Wohn-Riester Das Geschenk, das keiner will

Seit anderthalb Jahren dürfen Sparer Wohneigentum mithilfe von Riester-Verträgen finanzieren. Kaum jemand weiß, wie das funktioniert. Dabei hat das Modell viele Vorteile

In der Krise sind Immobilien gefragt. Mehr als acht von zehn Befragten halten derzeit die eigene Immobilie für die beste Form der Altersabsicherung, besagen Studien. Wohn-Riester müsste boomen. Doch weit gefehlt: Obwohl der Begriff seit Monaten immer wieder durch die Presse geistert, wissen viele nicht, was sich dahinter verbirgt, wie eine Anfang des Jahres vom FAZ-Institut und den LBS Landesbausparkassen durchgeführte Befragung zeigt.

Am 1. April 2008 verabschiedete der Bundestag das Gesetz zur Eigenheimrente, rückwirkend ab dem 1. Januar 2008 trat es in Kraft. Seither dürfen Riester-Sparer ihr Geld auch für den Bau, Kauf oder die Entschuldung einer selbst genutzten Immobilie verwenden – egal, wie hoch ihr Einkommen ist. Lediglich die grundsätzliche Riesterförderfähigkeit muss gegeben sein. Anspruch auf Riester-Zulagen haben vor allem sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Arbeitslose und Beamte.

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Doch selbst angehende Hauskäufer sind kaum über die Möglichkeit informiert, zu "riestern". Die LBS und das FAZ-Institut befragten 1000 repräsentativ ausgewählte Personen, die sich aufgrund der Krise für den Erwerb einer Immobilie interessierten. Nur knapp die Hälfte, 52 Prozent der Westdeutschen und 42 Prozent der Ostdeutschen, kannte das Produkt. Selbst wenn jemand angab, schon von der staatlichen Altersvorsorgeförderung für Wohn-Riesterer gehört zu haben, konnte er die Funktionsweise von Wohn-Riester nicht erklären. 

Die Unwissenheit ist erstaunlich. Wohn-Riester wird von Experten einhellig gelobt, vor allem, weil die staatliche Förderung so flexibel gehandhabt wird. In ihren Genuss kommt sowohl, wer seine Schulden direkt tilgt, also ein Annuitätendarlehen aufnimmt, als auch, wer mit einer Bausparkasse einen Kombikredit abschließt. Dieser besteht aus einem tilgungsfreien Darlehen, mit dem die Bausparkasse die vereinbarte Bausparsumme vorfinanziert. Auch bestehende Riester-Verträge können zur Immobilienfinanzierung benutzt werden.

Selbst Verbraucherschützer, bisherigen Riesterprodukten nicht immer freundlich gesinnt, halten das neue Konzept "von der Grundanlage her für ein wirklich attraktives Produkt", wie Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bermen es ausdrückt. Und auch die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift Finanztest kommt in ihrer Juniausgabe zu dem Schluss, "dass Riesterdarlehen für Eigenheimfinanzierung erste Wahl sind".

Zwei Gründe machen die Experten dafür verantwortlich, dass viele Berechtigte von ihren möglichen Vorteilen noch gar nichts wissen. Die meisten Banken setzten sich nur sehr zögerlich mit dem neuen Produkt auseinander, sagen sie. Viele hätten überhaupt keine Riester-Darlehen im Portfolio. Bei anderen erweise sich der Vertrieb als Bremser, kritisiert Gottschalk, entweder weil die Provisionen für Riester-Produkte spärlicher flössen, oder weil die vermeintlichen Multiplikatoren selbst nicht richtig Bescheid wüssten. "Viele sind noch gar nicht entsprechend geschult." Lediglich die Bausparkassen haben sich umfassend des Themas angenommen und zumeist gute Produkte entwickelt, wie verschiedene Vergleiche gezeigt haben.

Leser-Kommentare
  1. das Bild passt wunderbar

    • Chali
    • 14.08.2009 um 11:21 Uhr

    Ein Geschenk für wen?

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • TDU
    • 14.08.2009 um 11:34 Uhr

    Es muss klar sein, dass bis zum Alter finanziert werden kann.

  2. Versicherungen in Verbindung steht, sind die Bürger vorsichtig. Denn Versicherungen zahlen ja im Ernstfall eher nicht, siehe Haftpflicht, Berufsunfähigkeit, Krankenversicherung und Co. Jahrelange Einzahlungen ohne Nutzeffekt. Außerdem hat Riestern auch Nachteile, Prämienverlust usw.

    http://kallewestrich.blog...

    • xtc
    • 14.08.2009 um 13:05 Uhr

    ... befürchten die Menschen, aufgrund eigener Erfahrungen im Finanz- und Versicherungsgewerbe, daß sich dieses angebliche Geschenk in der Lebenswirklichkeit als ein Trojanisches Pferd herausstellt.

    _____________

    Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat. (Heinrich Heine)

  3. Da wird über 2 Seiten festgestellt, dass die meisten Bürger nichts über das Wohnriestern wissen. Wer diesen Artikel gelesen hat, weiß immer noch fast nichts zu Wohnriestern. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Produkt "Wohnriestern" genauer zu beschreiben. Von einer solchen Information hätte der Leser mehr gehabt.

  4. Es gab da mal etwas, nannte sich Eigenheimzulage, war unkompliziert, es gab das Geld zeitnah und unversteuert und man konnte es direkt zur Abzahlung eines beliebigen laufenden Kredites verwenden.

    DAS HAT MAN ABGESCHAFFT angeblich eine unnötige Subvention. Nur um dann unter dem Deckmäntelchen der Altersvorsorge solchen Schwachsinn einzuführen. Offenbar versteht auch Sabine Hildebrandt-Woeckel es nicht, sonst hätte sie sich vielleicht die Mühe gemacht es zu erklären, aber Fehlanzeige. Klingt mal wieder mehr nach einem Werbeartikel als nach Aufklärung.

    Ich hatte mich im Zusammenhang mit unserem Darlehen kundig gemacht, ob es sich lohnt und hab die Unterlagen dann irgendwann entnervt entsorgt. Zuviele Bedingungen, zuviele Unwägbarkeiten, zu viele Provisionen, zu komplizierte Berechnungen (mache nie etwas was du nicht selbst in 5 Min. nachrechnen kannst). Soll Riester und der ganze Berliner Blödsinn, mit ihrer Abschaffung der Umlagenrente, doch zur Hölle gehen. Die Einzigen die profitieren sind die Banken und Versicherungen, die ordentlich Provisionen einheimsen und natürlich der liebe Walter Riester, man gönne sich ruhig mal seine Nebeneinkünfteliste.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn der Staat wirklich Menschen dazu animieren möchte, Wohneigentum zu erwerben, sollte er nicht solche unsinnigen, risikoreichen und komplizierten Förderinstrumente entwickeln.Warum wird nicht einfach beim Erwerb selbstgenutzten Eigentums die Grunderwerbssteuer erlassen bzw. andere Gebühren, die in nicht unerheblichen Ausmaß beim Bau/Kauf eines Hauses anfallen, abgeschafft. Es ist schon verrückt, auf der einen Seite soll der Bauherr finanziell unterstützt werden, auf der anderen Seite zockt der Staat massiv ab. Aber wahrscheinlich sind solche Vorschläge zu wenig bürokratisch und vor allem nicht lukrativ für die Versicherungswirtschaft.

    Wenn der Staat wirklich Menschen dazu animieren möchte, Wohneigentum zu erwerben, sollte er nicht solche unsinnigen, risikoreichen und komplizierten Förderinstrumente entwickeln.Warum wird nicht einfach beim Erwerb selbstgenutzten Eigentums die Grunderwerbssteuer erlassen bzw. andere Gebühren, die in nicht unerheblichen Ausmaß beim Bau/Kauf eines Hauses anfallen, abgeschafft. Es ist schon verrückt, auf der einen Seite soll der Bauherr finanziell unterstützt werden, auf der anderen Seite zockt der Staat massiv ab. Aber wahrscheinlich sind solche Vorschläge zu wenig bürokratisch und vor allem nicht lukrativ für die Versicherungswirtschaft.

  5. ich finde das das rumhartzen und rumriestern eine einladung ist in die staatlich geförderte verarmung der menschen!
    tendenzen die dies verstärken sind aus den jüngsten entwicklungen her bekannt: 1. grundsicherung im altersfall , 2. rentengarantie , 3. präkerjobvermittlungssysteme , 4. usw...

    die armut lässt grüssen

    trizmachine

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