Industriepolitik Guttenberg verwirft umstrittenes Papier

Der Wirtschaftsminister hält offenbar nichts von den Vorschlägen aus seinem eigenen Haus zur Industriepolitik - ganz wie die SPD: Er kassierte die ganze Sammlung

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich von dem umstrittenen Papier aus seinem Ministerium zur Industriepolitik distanziert. Sein Sprecher Steffen Moritz sagte, Guttenberg habe diese Sammlung "komplett verworfen" mit den Worten: "So geht es nicht." An dem industriepolitischen Konzept werde weiter gearbeitet. "Ziel ist es, ein solches Konzept so schnell wie möglich fertigzustellen", sagte er. Ob das Papier noch vor der Wahl Ende September vorliege, könne er nicht sagen.

Das Papier sieht nach Medienberichten unter anderem die Rücknahme der Gesetze zu Mindestlohn-Regelungen vor. Es soll zudem steuerliche Entlastungen für die Unternehmen und Erhöhungen bei den ermäßigten Mehrwertsteuersätzen beinhalten.

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Der Bericht hatte in den vergangenen Tagen heftige Debatten ausgelöst und war insbesondere von der SPD kritisiert worden. So hatte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier im Kölner Stadtanzeiger moniert, das Papier führe zu mehr Arbeitslosigkeit: "Was Herr zu Guttenberg anstrebt, lässt mich grausen: Arbeitnehmerrechte beschneiden, Mindestlöhne wieder abschaffen und Mehrwertsteuer erhöhen. Was im Guttenberg-Papier steht, führt zu mehr Arbeitslosigkeit."

Nach Ansicht des sozialdemokratischen Finanzministers Peer Steinbrück würde die Umsetzung der Vorschläge aus dem Wirtschaftsministerium zu massiven Rückschlägen bei der konjunkturellen Erholung führen. Zudem bemängelte Steinbrück, Guttenberg wolle zulasten der Kommunen die Gewerbesteuer streichen und Finanzierungsteile der Unternehmenssteuerreform zurücknehmen.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla trat Mutmaßungen entgegen, das Konzept solle nach der Bundestagswahl aus der Schublade geholt werden. "Das ist eindeutig nicht so", sagte er. Was CDU und CSU in der nächsten Legislaturperiode vorhätten, stehe im Regierungsprogramm und dabei bleibe es. Es werde keine Ergänzungen geben. Zugleich betonte Pofalla, er stehe zu branchenspezifischen Mindestlöhnen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben seien. Die Union lehne aber einen einheitlichen Mindestlohn für ganz Deutschland ab.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm stellte klar, dass es keinen Auftrag von Kanzlerin Angela Merkel an Guttenberg gegeben habe, ein industriepolitisches Konzept vorzulegen. Es sei das Unions-Regierungsprogramm, das die gemeinsamen Auffassungen von CDU und CSU und somit von Merkel und Guttenberg wiedergebe. Moritz bekräftigte, dass das industriepolitische Konzept keinen arbeitsmarktpolitischen Teil enthalten soll. Es werde sich mit den steuerlichen Rahmenbedingungen der Industrie beschäftigen.

 
Leser-Kommentare
    • CM
    • 17.08.2009 um 16:30 Uhr

    Bloß nicht so laut vor der Wahl, man könnte Wähler verschrecken: Rückabwicklung der Mindestlohnregelungen, Erhöhung der ermäßigten Mehrwertsteuer.

    Da könnte ja VOR der Wahl jemand merken, wohin die Reise mit Merkels Laiendarsteller geht.

    Als kleine Rache dafür, daß sein Gesetzgebungs-Outsourcing herauskam, läßt er verbreiten, das "Papier aus seinem Ministerium zur Industriepolitik" tauge nichts.

    So entpuppt sich 'Prinz Pomade' einmal mehr als echter Wendehals ohne Vision, ohne Rückgrat und ohne die Aufrichtigkeit, die einen Minister von einem Wiesel unterscheidet.

  1. Ob das Papier noch vor der Wahl Ende September vorliege, könne er nicht sagen.
    Ich vermute mal, nach der Wahl. Jetzt würden die neoliberalen Ansichten des Herrn Guttenberg den "Wahlkampf" nur stören. Dass das Papier des Wirtschaftsministeriums mit dem Wirtschaftsminister auch nichts zu tun hat, darf wohl bezweifelt werden.
    Oh weh, oh weh, Deutschland wird sich nach dem 27. September ärgern, dass ihre neue Regierung sich dem inhaltlichen Wahlkampf entzogen hat. Wer schwarz-gelb immer noch will, muss diese Republik schon ziemlich hassen.

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    Wann gibt es endlich ein Gesetz, dass klar macht, dass es zwar Meinungsfreiheit, aber keine Meinungspflicht für alle gibt. Wann werden endlich der kleine Mann und die kleine Frau verboten. Und ja...Jägermann, deswegen würde ich schwarz-gelb wählen, wenn ich denn überhaupt meine Zeit mit diesem uninnigen Vorgang verschwenden würde. Zimperliesen aller Couleur vereinigt euch. Hier in Deuschland.

    Wann gibt es endlich ein Gesetz, dass klar macht, dass es zwar Meinungsfreiheit, aber keine Meinungspflicht für alle gibt. Wann werden endlich der kleine Mann und die kleine Frau verboten. Und ja...Jägermann, deswegen würde ich schwarz-gelb wählen, wenn ich denn überhaupt meine Zeit mit diesem uninnigen Vorgang verschwenden würde. Zimperliesen aller Couleur vereinigt euch. Hier in Deuschland.

  2. ...unsere Wahrheit, unsere ganze Wahrheit und nichts als unsere Wahrheit deutlich zu artikulieren.

    Ach, nee, das plakatiert die Moralistenpartei ja gar nicht.

  3. Mir kommt das vor wie die Inszenierung eines Ritter Guttenbergs mit dem Auftrag bei guten Gelegenheiten neoliberal vorzupreschen. Wenn das Medienecho positiv ausfällt, bleibt die Aussage als reine Lehre stehen (s. Firmenrettungen), wenn das mediale Retoure weniger positiv ist, oder die SPD einen zu gut passenden Ansatzpunkt für Kritik findet, wird alles zurückgenommen.

    Politik in der BRD als Kasperletheater, wo die Kindergartentante Merkel seitlich beim Publikum steht, und die Reaktionen der Kleinen immer für den nächsten Schritt und die nächsten Handlungsanweisungen für die Darsteller abwägt.

    Auch hier eine östrogene Moderation zwischen Bürger und Regierung, in der für den Machterhalt alles getan oder auch alles geopfert wird.

    Man könnte sich ja gut umkümmert vorkommen, wenn einem nicht Himmelangst wäre, was als nächstes wohl noch kommen mag.

    • fanta4
    • 17.08.2009 um 17:03 Uhr

    Was ein peinliches Schmierentheater!

    Verdienen wir wirklich solche eine Regierung? Und wenn ja, was haben wir angestellt?

  4. Wann gibt es endlich ein Gesetz, dass klar macht, dass es zwar Meinungsfreiheit, aber keine Meinungspflicht für alle gibt. Wann werden endlich der kleine Mann und die kleine Frau verboten. Und ja...Jägermann, deswegen würde ich schwarz-gelb wählen, wenn ich denn überhaupt meine Zeit mit diesem uninnigen Vorgang verschwenden würde. Zimperliesen aller Couleur vereinigt euch. Hier in Deuschland.

    • politz
    • 17.08.2009 um 17:31 Uhr

    ...des Barons wird dies vermutlich nichts anhaben. Da hatten die Deutschen doch ihre Ansprüche und die Bewertung von Politikern soweit heruntergeschraubt, und plötzlich kommt Herr zu Guttenberg als Fels der Vernunft in der Brandung einer wirtschaftlichen Krise daher, der das Steuerzahlergeld nicht zum Fenster rausschmeißt. Und nun muss es erfahren, dass auch Guttenberg keinen Deut besser ist als die restliche Regierung - siehe die Affäre um den komplett von einer Privatkanzlei gefertigten Gesetzentwurf. Und dann erarbeitet sein Ministerium ein Konzept, das die Abschaffung der von den Deutschen (zurecht) heiß geliebten Mindestlöhne vorsieht.

    Die Reaktion des Volks dürfte trotzig ausfallen. Man wird den Baron weiter lieben, weil er neben Merkel der einzige ist, an dem man sich festhalten kann. Im Unterbewusstsein wissen die meisten, dass das ein irrationales Verhalten ist. Es ist letztlich wohl ein Signal der Ohnmacht gegenüber den Herrschenden, gegenüber deren Herrschaft man sich nicht wehren kann. Wenn man sie wenigstens respektiert und sich bezüglich ihrer Handlungen (siehe Bankenrettung, Mehrwertsteuererhöhung etc.) einen wohlbegründeten Sinn zusammenreimt, wird das Ganze immerhin ein wenig erträglicher.

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