Die Nummer sieben ist es. Johann Doppelhofer ist sich sehr sicher. Er steht neben einer langen Tischreihe, auf der weiße Styroporbecher aufgereiht sind. Alle sind mit einem Deckel blickdicht verschlossen, alle sind leer. Außer einem, da ist Wasser drin. Und zwar in Nummer sieben. Schließlich haben die beiden Drähte in Doppelhofers Händen genau dort ausgeschlagen. Und das Pendel ebenso.

Okay, sagt Rainer Wolf und schreibt die Zahl ins Protokoll. Der Wahrnehmungsforscher ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Einmal im Jahr organisiert sein Verein einen Test, bei dem Menschen wie Herr Doppelhofer ihre besonderen Fähigkeiten beweisen können. Wer den Test besteht, bekommt 10.000 Euro. Manche wollen verborgene Edelmetalle mithilfe von Wünschelruten finden, andere glauben auf Fotografien zu erkennen, welche Person gesund ist und welche Krebs hat. Doppelhofer sagt, er könne erspüren, in welchem Gefäß sich Wasser befindet und in welchem nicht.

Um diese Fähigkeit unter wissenschaftlichen Bedingungen zu demonstrieren, hat sich der 56-Jährige heute morgen ins Auto gesetzt und ist von Ehnigen bei Stuttgart nach Würzburg gefahren. Hier im Biozentrum der Uni, im Seminarraum A106, will er die Skeptiker überzeugen.

Sieben Tischreihen, überzogen mit grauem Plastik, erstrecken sich durch den großen Raum. An der Decke hängen dicke Lüftungsrohre, blau und blasslila gestrichen. Hier und da kommen Kupferrohre von oben, die mit den Wasserhähnen auf den Tischen verbunden sind. Manche Testteilnehmer stört das viele Metall. Sie suchen dann beispielsweise mit ihrer Wünschelrute den Teil des Raumes, in dem die "Störfelder" weniger stark sind. "Kein Problem, die Kandidaten sind Könige und könnten sich aussuchen, wo sie den Test machen wollen", sagt Wolf. Johann Doppelhofer stört das Metall nicht. "Von mir aus kann's losgehen", sagt der Mann mit dem grauen Dreitagebart und der gemütlichen Statur.

Insgesamt 13 Mal soll er die Tische abschreiten und das wassergefüllte Gefäß finden. Wenn er in sieben Fällen richtig liegt, ist das ein deutlich Hinweis darauf, dass es sich bei seiner berührungslosen Detektion von Wasser wirklich um eine Fähigkeit handelt, und nicht um Zufallstreffer. Schafft er zu einem späteren Termin noch einmal zehn aus 18, ist seine Fertigkeit nach den GWUP-Regeln erwiesen und er bekäme das Preisgeld. Bis jetzt hat das noch keiner der knapp 30 Kandidaten geschafft.

Wie jeder, der hier antritt, ist auch Doppelhofer guter Dinge, dass er den Test besteht. Vorhin, als die Gefäße unverschlossen auf dem Tisch standen, hatte seine Methode tadellos funktioniert. Deshalb geht er auch jetzt zuversichtlich an den Tischen entlang. Bevor er Draht und Pendel einsetzt, führt zunächst seinen "Wasservitalisierer" in dichtem Abstand an den Bechern vorbei – aus gutem Grund, wie Doppelhofer findet. "Normales Quellwasser hat eine rechtsdrehende Molekülstruktur", erklärt er seine Theorie. Das bedeutet: Wenn er daneben ein Pendel schwingen lässt, dauert es nicht lange und das kleine Gewicht an der dünnen Kette macht eine kreisende Bewegung, rechtsherum. "Wasser aus dem Hahn ist aber linksdrehend, das kommt durch den Druck in der der Leitung." Es genügten schon 500 Meter bei 3 bar, dann würde die Orientierung umgekehrt, das Pendel also linksherum kreisen.

Auch das Würzburger Trinkwassernetz liefert nur linksdrehendes Nass, wie er zuvor am Waschbecken demonstriert hatte. Weil er das nicht erspüren kann, muss Doppelhofer also das Testwasser mit dem Vitalisierer wieder rechtsdrehend machen. Und weil er nicht weiß, in welchem Becher die Flüssigkeit ist, geht er an allen Gefäßen vorüber. Ist doch logisch.

Anschließend nimmt er zwei rechtwinklig gebogene Schweißdrähte, einen in jede Hand. Das kurze Ende steckt in der angedeuteten Faust, das lange Ende pendelt über dem dritten Glied des Zeigefingers. "Mit Wünschelruten arbeite ich nicht, die haben eine Vorspannung", erläutert Doppelhofer. "Der Schweißdraht kann sich frei bewegen."

Während er ruhig die Tischreihe entlang schreitet, ragen die beiden Drähte nach vorn. Als er den sechsten Becher passiert, drehen sich plötzlich die beiden Drähte nach innen. "Pling", macht es als sie aneinander stoßen. Doppelhofer geht wieder zurück, die Drähte machen auf. Wieder vorwärts, wieder "pling". Der Mann lächelt und holt das Pendel hervor.