"Partysause" für einen Top-Banker oder Meinungsaustausch beim Abendessen: Ein Geburtstagsessen für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt sorgt für Unmut in Berlin. Am Mittwoch wird sich gar der Haushaltsausschuss mit der Feier beschäftigen. Er soll prüfen, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Ausrichtung des Essens Steuergelder verschwendet hat.

Das Kanzleramt hat die Vorwürfe zurückgewiesen und widerspricht der Darstellung, es habe sich um eine private Feier für Ackermann gehandelt. Merkel habe das Jubiläum von Deutschlands mächtigstem Banker lediglich zum Anlass genommen, ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft auszurichten. Die Kosten seien aus Haushaltsmitteln des Kanzleramtes finanziert worden, die für derartige Zwecke zur Verfügung stehen, hatte ein Regierungssprecher betont.

Im April 2008 waren rund 30 Gäste im Kanzleramt zusammengekommen. Darunter waren Manager aus Dax-Konzernen, Mittelstandsbetrieben, Vertreter aus Kultur und von Medien sowie Wissenschaftler. ZEIT ONLINE dokumentiert die Liste:

Politik: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Petra Roth (CDU) Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).

Wirtschaft: Josef Ackermann (Deutsche Bank), Roland Berger (Roland Berger), Gerhard Cromme (Siemens), Jürgen Hambrecht (BASF), Dr. Tessen von Heydebreck (u.a. BASF, Postbank), Michael Hilti (Hilti), Berthold Leibinger (Trumpf), Friedrich von Metzler (Bankier), Wolfgang Nowak (Alfred-Herrhausen-Stiftung der Deutschen Bank), Arend Oetker (Oetker), Marie-Elisabeth Schaeffler (Schaeffler), Werner Wenning (Bayer).

Medien: Kai Diekmann (Bild), Mathias Döpfner, Friede Springer  (beide Springer), Stephan Sattler (Focus), Frank Schirrmacher (FAZ).

Kultur/Wissenschaft: Frank Elstner (Moderator), Klaus-Dieter Lehmann (Goethe-Institut), Howard Davies (London School of Economics), Lars-Hendrik Röller (European School of Management and Technology), Wolfgang Schürer (Universität St. Gallen)

Sonstige: Mölsä Pirkko (Ehefrau von Ackermann), Dr. Weidmann (Kanzleramt).

Fünf eingeladene Gäste kamen nicht: Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef der Münchner Rück, nannte in einer telefonischen Absage terminliche Gründe, Henning Kagermann, damals Vorstandschef der SAP AG, verwies auf eine zeitgleiche Geschäftsreise. Der Werbemanager Maurice Devy war nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Geburtstagsparty auf einem internationalen Meeting in Paris, der britische Dirigent Sir Simon Rattle, Chef der Berliner Philharmoniker, aufgrund eines Auftrittes verhindert. Gern dabei gehabt hätte Ackermann auch Prof. Joachim Sauer, den Ehemann der Kanzlerin. Auch er sagte ab - hier verzeichnet die Teilnehmerliste keinen Grund.