Afghanistan-Einsatz Wie lange noch?

Endloser Einsatz in Afghanistan? Schon seit 2002 wird in Deutschland über einen Abzugstermin diskutiert. Sieben Jahre später ist die Politik nicht viel weiter.

Wie lange noch? Die Frage ist schon Rudolf Scharping gestellt worden, als er 2002 als SPD-Verteidigungsminister das erste Kontingent der Bundeswehr in Kabul besuchte. Die diplomatische Antwort: An Rückzug sei erst zu denken, wenn die Ziele der Stabilisierungsmission in Afghanistan erreicht seien.

Heute, sieben Jahre nach Beginn des Einsatzes, ist die deutsche Politik nicht viel weiter. Zwar veranschlagte Franz Josef Jung (CDU) am Donnerstag in der ARD eine "Bandbreite von fünf bis zehn Jahren". Und Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) vermerkt in der "Leipziger Volkszeitung": "Ich rechne nicht damit, dass wir noch zehn Jahre oder länger in Afghanistan präsent sein werden."

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Doch die großkoalitionäre Einigkeit auf eine Obergrenze von zehn Jahren wirkt präziser, als sie gemeint ist. Denn Jung und Steinmeier verweisen gleichzeitig darauf, dass das alles davon abhänge, wie rasch die gesetzten Ziele zu verwirklichen seien. Nichts Neues seit Scharping also? Doch. Die Ziele sind heute andere, die Umstände der Isaf-Mission auch.

Erstens: die Ziele. Scharping konnte beim Antrittsbesuch noch mit einer Bundeswehrpatrouille in Kabul Streife fahren und über "nation building" sprechen. Seine Nachfolger fliegen selbst kurze Strecken nur noch per Hubschrauber mit Scharfschützen an offenen Luken. Im einst als Soldaten-Ferienlager verspotteten Kundus sind Anschläge heute an der Tagesordnung. Der zivile Aufbau verläuft zäh und mit Rückschlägen. Die optimistische Vorstellung eines demokratischen Afghanistan ist der ernüchterten Vorgabe "selbst tragende Sicherheit" gewichen – die Afghanen sollen allein verhindern können, dass die Taliban wieder an die Macht kommen.

Der Nato-Gipfel in Bukarest hat dieses Ziel 2008 konkretisiert: Zunächst 80.000 Mann soll die afghanische Armee bis 2010 stark sein. Damit wurde zum ersten Mal eine Art Exitstrategie sichtbar, die Bedingungen für eine Ende der Mission definiert. Am Donnerstag erklärte Nato- Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen dann, Militär und Polizei müssten von zusammen derzeit 200.000 auf 400.000 Mann verdoppelt werden. Einen Zeitpunkt dafür nannte er nicht.

Geändert hat sich aber auch die Lage im Bündnis – durch den Wahlsieg von Barack Obama. Waren es bisher eher Europäer, die halblaut über ein Ende der Operation Afghanistan nachdachten, macht jetzt der neue US-Präsident Dampf. Abzug aus dem Irak, massive Truppenaufstockung und neue Strategie für Afghanistan – Obama hat die Verteidigung am Hindukusch zu seinem Krieg gemacht. Er hat kein Interesse an einem Einsatz ohne Ende.

In spätestens zwei Jahren, vermuten deutsche Fachpolitiker, wolle Obama deutliche Fortschritte sehen – in Afghanistan ebenso wie bei dem Versuch, den Taliban ihre Rückzugsmöglichkeiten in Pakistan zu verbauen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Zehn-Jahres-Prognose eine gewisse Plausibilität. Risikofrei ist sie allemal. Weder Jung noch Steinmeier müssen sie einlösen. Denn dass einer von den beiden in zehn Jahren noch in seinem heutigen Amt ist, kann man getrost ausschließen.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 21.08.2009 um 18:54 Uhr

    Wenn wir das Thema ansehen, scheint es nur deprimierend. Menschen machen üble Dinge. Gesellschaften versuchen dagegen sich zu wehren. Bei den meisten Kriminellen ist die Motivation einen Gewinn aus verbotenen Handlungen zu ziehen. Hier ist es zwar auch das aber im Kern ist die absolute Ablehnung unserer Lebensweise. Man zerstört und tötet, weil man diese nicht will; sie als Sünde sieht. So ist es nicht so einfach wie bspw der Drogenhandel, den wir austrocknen könnten, wenn wir Drogen zuließen.

    Auch ist die Gefahr unmittelbar. Man bombt laufend meist in der Ferne aber auch manchmal in unseren Ländern. Wollten wir andere Wege beschreiten, um den Terror auszuschalten, so müssten wir mit den Toten leben in der zwischenzeit. Das ist eine sehr schwierige Situation ohne allgemein überzeugende Alternative.

  1. "In spätestens zwei Jahren, vermuten deutsche Fachpolitiker, wolle Obama deutliche Fortschritte sehen – in Afghanistan ebenso wie bei dem Versuch, den Taliban ihre Rückzugsmöglichkeiten in Pakistan zu verbauen."

    boh, mann, ey! das ist mal eine nachricht! "deutsche Fachpolitiker", diese creme-de-la-creme geballter kompetenz, "vermuten", was obama "In spätestens zwei Jahren" sehen wollen wird... ich persoenlich blicke allerdings noch viel weiter in die zukunft: ich vermute, dass deutsche fachjournalisten auch in 20 jahren noch sommerloecher mit null-informationen fuellen wollen werden.

    • afreds
    • 23.08.2009 um 11:28 Uhr

    ihr ganzer Körper mit Brandwunden bedeckt, zwei ihrer Schwestern getötet. Ein Resultat einer Phosphorbombe, abgeworfen auf das Dorf von Razia im Krieg zwischen NATO und Talibankämpfern. Vor dem 11. September sind die Eltern von Razia ihren täglichen Geschäften nachgegangen und sie hat mit ihren Freunden in ihrem armen aber friedlichen Dorf gespielt. Die einzigen Verletzungen die sie sich zugezogen hat waren wundgescheuerte Knie. Heute ist ihr ganzer Körper von Brandwunden entstellet. Eine Geschichte die sich bis heute millionenfach in Afghanistan und Irak abspielt hat, alles im Namen des Friedens und des Fortschritts. Welche unmenschlichen Politiker und Despoten sind dafür verantwortlich? Wir kennen alle ihre Namen. Seit einigen Jahren ist ihre demagogische Terror-Rhetorik erfolgreich. Der kalte Krieg ist tot, es lebe der post 9/11 Krieg gegen den Terrorismus. Diese historischen Fakten sind allen bekannt und trotzdem wird im Namen der Gerechtigkeit immer weiter gemordet. Wie kommt es das die westlichen im christlichen Glauben der Nächstenliebe verankerten Demokratien im 21. Jahrhundert derart kollektiv versagen? Wir bilden moderne Kriegsverbrechertribunale die gläsern und für alle sichtbar die Verbrechen des Krieges aufzeigen sollen und ihre Zellen sind angefüllt von denen die den westlichen Machthabern ein Dorn im Auge sind. Wenn wir unsere Demokratie retten wollen dann muss der Arm des Gesetzes für alle gelten. Bush, Cheney, Clinton, Obama, Blair, Brown, Merkel, Sarkozy und wie sie alle heißen, gehören vor das Kriegsverbrecher Tribunal in Den Haag. Selbst wenn es ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht ungeschehen machen kann wäre ihre Verurteilung ein Teil der Wiedergutmachung. Als der Russische Präsident Putin die Schule von Beslan von Regierungstruppen stürmen lies und mit den Terroristen hunderte unschuldige Kinder tötete, tat er es im Namen des Gesetzes. Welches Gesetz zwingt Menschen gegen ihren Willen sich einer politischen Gemeinschaft anzuschließen und nimmt zur Durchsetzung dieses Zieles die Ermordung unschuldiger Kinder in Kauf? Die letzten zehn Jahre haben den Fortschritt, den wir in den okzidentalen Demokratien seit dem Ende des WWII glaubten gemacht zu haben, vernichtet. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist Ausdruck der Inkohärenz zwischen der Wahrheit der Demagogen und der Realität. Wir werden keinen dauerhaften Fortschritt erzielen solange wir jedes Mittel rechtfertigen um unsere ideologischen Ziele zu erreichen. Wir müssen uns auf das wahre Ziel konzentrieren, frei und unabhängig von ideologischen Prozessen.

    • navy
    • 25.08.2009 um 13:57 Uhr

    Wenn man Scharpings "Nationa Building" Geschnatter hört, denkt man an ein Kleinkind das Allbrights und Bill Clintons Idiotie Phrasen umsetzen was halt so der ICG von Georg Soros als Vorkau NGO einem auf den Tisch setzt.

    Diese Nachplabber Politik wird unverändert von der FES auch in 2009 fortgesetzt, wo sich die Dümmsten sowieso tummeln und die erst vor kurzem wieder den ICG zitierten.

    Im April 2002 brachte bereits die Geheimdienst Bibel Janes, einen Report das der Afghanistan Einsatz gescheitert ist. Nun haben wir 2009 und unsere extrem dummen und kriminellen Politiker, finden keine Lösung, weil man noch mit Fake Projekten kräftig abkassieren will. Die gesamte Deutsche Entwicklungshilfe ist deaströs gescheitert, was eine Bundestag Delegation feststellte und trotzdem ermittelt nicht die Deutsche Justiz, warum die Steinmeier Banden sogar prominenten Verbrechern wie General Dostum und Fahim 30.000 $ pro Monat Schutzgeld bezahlen.

    Afghanistan ist zu einer kriminellen Orgie verkommen und einem von der Bundeswehr geschützten Drogen Anbaues.

    Am besten hört man sich den Herrn Hörstel mal zum Thema an, der ja beste Erfahrung in Afghanistan schon vor langer Zeit sammeln konnte, oder Peter Scholl-Latour.
    YouTube - Christoph Hörstel - Konfliktlösungen und Strategien für ...

    37 Min. - 26. Apr. 2009 -

    Mit 4,9 von insgesamt 5,0 bewertet

    Vortrag von Christoph Hörstel auf dem "Alles Schall und Rauch" Treffen am 18. ... Christoph Hörstel Bundeswehr Schutzgeld in Afghanistan @ Alles ...
    www.youtube.com/watch?v=J...

    • navy
    • 25.08.2009 um 13:58 Uhr

    [entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion / mwe]

    • navy
    • 25.08.2009 um 13:58 Uhr

    [entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion / mwe]

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