"Wenn mich diesen Sommer etwas nervt, dann sind es Schalträgerinnen", mault mein Bruder, der gerade aus Südafrika zurück nach Hamburg gezogen ist. "Ich dachte immer, ein Schal soll in erster Linie wärmen. Frieren die Frauen hier inzwischen auch schon im Sommer?"

"Nein, darum geht es nicht. Der Schal soll schmücken, nicht wärmen!“, versuche ich ihm zu erklären. "Und schützen. Gerade jetzt, wenn alle soviel Haut zeigen, fühlt man sich mit einem Tuch um den Hals nicht ganz so nackt. Es schützt vor Fahrtwind und Klimaanlagen, indem man es sich dekorativ über die Schultern legt.“

Ich schaue mich um. In dem Eppendorfer Café, in dem wir sitzen, sind an diesem Nachmittag - obwohl wir knapp 30 Grad haben - einige Tuchträgerinnen unterwegs. Beliebte Kombination: Trägertop, Minirock oder Shorts und um den Hals, in mehreren Schichten gewickelt, ein mit kleinen Bommeln verziertes Tuch. Neckisch sieht das aus und - wie sagt man so schön: Ein Hingucker ist es auch.

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Zum ersten Mal sah ich den Schal mit den Bommeln Anfang des Sommers, auf einer Straße in London. Dann tauchte er am Flughafen in Düsseldorf auf, schließlich auch in kleineren Städten wie Ludwigsburg oder Braunschweig. Mal in altrosa und mausgrau, dieser Tage ist zitronengelb sehr beliebt. Immer mit dabei: zahllose Bommeln am Saum. Hübsch, dachte ich damals. So eines will ich auch.

Ich mag den Moment, wenn man ein Accessoire an einer Frau sieht und denkt: Das will ich auch. Es ist ein sehr viel entschiedeneres und inspirierenderes Gefühl, als wenn man das Tuch an einem gestylten Model in einer Zeitschrift gesehen hätte. Meist setzt man dann alles daran, die Tasche, Sonnenbrille oder das Tuch zu finden.