Internet-Wahlkampf Das Netz ist wahlentscheidend
Der Internet-Wahlkampf gewinnt an Bedeutung, und die Bürger fordern vor allem eines: Inhalte. Das Privatleben von Politikern interessiert sie hingegen nicht

Die Webseite der SPD-Kampagne 2009. Im Internet-Wahlkampf fordern die Bürger von den Kandidaten Inhalte statt privater Details
Ohne das Internet kann eine Partei heutzutage keine Wahl mehr gewinnen. Da sind sich 44 Prozent der wahlberechtigten Bürger sicher. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. BITKOM hat am Mittwoch in Berlin eine Studie zum Thema E-Democracy vorgestellt. Ergebnis: Das Internet ist inzwischen wahlentscheidend.
Insbesondere für junge Menschen ist das Web in den vergangenen Jahren zum Informationsmedium Nummer eins geworden und hat Fernsehen und Tageszeitungen überholt. Jeder Dritte nutzt vor der Bundestagswahl die Webseiten der Parteien und Politiker. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen sind es gar 49 Prozent. Und 80 Prozent der Befragten meinen: Ein guter Politiker muss heute auch im Internet präsent sein. Doch wie sollte sein Webauftritt dort aussehen?
Kaum von Interesse ist das Privatleben. Auf die Informationen, dass Frank Walter Steinmeier zur Entspannung Jazz hört oder Angela Merkel gerne einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fahren würde, hätten 80 Prozent der Wähler verzichten können, sagen sie. Wichtig sind ihnen dagegen politische Inhalte.
Vom Internetauftritt eines Politikers erwarten die Bürger Informationen aus erster Hand. Über 80 Prozent sagen, sie wollten seine Meinung zu aktuellen Themen und seinen Standpunkt zu geplanten Maßnahmen erfahren. Auch das Wahlprogramm seiner Partei, der politische Werdegang sowie Auskünfte zu Nebentätigkeiten und -einkünften sind gefragt.
Bislang werden die nur von wenigen Politikern online ausgewiesen. Bürger, die etwas über das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten oder ihre Nebentätigkeiten erfahren möchten, sind auf Non-Profit-Projekte wie das Portal abgeordnetenwatch.de angewiesen. Das hat sich Transparenz und mehr Verbindlichkeit in den Aussagen der Politiker zum Ziel gesetzt und listet sämtliche Hintergrundinformationen zu Abgeordneten übersichtlich auf.
Manfred Güllner, Geschäftsführer von Forsa, sieht die Bundestagsabgeordneten in diesem Punkt allerdings nicht zwangsläufig in der Pflicht: "Setzt sich das Prinzip des gläsernen Abgeordneten durch, wer stellt sich dann noch zur Wahl?" Güllner hält es für wichtiger, dass Politiker mehr Kanäle schaffen, um mit den Bürgern in einen Dialog zu treten. Fast zwei Drittel der 18- bis 29-Jährigen würden einem Politiker heutzutage am ehesten per Internet die Meinung sagen oder ein Anliegen vorbringen. Sie wollen ihre Ansichten äußern und kritische Fragen stellen.
Eine entscheidende Rolle könnten dabei die Social Networks spielen. "Blogs und soziale Online-Netzwerke werden für die politische Kultur immer wichtiger, weil sie eine direkte Interaktion zwischen Bürgern und Politikern ermöglichen", sagt der Präsident des BITKOM, August-Wilhelm Scheer. Mehr als jeder fünfte Bundesbürger informiert sich schon heute bei Facebook, Xing, YouTube oder StudiVZ zu politischen Themen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es immerhin 28 Prozent. Auf Facebook bringt es Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings nur auf 14.000 Unterstützer, SPD-Kanzler-Kandidat Frank-Walter Steinmeier gerade auf 5000.
Offensichtlich also findet ein politischer Diskurs mit der breiten Masse im Web 2.0 bislang kaum statt. "Menschen ohne Charisma hilft eben auch das Internet nicht", sagt Güllner.
- Datum 20.08.2009 - 10:13 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Lieber Tobias Reitz, liebe Leser
Leider wurde in dem Artikel kein Wort über die Piratenpartei gesagt.
Sie kommuniziert und vor allem disskutieren im/über das Internet ganz ausführlich über bestimmte Kernthemen.
Das sieht man ganz deutlich auf ihren Internetseiten:
z.B. http://www.piratenpartei....
Basisdemokratie für alle. Sprich, jeder kann mitmachen.
Mitmachdemokratie. Mitmachpartei. Mitmachgesellschaft.
Der Erfolg setzt sich ja schon deutlich ersichtlich in verschiedenen digitalen Communities in letzter Zeit fort:
z.B. http://www.meinvz.net/wah...
Interessant finde ich die Idee bzw. Diskussion über "liquid democracy" in der Piraten-Wiki:
http://wiki.piratenpartei...
P.S.: Mir scheint es echer so, daß diese sehr stark wachsende Partei bewußt von den klassischen Massenmedien klein gehalten wird!
Die Möglichkeiten Politik über das neue Massenmedium Internet zu führen, kommunizieren, generieren, entscheiden usw. ist von den "Analogparteien" noch nicht erkannt worden.
Das könnte sich aber am 27.09 mit einem AHA-Effekt ändern.
"In einer repraesentativen Umfrage haben 95% der Befragten angegeben, dass sie ich in Radio, Fernsehen oder Printmedien ueber Politiker informieren. Ausserdem verlangten 98%, dass Politiker heutzutage in den Medien praesent sein muessten, wenn sie gewaehlt werden wollen. Dabei spielt nach den Erkenntnissen von Forsa das Privatleben der Politiker kaum eine Rolle, die Buerger wollen ueber Inhalte, ueber Ansichten des Politikers zu aktuellen Problemen, zum Wahlprogramm und/oder zu seinen Nebeneinkuenften informiert werden. [...]"
Diese Studie hab ich mir nur ausgedacht, aber wie grossartig ist denn mal bitte schoen die Erkenntnis, dass Buerger auf Inhalte und Transparenz hoffen? Nachdem unser bildungsauftragsgefoerdertes Fernsehen schon laengst aufgegeben hat, nachdem viele Printmedien kaum noch ankommen gegen den Wust an Belanglosigkeiten, der jeden Tag produziert wird, soll es jetzt das Internet retten. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt...
Bei Xing aktuell rd. 16900 abgegebene Stimmen / Piratenpartei über 80%
Bei MeinVZ rd. 71000 abgegebene Stimmen / Piratenpartei über 31%
Das lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf den zu erwartenden Wahlausgang zu - sehr wohl aber auf die Online-Aktivitäten von Unterstützer/innen.
Und da ist für alle anderen Parteien das Internet eine leere Wüste.
ich gebe Nr. 1 recht: die Piraten sind da ganz in ihrem Element. Es wird also spannend sein, zu beobachten, welche tatsächlichen Auswirkungen der Internet Einfluss auf die Wahl haben wird. Der Trend jedoch war schon längst abzusehen:
http://www.synecstasy.com...
www.synecstasy.com
Sie schreiben:
Kaum von Interesse ist das Privatleben. Auf die Informationen, dass Frank Walter Steinmeier zur Entspannung Jazz hört oder Angela Merkel gerne einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok fahren würde, hätten 80 Prozent der Wähler verzichten können, sagen sie. Wichtig sind ihnen dagegen politische Inhalte.
Könnte dies eine "Pisabewertung" der deutschen Medienlandschaft sein?
Vielleicht liegt das gesteigerte inhaltliche Interesse der Wähler daran, dass die klassischen Medien den Bürger zu sehr mit Privatem und mit persönlichen Angriffen zwischen den Politikern und zu wenig mit dem was die Wahl ausmachen sollte: Den Politischen zielen, den Wahlversprechen und eventuell noch rückblickend mit der Einhaltung solcher Versprechen versorgen.
irgendwelchen Forsa-Mull bringen?
Die Aussage, dass sich bei mehr Transparenz niemand mehr zur Wahl stellen würde, kann man ja wirklich nur noch als Realsatire betrachten.
Ich erwarte jedenfalls wirklich was anderes als so einen Nullinformationsartikel, mit dem anhand von blödsinnigen Umfragen und Zitaten von [...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
Sollte ich jemals anderes behauptet haben, nehme ich das hiermit zurück.
(Bitte verzichten Sie auf das Wiedereinstellen von bereits gelöschten Kommentaren. Die Redaktion /ft)
Liebe Redaktion,
wir alle wissen es zu schätzen, dass Sie Wert auf Sachlichkeit der Diskussion legen. Da einem bei manchem Artikel aber nun einmal der Kragen platzt, sollte es möglich sein, seinem Ärger auch einmal Luft zu machen. Niemand weiß, was ibm so Unsachliches geschrieben hat, nur Sie und er. Glauben Sie wirklich, dass die übrigen Leser vor - lediglich aus Ihrer Sicht - unsachlichen Beiträgen geschützt werden müssen? Das können wir schon selbst einordnen, seien Sie sicher. Spätestens wenn ein Beitrag mehrfach mit einem Stern ausgezeichnet worden ist, weiß der Autor/die Autorin des Beitrags, dass er/sie wohl nicht so ganz richtig liegt.
In der Hoffnung, nicht wegzensiert zu werden, erlaube ich mir die Frage, ob Sie mit Ihrer - Verzeihung - inquisitorischen Vorgehensweise nicht einen gewissen Kontrapunkt zum Inhalt des kommentierten Artikels setzen.
Sollte ich jemals anderes behauptet haben, nehme ich das hiermit zurück.
(Bitte verzichten Sie auf das Wiedereinstellen von bereits gelöschten Kommentaren. Die Redaktion /ft)
Liebe Redaktion,
wir alle wissen es zu schätzen, dass Sie Wert auf Sachlichkeit der Diskussion legen. Da einem bei manchem Artikel aber nun einmal der Kragen platzt, sollte es möglich sein, seinem Ärger auch einmal Luft zu machen. Niemand weiß, was ibm so Unsachliches geschrieben hat, nur Sie und er. Glauben Sie wirklich, dass die übrigen Leser vor - lediglich aus Ihrer Sicht - unsachlichen Beiträgen geschützt werden müssen? Das können wir schon selbst einordnen, seien Sie sicher. Spätestens wenn ein Beitrag mehrfach mit einem Stern ausgezeichnet worden ist, weiß der Autor/die Autorin des Beitrags, dass er/sie wohl nicht so ganz richtig liegt.
In der Hoffnung, nicht wegzensiert zu werden, erlaube ich mir die Frage, ob Sie mit Ihrer - Verzeihung - inquisitorischen Vorgehensweise nicht einen gewissen Kontrapunkt zum Inhalt des kommentierten Artikels setzen.
das Sie in Ihrem Artikel es so darstellen als wenn Transparenz nicht möglich ist (weil sich dann ja keiner zur Wahl stellt) und das bei StudiVZ ja keine Politiker/Parteien Anhänger haben. Ob das so gewollt ist oder einfach ein bisschen zu "schnell" geschrieben wurde, kann ich nicht beurteilen.
Auf jeden Fall spricht die Piratenpartei die netzaffinen Leute an, das zeigen alle Umfragen im Netz (auch wenn die sicher nicht repräsentativ sind) und nicht nur die, denn es wird ja auch jede Menge Offline-Wahlkampf gemacht. Das die anderen Parteien eher auf Homestories und nicht so sehr auf Inhalte stehen, zeigt auch ganz deutlich deren veralteten Politikstil und was sie von den Bürgern halten.
In Deutschland ist das Web nicht wahlentscheidend, sondern immer noch Fernsehen und Straßenwahlkampf. Bei der deutschen Altersstruktur sind die über 40 jährigen dominant, die tendentiell weniger auf Youtbue, geschweige denn Facebook oder gar Politikersites unterwegs sind. Das die Bitkom was anderes sagt, überrascht nicht weiter. Obama hin, Obama her, das deutsche System funktioniert vollständig anders, was in den USA entscheidend gewesen sein mag, spielt hierzulande - noch - kaum eine Rolle.
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