgestorben.
Ein erfolgreicher Robbenjäger der Inuit teilt selbstverständlich seine Beute. Täte er es nicht würde er alsbald verhungern, die Zeit bis zum nächsten Jagderfolg kann er meist nur überleben, weil in der Zwischenzeit ein anderer Jäger Erfolg hat, der dann genauso selbstverständlich teilt.
Anders gewendet, die intelligenteste Form des Egoismus ist nun mal der Altruismus, Menschen sind per sé soziale Wesen.
Bei den Inuit leuchtet das sofort ein, diese Praxis sichert das Überleben aller.
Bei komplexen Gesellschaften gerät dieser Zusammenhang in der Regel aus dem Blick, gilt aber gleichwohl.
Ein erfolgreicher Robbenjäger der Inuit teilt selbstverständlich seine Beute. Täte er es nicht würde er alsbald verhungern, die Zeit bis zum nächsten Jagderfolg kann er meist nur überleben, weil in der Zwischenzeit ein anderer Jäger Erfolg hat, der dann genauso selbstverständlich teilt.
Anders gewendet, die intelligenteste Form des Egoismus ist nun mal der Altruismus, Menschen sind per sé soziale Wesen.
Bei den Inuit leuchtet das sofort ein, diese Praxis sichert das Überleben aller.
Bei komplexen Gesellschaften gerät dieser Zusammenhang in der Regel aus dem Blick, gilt aber gleichwohl.
siehe das Märchen vom Fischer und seiner Frau.
Da war die Frau die unersättliche.
Von daher ist das Märchen wohl nicht mehr politische korrekt.
Gier oder auch Habsucht sind disfunktionen der endogenen Belohnungssyteme.
Wenn sie sich Leer fühlen, Erfolg ihnen kein Glück schenkt, keine Befriedigung. Wenn sie mehr brauchen und mehr, dann leiden sie wahrscheinlich auch an einer disfunktion der Belohnungssysteme, an Habsucht.
Auch ihnen kann und muss geholfen werden, denn Gier ist heilbar. Und ihrer Gier betrifft nicht nur sie. Ihre liebsten Menschen in Ihrer Umgebung, Menschen mit denen sie niemals direkt in Berührung kommen, sie alle leiden unter ihrer Kankheit.
Auch für sie kann es ein erfülltes leben geben, einen Weg zurück in die Gesellschaft, die Gesellschaft von Menschen.
Machen sie Psychotherapie, nehmen sie Pharmaka.
gehört? Offenbar nicht!
Sie meinten nicht das Gegenteil von dem, was Sie sagten.
Sie meinten nicht das Gegenteil von dem, was Sie sagten.
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