ZEIT ONLINE: Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Ist das schon das Ende der Rezession? 

Costa Brunner: Die Zahlen sind auf den ersten Blick überraschend positiv. Aber sie taugen nicht als Beleg für eine nachhaltige Rückkehr des Wachstums. Vor allem die Konjunkturpakete der Regierung haben die Wirtschaft angetrieben: Starke Impulse kamen beispielsweise von der Abwrackprämie. Auch die Bauinvestitionen haben zugenommen. Daran kann man ganz deutlich sehen, dass die 18 Milliarden Euro, mit denen der Staat die Wirtschaft stützt, Wirkung entfalten. Aber das wird durch hohe Schulden erkauft, die den finanziellen Spielraum der nachfolgenden Generationen immens einschränken.

ZEIT ONLINE: Die Konjunkturprogramme wirken? Bislang wurde doch erst ein geringer Teil der Gelder ausgegeben. 

Brunner: Das mag sein. Aber die Statistik sagt eindeutig, dass die Zahl der Baugenehmigungen und die Investitionen der öffentlichen Hand gestiegen sind. Zugleich vergeben die Banken deutlich mehr Kredite an private Hauseigentümer, für Sanierungen, die den Energieverbrauch der Gebäude senken sollen. Auch das lässt sich durch die Förderpolitik der Regierung und die historisch niedrigen Zinsen erklären. Das ist aber erst der Anfang. Die Wirkung der Konjunkturpakete könnte sich noch verstärken. 

ZEIT ONLINE: Das bedeutet, von jetzt an geht es aufwärts?

Brunner: Technisch gesehen ist die Rezession zu Ende. Aber das Wachstum gründet auf staatlichen Konjunkturprogrammen und einer exzessiven Geldpolitik. Sie bewirken keinen nachhaltigen Aufschwung. Wir gehen davon aus, dass die Erholung nur vorübergehend ist. Das Produktionsniveau, auf dem die deutsche Industrie Anfang 2008 war, wird sie erst wieder in drei oder vier Jahren erreichen. 

ZEIT ONLINE: Sie sprechen von einem "geldpolitisch induzierten Aufschwung". Was meinen Sie damit? 

Brunner: Durch die historisch niedrigen Zinsen lohnen sich im Moment auch kreditfinanzierte Investitionen, die wenig Rendite versprechen. Das ist natürlich problematisch. Sobald die Zinsen wieder steigen, – und das werden sie, sobald die Produktionskapazitäten besser ausgelastet sind und dadurch ein Inflationsdruck entsteht – werden sich auch die Finanzierungskosten der Unternehmen erhöhen. Dann wird es schwierig für die Betriebe. Hinzu kommt, dass durch die laxe Geldpolitik Blasen an den Finanz- und Rohstoffmärkten entstehen können: Die steigenden Rohstoffpreise erhöhen die Unternehmenskosten zusätzlich. Die Gefahr solcher Blasen ist groß, wir glauben, dass schon der jetzige Kursanstieg am Aktienmarkt zu einem ganz beträchtlichen Teil auf die Verfügbarkeit billigen Geldes zurückzuführen ist. Fundamental ist er nicht zu erklären.