Allergien Die Wespen fliegen wieder
Jedes Jahr im August fallen Insekten über Süßes her. Doch Wespen, Mücken, Raupen und ihre Verwandten sind nicht nur lästig, sie können unsere Gesundheit bedrohen
"Macht euch die Erde untertan": Gottes Befehl aus dem Alten Testament haben die Menschen ganz schön erfolgreich umgesetzt. Sechs Milliarden bevölkern heute den Planeten. Und doch existiert eine andere Gruppe von Lebewesen, die noch viel erfolgreicher ist. Sie sind klein, gepanzert und einige von ihnen bedrohen uns Menschen gerade jetzt, im Spätsommer, wieder überall mit ihren Stacheln und Beißwerkzeugen: Insekten. Mehr als eine Million verschiedene Arten sind bekannt, das sind etwa drei Viertel aller Lebewesen.
Doch Forscher gehen davon aus, dass noch mindestens zehn, wenn nicht sogar 80 Millionen Arten unentdeckt durch die Urwälder der Erde kriechen oder in den Lüften schwirren. Im Berliner Alltag treffen wir allerdings vor allem auf Mücken, Käfer, Bienen, Hummeln, Hornissen und Wespen.
Mit einigen stehen die Menschen auf Kriegsfuß, mit anderen kaum. Marienkäfer beißen zwar manchmal – das spürt man aber kaum und der Biss ist harmlos. Und Hummeln haben zwar einen Stachel, stechen aber in der Regel nur, wenn man direkt auf sie tritt. Doch wenn es passiert, spritzen sie Gift in die Einstichstelle. Die Haut brennt , juckt und schwillt an. Unangenehm. Wie auch die Stiche der leichter reizbaren Verwandten der Hummel – Bienen, Hornissen und Wespen.
Ein Wespenstich verursacht eine Schwellung mit einem Radius von etwa fünf Zentimetern um die betroffene Stelle. "Das ist lästig und schmerzhaft", sagt Torsten Zuberbier, Leiter des European Center for Allergy Research Foundation (ECARF) an der Charité, "aber es ist nicht wirklich gefährlich. Die Sprüche, dass drei Stiche einen Menschen und sieben Stiche ein Pferd töten, sind Unsinn. Ein gesunder Mensch kann hundert Wespenstiche aushalten." Wenn jemand versehentlich in ein Nest tritt, kann so etwas durchaus mal passieren. Ein bis zwei Stiche sind aber viel wahrscheinlicher. Die Einstichstelle sollte gekühlt und mit einer cortisolhaltigen Creme bestrichen werden. Nach zwei Tagen ist die Schwellung abgeklungen.
Anders sieht es aus, wenn jemand eine Allergie gegen Hummel-, Bienen- oder Wespenstiche hat. Dann reagiert der Körper mit wesentlich heftigeren, eigentlich unnötigen Maßnahmen auf das Gift: Die Schwellung wird mehr als doppelt so groß. Der Juckreiz ist noch schwerer zu ertragen. Hinzu kommen Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Verengung der Bronchien, Luftnot bis zur Ohnmacht. Warum das bei manchen Menschen so ist, sei noch immer ein Rätsel, sagt Torsten Zuberbier: "Ein Versehen des Immunsystems."
Zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind gegen Wespenstiche allergisch, meistens verläuft die Allergie aber milde. Nur ein Bruchteil der Allergiker ist hochgradig gefährdet und kann durch einen Stich sterben. Sie jedoch müssen immer Cortisol-Tabletten und Adrenalin-Fertigspritzen bei sich tragen. Rund 300 Patienten werden am Allergie-Centrum-Charité jedes Jahr deswegen behandelt. Die Zahl der Insektenallergiker nehme aber – anders als man gemeinhin glaubt – nicht zu, sagt Torsten Zuberbier.
Eine Möglichkeit der Behandlung ist die Hyposensibilisierung, bei der über mehrere Tage geringe Mengen des Insektengiftes in den Körper gespritzt werden. Nach einiger Zeit reagiert das Immunsystem weniger heftig. Es folgt eine Nachbehandlungszeit von drei bis fünf Jahren. Kein Wunder, dass manche Menschen die Wespen als ihre Feinde betrachten. Dabei gehören Menschen eigentlich nicht in ihr Beuteraster. Die gestreiften Flieger sind zwar Jäger – anders als Bienen –, aber sie haben es vor allem auf Läuse, Fliegen, Larven und Früchte abgesehen. Wenn sich an diesen Futterquellen allerdings auch Menschen aufhalten und wild herumfuchteln, fühlen sich die Wespen bedroht.
- Datum 17.08.2009 - 14:58 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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