Inglourious Basterds "Dieser Film ist ein Schweineparadies"Seite 3/3

Frage: Im TV-Zweiteiler Tanz mit dem Teufel spielten Sie den Oetker-Entführer, eine reale Figur. War Authentizität da Thema?

Waltz: Beim Oetker-Dreh gab es Momente, in denen ich meinte: Als Szene funktioniert das nicht richtig. Die Antwort lautete dann immer: Aber so war es wirklich. Bitte, es ist doch scheißegal, wie es war; wenn es vor der Kamera nicht funktioniert, hat es in einem Spielfilm nichts zu suchen. Als ich 1997 in Du bist nicht allein Roy Black spielte, habe ich zunächst einen irren Aufwand betrieben, um meine Visage dem Gesicht von Roy Black anzupassen, mit Zähnen, Haarextensions etc. Am ersten Drehtag sagte der Regisseur Peter Keglevic: Alles Humbug, weg damit. Es ging nicht darum, so auszusehen wie Roy Black, sondern um einen speziellen Aspekt seiner Persönlichkeit.

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Frage: Sie spielen oft Bösewichte, Mörder, SS-Leute. Bruno Ganz hat, als er Hitler darstellte, gesagt, es fiele ihm leichter, Täter zu spielen. Vor KZ-Opfern hätte er viel zu großen Respekt.

Waltz: Das ehrt Bruno Ganz sehr. Respekt muss allerdings nicht zwingend eine Darstellung verhindern. Aber es gibt einen anderen Grund, warum er recht hat: Die Worte actor und Täter sind verwandt, es ist einfach lohnender, einen Täter zu spielen. Opfersein beruht nicht auf einer Aktion, es ist ein Resultat der Aktionen anderer. Täter ist Tun, Opfer ist Sein. Das Sein kann man nicht spielen, das Tun schon.

Frage: Sie hatten sechs Wochen Zeit, sich auf Hans Landa vorzubereiten. Was haben Sie da getan?

Waltz: Wissen Sie was: Ich hatte dreißig Jahre Zeit, mich vorzubereiten. Alles, was ich dreißig Jahre versucht habe, konnte ich zur Anwendung bringen. Deshalb bedeutet mir der Darstellerpreis so viel, den ich beim Filmfestival in Cannes erhielt. Ich war immer etwas schofelig Preisen gegenüber, aber diesmal hat es gestimmt.

Frage: Ein Traum aus Ihren Anfangszeiten ging in Erfüllung?

Waltz: Der Entschluss, Schauspieler zu werden, hat mit der Mühsal, ein Schauspielerleben zu führen, ebenso wenig zu tun wie der Entschluss, Tischler zu werden, mit der Mühe, einen Tischlereibetrieb aufrechtzuerhalten. Aber wenn es ausgerechnet in dem Moment, in dem man einen guten, abschätzenden Blick auf die Wünsche und Hoffnungen von damals werfen kann, zur Einlösung dessen kommt, was man anfangs kaum ahnen konnte, ist das schon grandios.

Frage: Ein Tischler im Land von Baumärkten hat es schwer. Sie haben den deutschen Film als mittelmäßig und verlogen beschimpft. Gibt es hier überhaupt Regisseure, mit denen Sie arbeiten wollen?

Waltz: Ich bin nicht der einzige Tischler in Deutschland, der sein Handwerk schätzt. Hierzulande existiert ein riesiges Potenzial, aber es verkümmert. Das ist eine Tragödie für das deutsche Kino.

Das Gespräch führten Christiane Peitz und Christina Tilmann

 
Leser-Kommentare
  1. Gute Fragen und lesenswerte Antworten.

    Michel Katzentisch

  2. 2. Stimmt

    Ja, ein sehr kluges Interview von beiden Seiten.

  3. 3. Hans?

    Naja.
    Ich find's eh bedauerlich dass alle halbwegs deutschen Filme bzw. Filme wo deutsche Schauspieler auch nur mitspielen immer irgendwie mit den Nazis oder wenigstens mit der DDR zu tun haben müssen. Und melancholisch wie Fernsehwerbung für norddeutsches Bier sein müssen. Mit dieser Weltschwere kann ich einfach nix anfangen, tut mir leid.

  4. 4. das...

    ...schönste zitat das ich von herrn waltz hörte ging ungefähr so:
    -wenn ein raubtier jahrelang gemüse vorgesetzt bekommt und dann plötzlich jemand mit einem schinken wedelt, dann stürzt es sich selbstverständlich darauf.-

    ich kanns kaum abwarten bis der film hier im landeshauptkaff im original zu sehen sein wird.

  5. Die Antworten spiegeln die sudo-intellektuellen Fähigkeiten des "Actors" wieder. Anstatt differenziert auf gute Fragen zu antworten wird ordentlich auf die Pauke gehauen. Es ist ja schön das ein Schauspieler, dem Jahrelang der Erfolg verwehrt wurde endlich den Durchbruch schaft, aber rechtfertigt das Aussagen wie "Täter ist Tun, Opfer ist Sein. Das Sein kann man nicht spielen, das Tun schon." Da sollte man mal Roberto Benigni zu seiner Leitung in La Vita e Bella befragen.

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