Allergien Die Wespen fliegen wiederSeite 2/2

Das Beste sei auszuweichen, sagt Andreas Taeger: "Wir wissen von dem Konflikt und können woanders hingehen, die Wespe weiß es nicht." Andreas Taeger ist Diplom-Biologe, Wespenexperte und stellvertretender Leiter des "Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut" in Müncheberg, rund 50 Kilometer östlich von Berlin. Dort sind 18 Mitarbeiter damit beschäftigt, unsere Konkurrenten auf die Weltherrschaft, die Insekten, besser kennenzulernen. 2,5 Millionen präparierte Insekten lagern in temperierten stählernen Schrankwänden. "Manche Arten produzieren bis zu fünf Generationen – in einem Sommer", sagt Andreas Taeger, während er eine Palette mit besonders großen Hornissenexemplaren aus dem Schrank holt.

Auch bei Stechmücken gibt es mehrere Generationen pro Jahr. Und besonders mit ihnen liefern sich die Menschen einen Kampf bis aufs Blut. Die Waffen der kleinen Blutsauger sind scharf: sechs Stechborsten mit kleinen "Messern" an den Spitzen. Kurz nach einem Stich beginnt in der Regel eine allergische Reaktion – die ist allerdings auf die Einstichstelle begrenzt. Es juckt. Beides liegt an Proteinen, die Stechmücken in den Stich spritzen, um zu verhindern, dass das Blut ihrer Beute gerinnt. Wenn die Mücken ihren Rüssel in die Haut des Menschen bohren, können sie auch Krankheiten übertragen.

Und doch wirken die Berliner Mücken ziemlich harmlos – zumindest im Vergleich mit dem Eichenprozessionsspinner. Als ausgewachsener Nachtfalter kann er dem Menschen zwar nichts anhaben – als Raupe jedoch ist er gefährlich. Denn die Raupen haben feine, sich leicht ablösende Gifthaare, die beim Menschen schmerzhafte Entzündungen und allergische Reaktionen hervorrufen können. Vor allem in Grunewald, Spandau und Tegel sind die Raupen an Eichen zu finden. Die Larven haben zwar eigentlich nur im Mai und im Juni die gefährlichen, fast unsichtbaren Brennhaare. Doch im Unterholz, in Gräsern, Büschen, Sträuchern halten sich die Haare auch dann noch, wenn die Raupen sie längst verloren haben.

Es hilft, Kleidung zu tragen, die die Haut bedeckt. Dadurch werden auch Zeckenbisse vermieden. Diese Beißer gehören zwar nicht zu den Insekten, sondern zu den Spinnentieren. Aber auch mit ihnen liefern die Menschen sich einen ähnlichen Krieg. Die häufigste Zeckenart ist der Gemeine Holzbock. Und der hat es vor allem auf die Kniekehlen, den Genitalbereich, die Achselhöhlen, den Nacken und den Haaransatz der Menschen abgesehen. Er hat eine Art Schere als Mundwerkzeug, mit der er die Haut seines Opfers aufschneidet. Auch Zecken sondern beim Biss eine Flüssigkeit in die Wunde ab – und zwar ein Betäubungsmittel, damit sie unbemerkt bleiben. Dabei können sie Krankheitserreger übertragen, etwa Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die zu einer Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung führen kann. An dieser Krankheit können Menschen sterben.

Aber auch Zecken sterben oft beim Biss – zumindest wenn sie entdeckt und mit der Pinzette entfernt werden, möglichst, ohne sie dabei nach rechts oder links zu drehen. Mücken enden zwischen zusammengeklatschten Händen und Wespen in Fallen. Der Kampf Mensch gegen Insekt geht also weiter – wie jedes Jahr.

Mitarbeit: Daniela Martens

 
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