"Wir haben auch über die traurigen Nachrichten aus Tschetschenien gesprochen, sagte die Kanzlerin in Sotschi. Die Morde an Menschenrechtlern kamen erst am Ende ihres Eingangs-Statements vor. Und sie schob sofort nach, dass sie ja wisse, dass die Menschenrechte dem Präsidenten Medwedjew ein Herzensanliegen seien. Allerdings müssten nun auch Taten folgen und die Mörder zur Rechenschaft gezogen werden.

Medwedjew sprach den Angehörigen der Ermordeten sein "tiefes Beileid“ aus – Putin hätte so nicht gesprochen. Er sprach von einer "Reihe politischer Morde“, die das Ziel hätten, "den Kaukasus zu destabilisieren“. Er sagte auch, dies sei eine Herausforderung für den tschetschenischen Präsidenten – deutlicher politischer Druck auf den Machthaber Kadyrow.

Und dann ging es vor allem um die Wirtschaft – um Magnas Opel-Engagement und den Kauf der Wadan-Werft durch einen russischen Investor. Medwedjew sprach offen von der "schlechten Struktur“ der russischen Wirtschaft, durch die man in der Krise schwer erwischt worden sei. Jetzt müsse man investieren in Hochtechnologie, um aus der Schieflage der Wirtschaftstruktur herauszukommen – daher das Interesse an Opel, Wadan, und vielleicht auch Infineon/Qimonda. Russland als Retter der deutschen Industrie, Deutschland als Ausweg für Russlands energieabhängige Wirtschaft.

Welch anderer Ton gegenüber Merkels erstem Besuch hier am Schwarzen Meer – vor genau einem Jahr!

Als die Bundeskanzlerin damals nach Sotschi kam, stand der Besuch ganz im Zeichen des Georgienkriegs, und entsprechend kühl fiel die Begegnung Merkels mit dem neuen russischen Präsidenten Medwedjew aus.

Eine geplante Besichtigung der Olympiastätten, die in dem Urlaubsort bereits sechs Jahre vor den Spielen aus dem Boden zu sprießen begannen, wurde demonstrativ abgesagt. Zu freundschaftlichen PR-Touren gab es auch wahrlich keinen Anlass.