Prekäre Jobs Lieber Leiharbeit statt arbeitslos
Prekäre Jobs werden reguläre Stellen weiter verdrängen, fürchtet die IG Metall und will strengere Gesetze. Die könnten aber verhindern, dass die Jobs überhaupt entstehen
Das Zitat ist symptomatisch für die Lage zahlreicher Arbeitnehmer: "Es kann natürlich kommen, dass die sagen: 'Du musst gehen, weil der andere billiger ist.' Da habe ich halt Pech gehabt, ganz großes Pech." Der das sagt, ist fest angestellter Facharbeiter bei einem Autozulieferbetrieb in Ostdeutschland. "Der andere" ist sein Kollege, der ebenso qualifiziert ist und die gleiche Arbeit macht. Nur eben als Leiharbeiter, zu schlechteren Konditionen, und noch dazu ist er leichter zu entlassen. Das setzt auch den regulär Beschäftigten unter Druck.
Die Fabrik, in der beide arbeiten, wurde erst vor einigen Jahren auf die grüne Wiese gebaut. Sie ist ein Anhängsel des Montagewerks eines großen Autokonzerns und von diesem vollkommen abhängig. Was genau sie in welchen Mengen und zu welchem Zeitpunkt Just in Sequence produziert, richtet sich nach den ständig schwankenden Anforderungen ihres Kunden. Zugleich muss das Werk, das zu einem internationalen Konzern gehört, im internen Wettbewerb strenge Rendite- und Kostenvorgaben erfüllen.
Das kann nur funktionieren, weil ein Drittel der Belegschaft aus Leiharbeitern besteht. Sie werden nur bezahlt, wenn es Arbeit für sie gibt, sie erhalten weniger Lohn, und die Fabrik kann sie ohne Weiteres entlassen. Und ohne sie fehlte dem Geschäft die Basis.
Der Fall zeigt: Die Leiharbeit wird zum strategischen Management-Instrument. Ursprünglich sollte sie Unternehmen die Möglichkeit eröffnen, in Boomzeiten und im Fall kurzfristigen Personalausfalls vorübergehend neue Mitarbeiter einzustellen. Mehr und mehr Betriebe nutzen sie dauerhaft, zu anderen Zwecken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung, der Wissenschaftsstiftung der IG Metall, die am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Eine wachsende Zahl von Unternehmen versuche, "Leiharbeit verstärkt zur Profitsteigerung zu nutzen", kritisiert die Gewerkschaft. Leiharbeit werde missbraucht, um Tarifbedingungen zu unterlaufen und Dumpinglöhne zu etablieren, sagte Detlef Wetzel, zweiter Vorsitzender der Organisation. Sie umfasse alle Arbeitsbereiche, heißt es in der Studie, und weiter: "Für 'gleiche Arbeit' wird ein 'ungleicher Lohn' gezahlt ... Tarifverträge werden unterlaufen, Mitbestimmung reduziert. 'Billigere' Leiharbeiter verunsichern ... Stammarbeitskräfte und Kernbelegschaften."
Die Chance, in eine Festanstellung zu wechseln, erhalten die Leiharbeiter dabei kaum – im Gegenteil, in der Krise verloren Hunderttausende ihren Job. Rund 500.000 von ehemals mehr als 800.000 blieben übrig.
Die Regierung müsse den Grundsatz "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" auch für die Leiharbeiter durchsetzen, verlangt die IG Metall. Zudem will sie den Einsatz der geliehenen Arbeitnehmer künftig auf sechs Monate begrenzt wissen und möchte, dass ihre Betriebsräte mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten. "Wir fordern, dass eine Verbesserung der Wirtschaftslage mit dem Aufbau regulärer Beschäftigung einhergehen muss", sagte IG-Metall-Vize Wetzel.
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sagte ihm seine Unterstützung zu: "Wir brauchen eine Lohnuntergrenze für Leiharbeit, damit der Lohnwettlauf nach unten gestoppt wird." Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies die Vorwürfe umgehend zurück: Zeitarbeit werde nicht dazu genutzt, Tarifbestimmungen zu unterlaufen. Die Alternative für Leiharbeiter sei häufig nicht der Stammarbeitsplatz, sondern die Erwerbslosigkeit.
Die Autoren der Otto-Brenner Studie, Hajo Holst, Oliver Nachtwey und Klaus Dörre, Soziologen an der Universität Jena, haben sechs Betriebe der Metall- und Elektroindustrie vergleichsweise tiefgründig untersucht, denn in dieser Branche ist Leiharbeit besonders häufig.
- Datum 19.08.2009 - 18:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wenn Leiharbeiter billiger sind, als normale Arbeitskräfte, ist es (geistlose Gier vorausgesetzt) natürlich, dass reguläre Arbeitsplätze verloren gehen. Wie könnte es denn anders sein? Ich frage mich schon, wer sich diese jeder Vernunft widersprechenden Dinge ausdenkt. Leiharbeit, um Produktionsspitzen abzufangen, kann doch nur dann sinnvoll sein, wenn sie teurer ist, als reguläre Arbeit. Dann ist es doch unternehmerisch eine einfache Rechnung, ob es sich eher lohnt langfristig verhältnismäßig günstigere feste Arbeitsplätze einzurichten oder aber etwas mehr zu zahlen, dafür aber nur zeitweise. Freilich anders ist die Rechnung noch einfacher, so wie die Steuer auf dem Bierdeckel: Der Gierige muss noch nicht mal nachdenken. Der der wenig hat, hat eben Pech.
Wohin geht die Reise? Zu einer demokratischeren, freieren Welt, mit Menschen, die sich und ihr Potenzial entfalten können. Wohl kaum. Zumindest wenn es nach "konservativen" und "liberalen" Vorstellungen geht, wird es nicht mehr lang dauern, bis eine neue Gesellschaft entsteht; mit Herrenmenschen und Sklavenarbeitern, die ja froh sein dürfen, Obdach und Nahrung und einen Fernseher gestellt zu bekommen.
Eine schöne neue Welt.
folgt genau diesen Überlegungen.
Leiharbeiter sind hochflexibel, was Arbeit, Mobilität, Lernbereitschaft und Streßbewältigung angeht.
Dementsprechend werden sie auch entlohnt.
Aber die französischen Kollegen sind auch etwas bissiger als ihre verschnarchten deutschen Kollegen.
folgt genau diesen Überlegungen.
Leiharbeiter sind hochflexibel, was Arbeit, Mobilität, Lernbereitschaft und Streßbewältigung angeht.
Dementsprechend werden sie auch entlohnt.
Aber die französischen Kollegen sind auch etwas bissiger als ihre verschnarchten deutschen Kollegen.
den Verbraucherschutz EU-weit zu verschärfen.
Langlebige Konsumgüter werden, ein Segen für die Umwelt, länger genutzt werden können, da deren höhere Qualität erzwungen wird.
Auch eine Form des Protektionismus und Arbeitsplatzschutzes in der EU.
1. Werden Kapazitäten in der Industrie abgebaut werden.
2. Gibt es eine Wunderwaffe(Produktinnovation) die dies verhindern wird
3. Ist mit Leiharbeitern die hohe Produktqualität zu gewährleisten
4. Wenn in Frankreich Leiharbeiter 110% des Lohnes erhalten, warum ist die Arbeitslosigkeit dort niedriger
5. warum treiben wir mit Frankreich überhaupt Handel, unsere nach unten lohnflexiblen Leiharbeiter sollten doch z.B. französische Autos komplett vom deutschen Markt verdrängen.
Wie schließen Ökonomen aus, dass die Ursache für das Dilemma am Arbeitsmarkt nicht ,langfristige Stagnationstendenzen sind, die sich aus dem Gossenschen Gesetz ergeben ?
Und die sich mit einer Aufhebung des Kündigungsschutzes nicht beseitigen lassen.
Schließlich ist die Sozialhilfeempfängerquote in den USA bedeutend höher als in Deutschland.
Siehe hier:
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/08/food-stamps-monat-fur-monat-mit-neuem.html
Wie machen Ökonomen dies überhaupt, Ursachenbewertung, wenn Wirtschaftsinstitute und Universitäten nur ideologiekonformes Denken zulassen.
Das ist ja ganz großes Kino mit dem Zitat des Leiharbeiters im Artikel.
Da wird dann also der Einzelne gegen die Gruppe ausgespielt.
Teile und hersche.
(entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)
Leiharbeit dient dazu nur die Löhne zu drücken. Es ist die reinste Sklavenarbeit und das wird es auch solange bleiben, solange es bei der leiharbeit nicht gleiches Geld, für gleiche Arbeit gilt. Es kann nicht sein, dass ein Leiharbeiter bestenfalls nur die Hälfte (in der Regel nur ein Drittel) für gleiche Arbeit kriegt wie die Stammbelegschaft.
"Die Alternative für Leiharbeiter sei häufig nicht der Stammarbeitsplatz, sondern die Erwerbslosigkeit."
Das ist absoluter Blödsinn ! Wenn man Leiharbeit abschafft kommen die festen Arbeitsplätze. Sorum wird ein Schuh draus. Wer glaubt das man Teure Anlagen und Maschinen stehen lässt, nur weil es keine Leiharbeiter mehr gibt , der irrt. So Profitgeil wie diese Unternehmer sind , sind die froh gute Fachkräfte zu haben.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass die politische Torpedierung der Flächentarifverträge und die Ausweitung der Leiharbeit eine schwerwiegende Konsequenz hatten: Nämlich dass dadurch ein grundlegender Konsens der sozialen Marktwirtschaft ausgehebelt wurde: Die Tarifpartnerschaft von Arbeitgebern und Gewerkschaften! Wer aber auf besagten Konsens keinen Wert mehr legt, darf sich nicht beschweren, wenn einige damit beginnen die Mindestlohnkeule zu schwingen.
Die Frage ist, warum Menschen in einer so reichen Gesellschaft wie unseren zunehmend unter solch unwürdigen Zuständen arbeiten müssen. Hintergrund ist natürlich, dass einige wenige von dieser Ausbeutung enorm profitieren, denen die langfristigen gesellschaftlichen Nebenwirkungen dieser Art des Wirtschaftens völlig schnurz sind. Das Ende der Klassengesellschaft auszurufen, wie es einige Politiker und Wirtschaftsführer schon gemacht haben, entpuppt sich als allzu verfrüht. Unter diesen Bedingungen lohnt ein Blick in die verschmähten Schriften von Marx und Engels, die wieder aktuell zu werden scheinen. Mal sehen, ob die sich darauf berufenden Parteien von dieser Entwicklung profitieren werden. Schade ist jedenfalls, dass die soziale Ausgewogenheit und damit politische Stabilität unserer Gesellschaft aufgrund asozialen Gewinnstrebens einzelner mit Rückendeckung der Politik in Schieflage gebracht wird.
Niemand hat den Anspruch, in einer insgesamt reichen Gesellschaft auch reich zu sein. Wenn das so wäre, wäre Deutschland zum Beispiel noch ein Entwicklungsland. Es gibt tatsächlich einige Menschen, die ihren Reichtum vielleicht nicht verdient haben. Ohne anreizverzerrende Nebenwirkungen, die langsam aber sicher zum Kommunismus führen, lässt sich das aber nicht verhindern. Die bestehenden Armuts- und Reichtumsverhältnisse sind demokratisch legitimiert, das zeigt die wohlbegründete Systemakzeptanz und dass die Mehrheit der Menschen eine faire Chance hat.
Niemand hat den Anspruch, in einer insgesamt reichen Gesellschaft auch reich zu sein. Wenn das so wäre, wäre Deutschland zum Beispiel noch ein Entwicklungsland. Es gibt tatsächlich einige Menschen, die ihren Reichtum vielleicht nicht verdient haben. Ohne anreizverzerrende Nebenwirkungen, die langsam aber sicher zum Kommunismus führen, lässt sich das aber nicht verhindern. Die bestehenden Armuts- und Reichtumsverhältnisse sind demokratisch legitimiert, das zeigt die wohlbegründete Systemakzeptanz und dass die Mehrheit der Menschen eine faire Chance hat.
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