H1N1 Schweinegrippe erreicht die Ureinwohner PerusSeite 2/2
Wie Fernando Perez von der peruanischen Gesundheitsbehörde in Cusco mitteilte, haben sich sieben Ureinwohner der Gruppe Matsigenka mit dem neuartigen Grippevirus angesteckt. Sie seien aber bereits auf dem Wege der Genesung. "Uns ist kein weiterer Ansteckungsfall in der Gemeinschaft bekannt", fügte Perez hinzu. Die Gesundheitsbehörden überwachen die indigenen Gemeinden im Amazonasgebiet nach eigenen Angaben engmaschig. So seien auch die Fälle der Matsigenka bekannt geworden.
Die Matsigenka haben regen Kontakt zur weißen und mestizischen Bevölkerung und reisen regelmäßig in die nahe gelegenen Städte. In Peru, wo knapp 29 Millionen Menschen leben, starben bislang nach offiziellen Angaben 45 an der Schweinegrippe, 5743 Infektionen wurden registriert.
Der Anthropologe und Matsigenka-Spezialist Glenn Shepard vom College of William & Mary im US-Bundesstaat Virginia bezeichnete das Auftauchen der Amerikagrippe unter den Matsigenka als "besonders besorgniserregend, da sie in engem Kontakt zu anderen unkontaktierten Indigenen stehen". Die Nicht-Regierungsorganisation Survival International warnte vor einer verheerenden Ansteckungswelle unter indigenen Völkern, da diese keine Immunität gegen eingeschleppte Krankheiten besäßen, in Armut lebten und insgesamt eine starke Anfälligkeit für chronische Krankheiten aufwiesen, wie Diabetes und Herzkrankheiten.
Wie die Organisation berichtet, seien in Australien vermehrt Aborigines an der Schweinegrippe gestorben. In Kanada weisen First-Nation-Gemeinschaften in Manitoba eine Ansteckungsrate von 130 Menschen unter 100.000 auf, im Gegensatz zu 24 Fällen auf 100.000 Personen der übrigen Bevölkerung.
Die Epidemie brachte die Defizite der Gesundheitsfürsorge in Lateinamerika ans Tageslicht, wo Millionen von Menschen unter unhygienischen Bedingungen leben und keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben.
Im Schatten der Schweinegrippe stehen noch viel gefährlichere Krankheiten wie Dengue, Chagas, Gelbfieber und Malaria. Sie werden durch Insekten übertragen, die ihren Lebensraum im Zuge des Klimawandels stetig erweitern. So galt das von einer Stechmücke übertragene Dengue-Fieber früher als Tropenkrankheit, inzwischen gibt es auch Fälle in Regionen wie der argentinische Hauptstadt Buenos Aires, wo eher mediterranes Klima herrscht, oder der Wüste Mexikos, wo die Nächte klirrend kalt sind.
Gelbfieber galt im Süden Lateinamerikas als ausgerottet – bis 2008 eine Epidemie Paraguay, Argentinien und Brasilien erschütterte. Weder gegen Dengue noch gegen Chagas oder Malaria gibt es bislang einen wirksamen Impfstoff, der in den betroffenen Ländern großflächig eingesetzt werden könnte.
- Datum 17.08.2009 - 16:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dal
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