Rassismus: NPD will mit ausländerfeindlicher Hetze punkten
Als "Quotenneger" beschimpft die NPD in Thüringen den CDU-Politiker Zeca Schall - und setzt damit im Landtagswahlkampf auf fremdenfeindliche Tendenzen in der Bevölkerung
Wenn von Paris bis New York über den Landtagswahlkampf in Thüringen berichtet wird, ist das kein gutes Zeichen. Und tatsächlich berichten der Fernsehsender CNN, die Tageszeitungen New York Times und Le Monde weniger über den Wahlkampf in einem kleinen Bundesland als vielmehr über Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland. Auslöser ist eine Hetzkampagne der rechtsradikalen NPD gegen den CDU-Politiker Zeca Schall.
NPD-Politiker hatten den aus Angola stammenden Wahlkampfhelfer der Thüringen-CDU als "Quotenneger" beschimpft und ihn aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Einen Aufmarsch der Neonazis vor dem Haus des 45-Jährigen konnten die Behörden verhindern. NPD-Anhänger erhielten von der Polizei mehrere Platzverweise, darunter war auch der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt. Zeca Schall, der seit mehr als 20 Jahren in Thüringen lebt und seit 2004 Deutscher ist, steht mittlerweile unter Polizeischutz.
Die in Thüringen und auf Bundesebene angeschlagene NPD, die kurz vor der finanziellen Pleite steht, scheint aus dem Thema politisches Kapital schlagen zu wollen. Sie setzt auf rassistische Ressentiments, die in ostdeutschen Bundesländern durchschnittlich stärker ausgeprägt sind als im Westen: In einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr ermittelten Forscher der Universität Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die rechtsextremistische Einstellung der Deutschen. In Ostdeutschland zeigte sich, dass 32,6 Prozent der Befragten als ausländerfeindlich einzustufen sind, im Westen waren es 18,2 Prozent.
In Ostdeutschland machen die Rechtsextremen mit der Angst vor Ausländern seit Jahren Wahlkampf. Allerdings stellten sich erst dann Erfolge ein, als sie diese Überfremdungskampagnen in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre programmatisch mit sozialen Problemen zusammenführten, stellte der Wissenschaftler Richard Stöss im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung fest.
Seine Ergebnisse veröffentlichte er in der Studie "Rechtsextremismus im Wandel", die 2007 erschien. "In Ostdeutschland sind Arbeitslose und Rentner besonders anfällig: Jeweils ein Drittel dieser Gruppen neigt zu rechtsextremistischem Gedankengut", schreibt Stöss.
Seit der Wende stiegen demnach im Osten Deutschlands Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus stetig an, seit 1998 sind beide in den neuen Bundesländern stärker ausgeprägt als im Westen. Mehrfach erzielten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge. Zuletzt zog die NPD in die Landtage von Mecklenburg-Vorpommern (2006) und Sachsen (2004) ein.





Den Gefallen wird der couragierte Thüringer den Neonazis aber nicht tun.
Und das ist gut so. Weiter so, Herr Schall. Gegen Dummheitkann man leider nicht viel machen, ist oft angeboren.
In Ostdeutschland zeigte sich, dass 32,6 Prozent der Befragten als ausländerfeindlich einzustufen sind
Jeweils ein Drittel dieser Gruppen neigt zu rechtsextremistischem Gedankengut
Wenn der Durchschnitt bei 32,6 liegt, dann sind 33,3% "besonders anfällig"? Das wäre statistisch wohl nur möglich, wenn Ostdeutschland ganz überwiegend aus Rentnern und Arbeitslosen bestünde. Ähem.
Man könnte es aber auch so lesen, dass bei Rentern und Arbeitslosen die Zahlen höher und bei anderen niedriger sind. Wie gesagt: könnte. Aber wollen wir ja nicht ;)
Man könnte es aber auch so lesen, dass bei Rentern und Arbeitslosen die Zahlen höher und bei anderen niedriger sind. Wie gesagt: könnte. Aber wollen wir ja nicht ;)
Die Wahlplakate mit seinem Konterfei werden hingegen bald nicht mehr zu sehen sein. Die CDU hat bereits begonnen, die Werbewände abzuhängen.
Der Austausch der Plakate sei lange geplant und habe mit den Anfeindungen der NPD nichts zu tun, sagte CDU-Sprecher Senebald.
Gerade wegen der Anfeindungen der NPD bzw. um der NPD nicht das Gefühl eines Triumphs zu geben wäre es wohl besser gewesen die Plakate weiter hängen zu lassen.
bin ich der Meinung, dass die CDU pünktlich zu den bevorstehenden Wahlen dieses Thema ausnutzt, um sich zu bereichern und Wählerstimmen zu gewinnen. Denn die Zustimmung der breiten Bevölkerung gegen Rassismus (was auch gut so ist) kommmt der CDU anscheinend ziemlich zu Gute. Und dass, obwohl sie nichts für Menschenrechte tut, weder außenpolitisch (Zustimmung, dass USA Irak angreift) noch innenpolitisch (Onlinedurchsuchung, biometrischer Reisepass).
Da hat sich eindeutig der schwarze Wolf in das schwarze Schaf verwandelt. Auf Kosten der Ostdeutschen und auf Kosten des Ansehens Deutschlands im Ausland natürlich. Das wird dann einfach wie immer auf die NPD abgeschoben oder auf allgemeine Aussagen wie : "Ossies sind rechtsradikal" und schon sind die Verantwortlichen fein raus. Natürlich muss man auch zugeben, dass die Dummheit der NPD und Konsortien der CDU in die Hände gespielt hat.
So wird Wahlkampf betrieben in Dtl., sehr traurig.
wozu weist der artikel auf die groessere tendenz/ den tatsaechlichen (statistischen) hang der ostdeutschen zum fremdenhass in ostdeutschland hin?
das tut mE hier gar nichts zur sache, da man der npd ein kalkuel unterstellen muesste zu dem sie intellektuell gar nicht in der lage ist.
da tritt ein "schwarzer" an - das reicht denen. ob der nun in bayern oder thueringen oder fuer die linke, spd oder doch fuer die cdu antritt, ist doch egal - er passt nichts ins weltbild der npd.
die besagt studie attestiert "westdeutschen" uebrigens einen deutlich groesseren hass gegen juden als bei "ostdeutschen"...nur mal so nebenbei ;)
Ich frage mich ja wo Ausländerfeindlichkeit anfängt. Ist es ausländerfeindlich zu sagen "Der ist nicht in unserem schönen Land geboren, wählt den nicht!", "Geh zurück wo Du herkommst, Du hast hier nichts zu suchen!"? Wenn ja, braucht sich die CDU nicht zu beschweren. Das ist genau das was die Junge Union mit ihrem Vergleich zwischen einem Thüringer Würstchen und dem LINKEN Kandidat Ramelow, echter Thüringer, kein echter Thüringer, gemacht hat. Wenn man sich das mal genau betrachtet ist die Schiene, die die JU hier gefahren ist, vielleicht sogar einen tacken härter als das was ich bisher von der NPD gehört habe. Richtung Entmenschlichung, da Ramelow ja offensichtlich weniger Wert ist als ein Würstchen. Vielleicht nicht die Intension der JU Wahlkämpfer aber wer weiß. Mich wundert es ein wenig das über diese "Ausländerfeindlichkeit" nicht berichtet wird. Immerhin hat die JU um einiges mehr Mitglieder als die NPD, die "Ausländerfeindlchkeit" wird also von einer größeren Organisation getragen.
Ich möchte hier nicht das rechtsradikale Problem kleinreden. Die Aktionen der NPD sind verachtenswert. Aber in meinen Augen auch die der JU. Leider wird das trotzdem wenig beachtet. Außerdem möchte ich auch nicht sagen, Herr Schall hätte diese Hetze durch seine Mitgliedschaft in der CDU verdient. Das hat niemand.
PS Ausländerfeindlich wurde teilweise in Anführungszeichen geschrieben, falls jemand die Frage mit "nein" beantwortet hat.
@Die in Thüringen und auf Bundesebene angeschlagene NPD, die kurz vor der finanziellen Pleite steht, scheint aus dem Thema politisches Kapital schlagen zu wollen. Sie setzt auf rassistische Ressentiments, die in ostdeutschen Bundesländern durchschnittlich stärker ausgeprägt sind als im Westen: In einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr ermittelten Forscher der Universität Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die rechtsextremistische Einstellung der Deutschen. In Ostdeutschland zeigte sich, dass 32,6 Prozent der Befragten als ausländerfeindlich einzustufen sind, im Westen waren es 18,2 Prozent.
Interessant, wenn man sich ansieht, ab wann man in Studien wie diesen als rechtsextrem eingestuft wird. Da reicht bereits das Ankreuzen der Rubrik "teils, teils", wenn man nach seiner Zustimmung zur Aussage "Deutschland sollte wieder zu einem stärkeren Nationalgefühl finden" bzw. "Viele Ausländer kommen nur, um das hiesige Sozialsystem zu mißbrauchen" gefragt wird, um in den Ruch des Rechtsextremismus oder der Fremdenfeindlichkeit zu kommen. Kann es sein, daß hier das Abweichen von der eigenen (linken) Weltanschauung als Rechtsextremismus interpretiert wird? So weit zum Thema Objektivität dieser Studien.
@Seine Ergebnisse veröffentlichte er in der Studie "Rechtsextremismus im Wandel", die 2007 erschien. "In Ostdeutschland sind Arbeitslose und Rentner besonders anfällig: Jeweils ein Drittel dieser Gruppen neigt zu rechtsextremistischem Gedankengut", schreibt Stöss.
Siehe oben. Wenn man Studien verfaßt, die nicht analysieren, sondern eine vorgefaßte Meinung untemauern sollen, wird man auch die gewünschten Ergebnisse bekommen.
@Seit der Wende stiegen demnach im Osten Deutschlands Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus stetig an, seit 1998 sind beide in den neuen Bundesländern stärker ausgeprägt als im Westen.
Solche Behauptungen beruhen auf Studien wie oben zitiert, die Studien auf einem vorgefaßten Weltbild. Daraus ist zu ermessen, auf welch schwankendem Boden sich beide befinden. Also eine Gemengelage aus Meinungen, Vorurteilen, diffamierenden Intentionen und unbelegten Dauervorwürfen. Journalismus in Deutschland.
@Mehrfach erzielten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge. Zuletzt zog die NPD in die Landtage von Mecklenburg-Vorpommern (2006) und Sachsen (2004) ein.
Die zweistelligen Wahlergebnisse der Republikaner bei Landtagswahlen bzw. die Erfolge der DVU in Bremen und der letzte große Coup einer "populistischen" Bewegung wie der "Schill-Partei", die aus dem Stand auf fast 20 % kamen, haben wir schon aus dem Gedächtnis gestrichen?
@Die zweistelligen Wahlergebnisse der Republikaner bei Landtagswahlen bzw. die Erfolge der DVU in Bremen und der letzte große Coup einer "populistischen" Bewegung wie der "Schill-Partei", die aus dem Stand auf fast 20 % kamen, haben wir schon aus dem Gedächtnis gestrichen?
Gemeint sind die zweistelligen Wahlergebnisse im westlichen Bundesland Baden-Württemberg. Die Schill-Partei reüssierte bekanntlich im (westlichen) Stadtstaat Hamburg.
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