Wahl in Afghanistan Regierung zwingt Medien zur Zensur

Kurz vor der Wahl greift die afghanische Regierung zu drastischen Maßnahmen: Per Dekret wurde Journalisten verboten, am Wahltag über Anschläge zu berichten

Um trotz der vielen Anschläge kurz vor der Wahl  möglichst viele Menschen zur Stimmabgabe zu bewegen, erließ Präsident Hamid Karsai zwei Dekrete. Ein Sprecher des Karsais sagte zur Begründung: "Diese Entscheidung wird den negativen Einfluss der Medien kontrollieren. Wenn etwas passiert, wird dadurch verhindert, dass sie dies übertrieben darstellen", sagte er.

Konkret wurden zwei Dekrete erlassen. Das Außenministerium erklärte, die Inlands- und Auslandspresse solle am 20. August zwischen sechs Uhr morgens und acht Uhr abends nicht über Gewaltvorfälle berichten. Das Innenministerium wies die Massenmedien an, sich von Tatorten fernzuhalten.

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Der Vorsitzende des Verbands unabhängiger afghanischer Journalisten (AIJA), Rahimullah Samander, protestierte entschieden gegen die Dekrete. Weder afghanische noch ausländische Journalisten würden sich davon abhalten lassen, der Öffentlichkeit während der entscheidenden Phase der Wahl Informationen zukommen zu lassen. "Wir verurteilen solche Schritte, die verhindern, dass die Öffentlichkeit Zugang zu Nachrichten hat."

An diesem Donnerstag sind rund 17 Millionen Afghanen aufgerufen, über die Zukunft ihres Landes zu bestimmen. Der "Tag des Friedens", wie ihn die Regierung ausgerufen hat, droht jedoch ein Tag des Terrors zu werden – zumindest wenn es nach dem Willen der radikal-islamischen Taliban geht.

Die Taliban, die zum Wahlboykott aufgerufen haben, versuchen mittels Bombenanschlägen, eine geordnete Abstimmung zu unterbinden und die Bevölkerung zu verunsichern. Auf Flugblättern fordert die radikalislamische Organisation alle Bürger auf, der Wahl fernzubleiben. Diese Drohungen könnten Wirkung zeigen: Jedes zehnte Wahllokal soll sogar aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben.

Seit Wochen verschlechtert sich die Sicherheitslage: Anschläge erschüttern das Land. Am Dienstag traf es die Hauptstadt Kabul: Bei einem Selbstmordanschlag wurden mindestens sieben Menschen, darunter Nato-Soldaten und UN-Mitarbeiter, in den Tod gerissen, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto neben einem ausländischen Militärkonvoi explodierte. 52 Menschen wurden verletzt, die meisten davon Zivilisten.

Leser-Kommentare
  1. Reporter/Journalisten einreden zu wollen darüber nicht zu berichten ist schlicht ein schlechter Witz.

    Nach Einschätzung des Kommandeurs der Internationalen Schutztruppe Isaf sind die Taliban so stark wie nie, sagt der, der jahrlang als Verantwortlicher von "verdeckten Operation" an solchen Orte wie Abu Grahib, Bagram und Gitmo Erfahrung sammeln konnte. Dann muss es wohl stimmen. Und wenn Obama bei einer Rede vor Kriegsveteranen in Phoenix sagt, der Krieg sei es wert, geführt zu werden, stimmt das eben auch, für die Rüstungsindustrie!

    Anstatt endlich auf die Bedürfnisse der Minderheiten im "Vielvölkerstaat" Afghanistan einzugehen und deren ambivalente Haltung gegeüber der NATO transparenter darzustellen, z.B. die Tatsache das die Hazara vollkommen immun gegen die Taliban Propaganda sind, das die Taliban den Norden um Kunduz und Mazar-Sharif nur durch bezahlte Kommandos erobern, verplempern wir Energien in einem Kampf im Süden, wo sich die Taliban natürlich dem direkten Kampf entziehen und dann logischerweise mit Anschlägen in Städten wie Kabul für Aufmerksamkeit sorgen.

  2. Würde niemand über Terroranschläge mehr berichten, würde es sie vielleicht bald nicht mehr geben. Immerhin ist es ja die Absicht dieser Mörderbanden Angst und Schrecken zu verbreiten. Aber mit irgendwas muss man ja das Sommerloch füllen, die westlichen Medien sollten mal lieber darüber berichten, welch Massenmorde unsere ach so zivilisierte Welt in Afrika begeht, dagegen wirken die Anschläge von Al Quaida lächerlich.

    • HBogon
    • 18.08.2009 um 23:29 Uhr

    Regierung zwingt Medien zur Zensur

    Sakra, das ist dort ja schon wie bei uns!

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