Musik-Suchmaschine Semsix Stream den Mainstream!
Kostenlos, legal und ungekürzt: Wer im Netz ganze Alben anhören will, wird bei Semsix fündig. Die Stuttgarter Musik-Suchmaschine ist eine praktische Alternative zu Google.
Die Idee klingt so simpel, dass man sich fragt, warum sie nicht früher umgesetzt wurde. Semsix ist eine Suchmaschine für Musik im Web, programmiert nicht von Internet-Riesen oder Suchmaschinen-Oligopolisten, sondern von zwei schwäbischen Studenten der Medieninformatik.
Martin Jakobus und Ingo Schock, 23 und 28 Jahre alt, haben folgendes Problem erkannt: Wer sich im Netz das Album seiner Lieblingsband kostenlos anhören möchte, hat die Wahl zwischen drei Songs auf MySpace, 20-sekündigen Zumutungen wie etwa auf Amazon oder der umständlichen Suche auf Google und diversen Videoportalen.
Das muss einfacher gehen, dachten sie sich. Innerhalb von fünf Monaten entwickelten Jakobus und Schock die Musik-Suchmaschine Semsix. Sie schlugen das Projekt ihrem Professor an der Hochschule für Medien in Stuttgart vor und setzten es in Eigenregie um. Die Idee: Wer mit Semsix nach Alben und einzelnen Songs sucht, dem trägt die neue Suchmaschine alle Informationen zu den Musiktiteln sinnvoll und zentral zusammen. Systematisch durchsucht sie Videoportale wie YouTube, Vimeo oder MyVideo und listet die Ergebnisse in Form einer Tabelle, sortiert nach Album und Künstler, mitsamt den Songtexten auf. Die gefundenen Songs können in voller Länge gehört werden, seine Abspiellisten kann der Nutzer mit Freunden teilen. Die entsprechenden Videos zu den Liedern laufen in einem kleinen Fenster neben dem Player.
Ist Semsix also wie Last.fm, nur mit Bild? Nein, dort steht das personalisierte Radio im Vordergrund. Und eine konkrete Suche liefert lediglich Ausschnitte der Lieder. "Semsix ist außerdem keine Community", sagt Ingo Schock. Eine Anmeldung oder ein Download zusätzlicher Programme ist nicht erforderlich. "Es ist einfach eine Suchmaschine für Musik." Und die funktioniert gut.
Es passiert so oft: Seit Tagen geistert einem ein Lied durch den Knopf, Name und Urheber unbekannt. Dank der Volltextsuche auf Semsix reichen nun schon ein paar Wortfetzen aus dem Refrain, und mit etwas Glück lässt sich der Ohrwurm identifizieren. Das kann Semsix allerdings nur, wenn die Stücke zuvor von Plattenfirmen, Künstlern oder Raubkopierern auf eine der drei einschlägigen Videoplattformen hochgeladen wurden.
Und dies ist die Schwachstelle der Suchmaschine: Wenig bekannte Künstler oder Alben sind kaum auffindbar. Wer nach alten Alben von Fanny van Dannen, nach B-Seiten und Vinyl-Klassikern sucht, dem hilft die Semsix nur in Ausnahmefällen weiter. Denn: keine Suchergebnisse auf den Videoportalen – keine Suchergebnisse auf Semsix. Gestreamt wird nur der Mainstream.
Warum also konzentrieren sich die Programmierer ausschließlich auf die Videoportale? "Sie lassen sich mit einem Algorithmus einfacher durchsuchen", erklärt Ingo Schock. Die Studenten haben ein System entwickelt, das die Qualität der Videos anhand der Bewertungen und der Anzahl der Kommentare und Views berechnet. Auf Plattformen wie MySpace fehlt solch ein Bewertungssystem. "Dort ist es schwer, die Metallica-Cover-Band automatisiert vom Original zu unterscheiden", sagt er.
Seit drei Wochen gibt es Semsix, inzwischen hat die Seite 1000 bis 2000 Besucher am Tag. Die Funktionalität hat sie überzeugt, sie stören sich offenbar nicht am altmodischen Layout. Neongrüne Schrift auf schwarzem Grund, das erinnert eher an die Matrix-Trilogie oder Musik-Player längst vergangener Tage. Bei Semsix waren eben Programmierer am Werk, keine Designer.
Erste Ideen, wie sie ihre Suchmaschine weiterentwickeln können, haben Ingo Schock und Martin Jakobus bereits. Eine Verbindung mit dem sozialen Netzwerk Last.fm sei ebenso denkbar wie die Möglichkeit, persönliche Playlists online zu speichern. "Doch wer weiß, wie viel Zeit wir im nächsten Semester dafür haben werden", sagt der Student Schock.
Zurzeit ist Semsix ein konkurrenzloses Nischenprodukt. Selbst die Beta-Version der Musik-Suchmaschine Music vom mächtigen Mitbewerber Yahoo kann technisch nicht mithalten. Doch die beiden Stuttgarter wissen: Passen Last.fm und andere Netzwerke ihre Funktionen an, wird es ihre Suchmaschine schwer haben. Zudem kursieren im Internet die ersten Spekulationen, das schwedische Start-Up Spotify öffne sein Portal noch in diesem Jahr dem deutschen Markt. Spotify verfügt über die Titel aller großen Major-Labels und unzähliger kleinerer Plattenfirmen, ständig wird das Repertoire erweitert. Die Streaming-Software ermöglicht es, kostenlos und blitzschnell auf beliebige Songs oder ganze Alben in voller Länge zuzugreifen. Eine Idee, in der viele Experten die Zukunft der digitalen Musik sehen: Nicht downloaden, sondern streamen.
Herunterladen können die Suchenden die gehörten Songs übrigens auch auf Semsix nicht. Dadurch machen sich nach dem heutigen Rechtsstand weder Martin Jakobus und Ingo Schock noch die Nutzer ihrer Suchmaschine strafbar. Eine rechtliche Absicherung? “Haben wir nicht wirklich", gesteht Schock – ein befreundeter Anwalt hat ihre Geschäftsidee als rechtmäßig eingestuft. Die Daten der Songs liegen nicht auf ihrem Server, sondern auf denen von YouTube, Vimeo und Co. Das reichte den beiden Medieninformatikstudenten als Sicherheit.
Bis heute haben sich die Vertreter der Musikindustrie nicht bei ihnen gemeldet. Beschwert hat sich lediglich ein Videoportal – weil Semsix es noch nicht als Quelle genutzt hat.
- Datum 07.09.2009 - 12:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 4
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"20-sekündigen Zumutungen wie etwa auf Amazon"
Die Schnipsel sind 30 (dreißig) Sekunden lang.
Eine geniale Suchmaschine - oder Player - oder wie immer man es benamsen will. Ob das Design ein wenig altbacken ist, ist mir wurschtegal. Ich möchte Musik hören und da sind mir Bildschirmspielereien völlig egal. Auch die Kritik, unbekannte Titel und Interpreten finde Semsix nicht, ist relativ. Das mag für wirkliche Exoten zutreffen, aber wenn das Ding satte 13 Alben von Wishbone Ash findet - auch nicht gerade Mainstream - dann darf man die Trefferqualität als gut bezeichnen. Ich bin jedenfalls begeistert und gratuliere den Studenten zu ihrer Leistung!
Quantität ist nicht das einzige Problem von semsix. Wenn man einem exakten Titel sucht, bekommt man oft zig Angebote von youtube, bei denen oft nicht erkennbar ist, daß es sich um Handy-Mitschnitte aus Konzerten mit der üblichen miserablen Qualität handelt. Das ist ärgerlich, weil das Tool ja eigentlich etwas anderes verspricht. Was hilft es, wenn nich nach einem bekannten Track suche und dann als Suchergebnis zig Mal diesen Track aus verschiedenen Quellen bekomme und ich dann mindestens fünf Mal das Lied starten muß, bis ich es in vernünftiger Qualität erwische?
Hallo! Per Zufall bin ich auf die Musik-Suchmaschine Semsix gestoßen und habe die ausgiebig getestet. Zuerst habe ich mir viele Interessante Künstler und Band auf http://rock.ednetz.de zusammengesucht und thematisch geordnet. Im zweiten Schritt habe ich mir mit Hilfe von Youtube-Kanälen die grobe Liste verfeinert und im dritten Schritt mir eine Playlist in Semsix zusammengestellt.
Mein Fazit:
Es ist wirklich gut, wenn man im Vorfeld ein bißchen recherchiert.
Leider muss in dem Kommentar drüber recht geben, dass viele Titel eine sehr schlechte Qualität haben.
Aber insgesamt: Daumen hoch
lg Sebastian
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