Wahlkampf-Reporter (9) Kein Bock auf Demokratie an der BördeSeite 3/3

Bärbel Kuch, Leiterin der Verwaltungsgemeinschaft Obere Aller

Merkwürdig ist auch das Treffen anschließend mit einer Schulleiterin. Reflektiert und durchaus kritisch erzählt sie vom Bildungsauftrag in DDR und BRD, von Autoritätsgläubigkeit und versagenden Eliten. Das Seltsame ist: Die Rektorin möchte partout nicht zitiert werden. Dazu bräuchte man die Genehmigung der Schulbehörde. Dann holen wir die ein? Ach, antwortet sie, das dauere ewig. Selbst die kluge Rektorin also versteckt sich hinter einer fremden Autorität. Über die sie insgeheim ganz ordentlich lästert.

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Sechzig Kilometer östlich von Eilsleben liegt das Städtchen Burg. Hier erhängte sich vor ein paar Jahren der Bürgermeister, Hintergrund war möglicherweise ein Korruptionsfall. Der Wahlkreisleiter hat hier seinen Sitz. Lutz-Georg Berkling kam aus dem Rheinland nach Sachsen-Anhalt. Er hat Verständnis für die Politikverdrossenheit. Teilweise werde der Bevölkerung Demokratie "vorgegaukelt", sagt er. Bei der Gebietsreform hätten viele Gemeinden gegen eine Fusion gestimmt. Letztlich sei dieses Votum aber nur dann bindend, wenn das herauskommt, was die Politiker in der Otto-Stadt sich wünschen.

Demnächst: Dunkelroter Wahlkreis: Warum die Linkspartei in Berlin Marzahn-Hellersdorf mehr Menschen erreicht als jede andere Partei.

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Leser-Kommentare
  1. Lieber Schreiberling,

    was ist denn bitte die Anhaltiner Bevölkerung?
    Vielleicht sollten Sie sich mal schlau machen über die Unterschiede von Anhaltiner und Anhalter. Da gibt es nämlich gravierende.

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    Das Gebiet heißt Anhalt, die Bewohner Anhalter (nicht Anhaltiner), und das Adjektiv lautet anhaltisch (nicht anhaltinisch).

    Der Irrtum erklärt sich wie folgt: Über die lateinische Version Anhaltinus wurde das Wort unrichtig mit "in" zurückverdeutscht.

    Das Gebiet heißt Anhalt, die Bewohner Anhalter (nicht Anhaltiner), und das Adjektiv lautet anhaltisch (nicht anhaltinisch).

    Der Irrtum erklärt sich wie folgt: Über die lateinische Version Anhaltinus wurde das Wort unrichtig mit "in" zurückverdeutscht.

  2. Vielleicht sind die Menschen, die sich vom politischen System in D verabschiedet haben ja die Schlauen!

    Ich empfehle das Buch "Volksparteien ohne Volk".

    Da werden die Demokratiedefizite fundiert dargelegt.

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    • N128
    • 16.08.2009 um 21:51 Uhr

    In meinem Freundeskreis geht bedauerlicherweise keiner mehr wählen. Begründung: die Wahlen bieten keine die Möglichkeit, das System grundsätzlich abzuwählen. Es gibt keine Möglichkeit der Umgestaltung!
    Und das sagen etablierte Vollakademiker.
    Da kommt auf Taubenfüßen ein ganz großes Problem auf uns zu. In vielen Gesprächen wird die Legitimität der parlamentarischen Demokratie von Grund auf angezweifelt. Es werden nicht mehr, wie früher, politische Eliten und Parteien kritisiert, sondern der Konsens des Gesellschaftsvertrages in Frage gestellt.

    • N128
    • 16.08.2009 um 21:51 Uhr

    In meinem Freundeskreis geht bedauerlicherweise keiner mehr wählen. Begründung: die Wahlen bieten keine die Möglichkeit, das System grundsätzlich abzuwählen. Es gibt keine Möglichkeit der Umgestaltung!
    Und das sagen etablierte Vollakademiker.
    Da kommt auf Taubenfüßen ein ganz großes Problem auf uns zu. In vielen Gesprächen wird die Legitimität der parlamentarischen Demokratie von Grund auf angezweifelt. Es werden nicht mehr, wie früher, politische Eliten und Parteien kritisiert, sondern der Konsens des Gesellschaftsvertrages in Frage gestellt.

  3. wie merkwürdig, dass in der befreundeten Landeshauptstadt München immer noch an exponierter Stelle ein Denkmal des Grafen Tilly bestaunt werden kann, der Magdeburg im Dreissigjährigen Krieg in einer Art und Weise dem Erdboden gleichmachen liess, deren Schilderung noch 150 Jahre später lähmendes Entsetzen hervorrief (siehe Schillers "Geschichte des Dreissigjährigen Krieges"), die gängige Darstellung des Teufels mit Jägerhut und Hahnenfeder inspirierte (Tillys Markenzeichen) und die Einwohnerzahl Magdeburgs stärker dezimierte als die Luftangriffe der US Air force. Wie wäre es mit einer Überführung dieses Denkmals nach Magdeburg mit anschliessender Abstimmung darüber, was mit dem Ding geschehen sollte?

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    Ich habe mich auch schon gewundert, warum man so einem Kriegsverbrecher noch dieses herausragende Denkmal gewidmet hat.... Na ja, Magdeburg ist seitdem bedeutungslos, daran ändert auch der Status Landeshauptstadt und der Zusatz Otto-Stadt nichts. Nur mit Namedropping ist da nicht geholfen...

    Ich habe mich auch schon gewundert, warum man so einem Kriegsverbrecher noch dieses herausragende Denkmal gewidmet hat.... Na ja, Magdeburg ist seitdem bedeutungslos, daran ändert auch der Status Landeshauptstadt und der Zusatz Otto-Stadt nichts. Nur mit Namedropping ist da nicht geholfen...

  4. Das Gebiet heißt Anhalt, die Bewohner Anhalter (nicht Anhaltiner), und das Adjektiv lautet anhaltisch (nicht anhaltinisch).

    Der Irrtum erklärt sich wie folgt: Über die lateinische Version Anhaltinus wurde das Wort unrichtig mit "in" zurückverdeutscht.

    • FA39MD
    • 16.08.2009 um 20:41 Uhr

    Die Politikverdrossenheit zeichnet sich in ganz Sachsen-Anhalt ab. Sicher hier und da weniger oder mehr. Doch das hat Gründe. Die Menschen sind wirklich enttäuscht. Denn der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt ist ein Tummelplatz für Absahner, Heuschrecken, Insolvenzverwalter und wirtschaftlicher Schein-Wohltäter und verkrachter Kleinfirmen, die alles andere im Sinn haben, als Menschen eine wirklich moralisch saubere Existens zu geben. Betrug und Scheinglanz. Viel Migration. Zumal die schläfrige Böhmer-Connection kaum wirklich etwas tut. Da werden Sonderprogramme teils heimlich durchgeszogen, um fremde Fachleute aus anderen Bundesländern rein zu locken - die Einheimischen und Älteren können in Hartz-IV verrecken.

    Ich, selbst waschechter Magdeburger, wundere mich zwar auch über diese Bestrebungen des Zusatzes Otto-Stadt. Aber dies verbindet sich auch mit einer legendären Geschichte und der Name Otto ist in mehrfacher Weise geschichtsträchtig. Magdeburg hat wie jede andere Stadt eine Geschichte. Ich habe nichts dagegen, wenn man auf diese Weise kulturelles Niveau gestalten möchte - und es auch sollte.

    Otto-v.Guericke demonstrierte 1656 in Magdeburg den Effekt des Vakuums durch zwei Halbkugeln (dm52cm), welche dann durch je 8 Pferde auseinander gezogen werden sollten. Diesen Namen trägt auch unsere Universität (ab1993), davor TU-Magdeburg.

    Ich muss selbst zugeben, mein früherer Stolz als Magdeburger ist seit der Wende bewusst verloren gegangen. Magdeburg war bis 1989 Kernzentrum des Schwermaschinenbaus. Namen wie SKET, SKL, Motoren, Komponenten, Großanlagen und Werkzeugmaschinen für die ganze Welt. Es gab schon zu DDR-Zeiten eine hervorragende Synergie und Zusammenarbeit mit Forschung und Entwicklung, insbesondere der damaligen TU. Viele Patente und Verfahrenstechniken wurden in Magdeburg entwickelt. Auch die Landwirtschaft im Umfeld war fester Bestandteil Magdeburger Identität und Forschung.

    Doch leider wurde Magdeburg und das heutige Sachsen-Anhalt komplett abgewickelt. Nach der Wende wurden fast alle Industriebetriebe durch Treuhandlösungen sinnlos zerstört. Seither wurden weitläufig 120.000 Menschen arbeitslos. Im Prinzip stand Magdeburg nach der Wende da wie 1945. Die Produkte und Patente aber, wie hochkomplexe Elektro- u.Industrietechnik und andere Produkte wurden durch "Westfirmen" einkassiert und den Magdeburgern wurde nur noch der Status McDonalds oder Aldi und Konsumtempel zuerkannt.(Das ist heute noch so) Schuld daran hatten die Oberen in Magdeburg selbst. Der wirtschaftliche Zerfall dieser Stadt geht bis in Umgebung von Sachsen-Anhalt.
    Der kostbare fettige aber fruchtbare "Bördeboden" wird zunehmends mit sinnlosen Kleinansiedlungen (Grüne-Wiese-Bebauung) der Natur entzogen. Die ehemaligen industriellen Großflächen der Innenstadt werden zwar nach neusten städtebaulichen Konzepten mit einer neuen Identität versehen, doch der Wegzug von über 50.000 Bewohnern, die geschäftliche Öde der Innenstädte und die zweifelhafte Neuausrichtung einer ehemaligen Wirtschaftsmetropole tut sich angesichts knapper Kassen sehr schwer. Und Streitpunkte über die Verteilung der Mittel gibt es genug - wie es auch genug fixe Ideen hier gibt.

    Das Magdeburg natürlich seine kulturelle Vergangenheit hervor gräbt (graben im wahrsten Sinne) ist verständlich. Ich selbst aber kann zu meiner Stadt nur sagen, andere Städte haben es in diesen Zeiten schwerer. (z.B. Dortmund, Düsseldorf, Duisburg - Wegfall Bergbau und Stahlindustrie) Und andere Städte sind mir mittlerweile sympathischer. Magdeburg ist ruhig geworden - fast wie in einem Dorf. Das bisschen neue Industrie am Stadtrand fällt kaum ins Gewicht. Der Wechsel zwischen Förderung und Pleiten oder Absahnen geht schnell hier. Auch poltitisch ist diese Stadt für mich eher bedeutungslos - einfach ohne Power...

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    Gut beschrieben. Nach Magdeburg (MD) zu kommen, kann manchmal echt deprimierend sein. Und 80% der Deutschen koennen mit der Stadt nichts anfangen? Kann ich mir gut vorstellen.
    Erst die Zerstoerung im Krieg, dann 40 Jahre Kommunismus und dann die "exzellente" Wirtschaftspolitik nach 89. Richtig schlimm ist aber auch die Abwanderung aus der Stadt und den kleineren Staedten in ganz SA. Da wurden Bevoelkerungszahlen teilweise halbiert. Tja, und uebrig bleiben die Aelteren, Hartz IV, und degenerierte Neonazis. In vielen Kleinstaedten steigt der Anteil der Maenner, weil die Maedels eine bessere Bildung haben und nach der Uni dann dahingehen, wo die Jobs sind.
    Es ist schon etwas krank, dass der Planet vor Menschen platzt aber Ostdeutschland, und vor allem Sachsen-Anhalt, Platz und Infrastruktur fuer dopplet so viel Leute hat. In MD muss die Kanalisation von Tankwagen durchgespuelt werden, weil sie fuer 100000 Menschen mehr ausgelegt ist. Unglaublich.
    Ich weiss, dass hoert sich alles nach rumjammern an aber ich beschreibe nur die Lage. Wie kann man einen solchen Trend zur Entvoelkerung wieder rueckgaengig machen? Falls jemand ein Rezept hat, mal bitte hier posten.

    Gut beschrieben. Nach Magdeburg (MD) zu kommen, kann manchmal echt deprimierend sein. Und 80% der Deutschen koennen mit der Stadt nichts anfangen? Kann ich mir gut vorstellen.
    Erst die Zerstoerung im Krieg, dann 40 Jahre Kommunismus und dann die "exzellente" Wirtschaftspolitik nach 89. Richtig schlimm ist aber auch die Abwanderung aus der Stadt und den kleineren Staedten in ganz SA. Da wurden Bevoelkerungszahlen teilweise halbiert. Tja, und uebrig bleiben die Aelteren, Hartz IV, und degenerierte Neonazis. In vielen Kleinstaedten steigt der Anteil der Maenner, weil die Maedels eine bessere Bildung haben und nach der Uni dann dahingehen, wo die Jobs sind.
    Es ist schon etwas krank, dass der Planet vor Menschen platzt aber Ostdeutschland, und vor allem Sachsen-Anhalt, Platz und Infrastruktur fuer dopplet so viel Leute hat. In MD muss die Kanalisation von Tankwagen durchgespuelt werden, weil sie fuer 100000 Menschen mehr ausgelegt ist. Unglaublich.
    Ich weiss, dass hoert sich alles nach rumjammern an aber ich beschreibe nur die Lage. Wie kann man einen solchen Trend zur Entvoelkerung wieder rueckgaengig machen? Falls jemand ein Rezept hat, mal bitte hier posten.

  5. Ich habe mich auch schon gewundert, warum man so einem Kriegsverbrecher noch dieses herausragende Denkmal gewidmet hat.... Na ja, Magdeburg ist seitdem bedeutungslos, daran ändert auch der Status Landeshauptstadt und der Zusatz Otto-Stadt nichts. Nur mit Namedropping ist da nicht geholfen...

    Antwort auf "Apropos Magdeburg - "
    • N128
    • 16.08.2009 um 21:51 Uhr

    In meinem Freundeskreis geht bedauerlicherweise keiner mehr wählen. Begründung: die Wahlen bieten keine die Möglichkeit, das System grundsätzlich abzuwählen. Es gibt keine Möglichkeit der Umgestaltung!
    Und das sagen etablierte Vollakademiker.
    Da kommt auf Taubenfüßen ein ganz großes Problem auf uns zu. In vielen Gesprächen wird die Legitimität der parlamentarischen Demokratie von Grund auf angezweifelt. Es werden nicht mehr, wie früher, politische Eliten und Parteien kritisiert, sondern der Konsens des Gesellschaftsvertrages in Frage gestellt.

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    • Chali
    • 17.08.2009 um 6:58 Uhr

    ... ist von ganz anderen nicht nur in Frage gestellt worden, sondern einseitig aufgekündigt worden. Nur, dass man uns das nicht mitgeteilt hat.

    Wenn etwa der Kasper, der im Dienstwagen des Ministers für die Finanz-Industrie (oder heisst es ... der Finanz-Industrie?) durch die Gegend gekarrt wird, von "wir" spricht, dann meint er damit ganz sicher nicht die, die er schon vorbereitend enteignet hat, sondern die, denen er den Profit daraus zukommen lassen möchte.
    (Der Genosse der Bosse, wie der Volksmund so richtig sagt.)

    Und daher ist es auch ganz logisch, dass die Wahlverdrossenheit da besonders gross ist, wo die die schöne neue Welt besonders deutlich zu Tage tritt: die der Abzocke einerseits und von HartzIV andererseits.

    Man möchte sich daran doch nicht mitschuldig machen!

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 17.08.2009 um 6:58 Uhr

    ... ist von ganz anderen nicht nur in Frage gestellt worden, sondern einseitig aufgekündigt worden. Nur, dass man uns das nicht mitgeteilt hat.

    Wenn etwa der Kasper, der im Dienstwagen des Ministers für die Finanz-Industrie (oder heisst es ... der Finanz-Industrie?) durch die Gegend gekarrt wird, von "wir" spricht, dann meint er damit ganz sicher nicht die, die er schon vorbereitend enteignet hat, sondern die, denen er den Profit daraus zukommen lassen möchte.
    (Der Genosse der Bosse, wie der Volksmund so richtig sagt.)

    Und daher ist es auch ganz logisch, dass die Wahlverdrossenheit da besonders gross ist, wo die die schöne neue Welt besonders deutlich zu Tage tritt: die der Abzocke einerseits und von HartzIV andererseits.

    Man möchte sich daran doch nicht mitschuldig machen!

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Alcedo
    • 16.08.2009 um 23:06 Uhr

    Wenn in dem Artikel auf die Zuckerrohrfelder der Magdeburger Börde verwiesen wird, dann hat sich der Autor wohl ein wenig nach Kuba versetzt gefühlt. Für Zuckerrohrfelder reicht es da jedenfalls (noch) nicht. Ein wenig exaktere Berichterstattung wäre schon wünschenswert - die Börde liegt ja nicht in den Weiten der Rußlands hinter dem Ural.

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    ... Zuckerrüben aber schon. Das hat der Autor auch so geschrieben.

    ... Zuckerrüben aber schon. Das hat der Autor auch so geschrieben.

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