Wahlkampf Angst vor Afghanistan

Der Bundeswehreinsatz am Hindukusch kommt im Wahlkampf kaum vor. Auch Verteidigungsminister Jung scheut eine klare Aussage. Doch in Friesland kam er daran nicht vorbei.

"Hm, hm, hm", sagt der Minister, als ihm ein Soldat die Waffen seines Regiments zeigt. "Hm, hm, hm", wiederholt er, während ein Bombenentschärfer ihm sein Werkzeug vorführt. Und ein freundliches "Hm, hm, hm", bekommt auch der Mann von der Hundestaffel zu hören, der dem Gast aus Berlin den klimatisierten Transportkäfig demonstriert.

Die Soldaten des Objektschutzregiments der Luftwaffe sind Spezialisten, als Schutztruppe werden sie für Auslandseinsätze in gefährlichen Gebieten ausgebildet. Auch in Afghanistan sind die Soldaten im Einsatz. Dort sichern die Soldaten des Regiments "Friesland" den Flughafen und das Bundeswehr Camp in Masar-i-Scharif und die Umgebung. Franz Josef Jung, Verteidigungsminister im alten Kabinett, traf die Spezialisten der Luftwaffe in Schortens in Ostfriesland.

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Der Minister besuchte auf seiner Sommertour überall im Land Standorte der Bundeswehr. In Friesland bekam er Waffensystem und Einsatzmethoden vorgestellt, nickte und lächelte häufig, selten fragte er mal nach. Wenn er von Journalisten gefragt wurde, ging es immer um Afghanistan.

Dabei weichen Jung und andere Spitzenpolitiker dem Thema momentan gerne aus. Der Bundeswehreinsatz als Teil der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) taugt nicht als Wahlkampfthema, finden die Strategen der Union. Auch die anderen Parteien meiden die Auseinandersetzung um die Isaf-Mission. SPD und Grüne haben im Kabinett Schröder den Afghanistan-Einsatz begonnen. Die FDP will nach der Bundestagswahl den Außenminister stellen und weiß, dass es internationale Verpflichtungen gibt, die einen raschen Abzug verhindern. Nur die Linkspartei fordert auf ihren Wahlplakaten "Raus aus Afghanistan".

Der Einsatz ist in der Bevölkerung unbeliebt. 61 Prozent lehnen ihn ab, ermittelten die Meinungsforscher vom Institut Emnid. Und die Ablehnung steigt, momentan wohl auch, weil die Isaf einen Präsidenten schützt, der massiv Wahlfälschung begangen haben soll.

Auch wenn er darüber nicht glücklich ist, bei seinem Besuch in Friesland kommt der Verteidigungsminister nicht am Thema Afghanistan vorbei. Während er in Schortens die Kaserne besichtigt, wird in Afghanistan gewählt. Was er vom Amtsinhaber Karzai halte, fragt ein Journalist. Da wolle er nicht drauf antworten, sagt der Minister. Und die Sicherheit, wie sieht es damit am Hindukusch aus, fragt eine Reporterin. Jung schaut ärgerlich, fügt sich dann doch und erklärt erneut, warum der Bundeswehreinsatz wichtig sei.

Die improvisierte Pressekonferenz im Garten des Offizierskasinos dreht sich nur um den Konflikt am Hindukusch, die Sommerreise des Ministers wird nicht thematisiert. "Die Sicherheitslage hat sich verschlechtert", sagt Jung. Eigentlich will er von den Erfolgen der Bundeswehr in Afghanistan berichten. Von tausenden Mädchen, die nun in die Schule gehen können, was die Taliban verboten hatten. Von der Medienvielfalt spricht er, von mehr als 300 Zeitungen und dutzenden Rundfunksendern, die in Afghanistan entstanden seien, seitdem die Fundamentalisten aus Kabul vertrieben worden. Aber solange die Terroristen in dem Land wüten, sind solche kleinen Erfolge kaum vermittelbar.

"Bei jeder Veranstaltung erkläre ich den Menschen, warum der Einsatz sinnvoll ist. Ich kann es selber schon nicht mehr hören", klagt Jung. Die Medien würden immer nur über die Anschläge und über verletzte oder ermordete deutsche Soldaten schreiben, schimpft der Minister. Die Erfolge würden völlig vergessen.

Leser-Kommentare
  1. ...er ist einfach nur peinlich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Wie in dem Artikel richtig erwähnt wird, benutzt er für die Begründung des Einsatzes seit 8 Jahren dieselben Argumente, die allerdings den Makel haben, dass sie keine sind.

    Man möchte ihm zurufen, was die Amerikaner in den 60ern ihren Politikern in Sachen Vietnam sagten: "Bring our boys back home"...und die Frauen natürlich auch.

  2. 2. Absurd

    Strucks verheerender Spruch, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werde (ich wußte gar nicht, dass wir dort Gebiete haben...), soll also von "den Deutschen" verstanden worden sein?!? Von der denkenden Mehrheit ja wohl als das was er unterstützen sollte: den Umbau der sinnvollen Verteidigungsarmee zu einer aggressiven Angriffstruppe.
    Unsere Kinder und Enkel werden uns zu Recht fragen, warum wir nichts dagegen getan haben! Diesmal kann kein Deutscher antworten, er habe nichts davon gewußt!
    "Krieg ist Frieden, Unwissenheit ist Stärke, Freiheit ist Sklaverei."

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    • mexi42
    • 27.08.2009 um 13:45 Uhr

    einst Durchblutungsstörungen ...

    in dubio prosecco

    • mexi42
    • 27.08.2009 um 13:45 Uhr

    einst Durchblutungsstörungen ...

    in dubio prosecco

  3. es existieren seit 1945 Verträge mit der Besatzungsmacht USA die uns wirtschaftlich und militärisch an Weisung aus Übersee binden.

    Anders ist das Verhalten der deutschen Politik nicht erklärbar.

    Obama war für uns nicht die beste Lösung. Er intonierte in Berlin vor 200.000 frenetisch jubelnder deutscher Masse, Amerika müsse den amerikanischen Steuerzahler entlasten und die europäischen "Verbündeten" stärker belasten.

    Gesagt, getan !

    Mc Cain wäre die bessere Lösung gewesen, in spätestens 4 Jahren hätte der Spuk USA ein Ende gefunden.
    (entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)

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    artikel nur zustimmen und noch was anfuegen aber die zensurbeheorde der zeit ist leider sehr pingelig

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    artikel nur zustimmen und noch was anfuegen aber die zensurbeheorde der zeit ist leider sehr pingelig

  4. zu unserem verteidigungsminister will ich mich mal lieber nicht äussern, weil ich quasi sofort verbal ausfallend werden müsste!

    der afghanistan-einsatz ist keine erfolgsgeschichte. das wird allein schon durch die tatsache unterstrichen, dass die cdu- auguren das thema als untauglich für den wahlkampf betrachten. trotzdem wird gegen den willen der bevölkerung weiter am bw-einsatz festgehalten.
    wenn es darum geht, die erfolge der isaf-mission im detail zu benennen, dann will die regierung lieber nicht zu konkret werden. möglicherweise ja auch, weil es diese erfolge gar nicht gibt? vielleicht will man bestimmte probleme sogar ganz bewusst nicht anpacken?!

    nehmen wir nur einmal die eng miteinander verquickten themen des explodierenden opiumanbaus und der weit verbreitete korruption in der afghanischen regierung und verwaltung. was unternimmt die bundesregierung mit ihren mitteln konkret dagegen?
    und dann muss man sich noch folgende frage stellen: gibt es nicht auch einen zusammenhang dieser beiden großen probleme mit dem zentralen thema kampf gegen die taliban?
    wenn es vermehrt hinweise darauf gibt, dass nicht nur die taliban, sondern auch führende regierungsmitglieder und sogar der bruder des präsidenten in den drogenhandel verwickelt sind und man sich ausmalen kann, dass die erlöse zu erheblichen teilen in waffenkäufe fließen, dann braucht es wenig phantasie, um zu erkennen, dass mit der unterstützung dieser regierung auch der konflikt mit den taliban unterhalten wird.

    quelle:
    http://www.independent.co.uk/news/world/asia/the-big-question-why-is-opium-production-rising-in-afghanistan-and-can-it-be-stopped-960276.html

    eine kritische anmerkung zum info-fenster: auf welche quelle bezieht sich die behauptung, die mehrheit der afghanischen bevölkerung lehne den opiumanbau ab?

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    Hallo De_Villaret,

    eine Quelle von vielen ist die aktuelle Jahresumfrage der Asia Foundation zu Afghanistan (Afghanistan in 2008: A Survey of the Afghan People, http://asiafoundation.org...) und dort Item Nummer 42. Die Daten decken sich mit anderen Umfragen, und--was ich persönlich noch etwas wichtiger finde--auch mit den Felderfahrungen von einigen Ethnologen und Anthropologen, die ich zu diesem Thema befragen konnte.

    Viele Grüße
    Jan Free

    Hallo De_Villaret,

    eine Quelle von vielen ist die aktuelle Jahresumfrage der Asia Foundation zu Afghanistan (Afghanistan in 2008: A Survey of the Afghan People, http://asiafoundation.org...) und dort Item Nummer 42. Die Daten decken sich mit anderen Umfragen, und--was ich persönlich noch etwas wichtiger finde--auch mit den Felderfahrungen von einigen Ethnologen und Anthropologen, die ich zu diesem Thema befragen konnte.

    Viele Grüße
    Jan Free

  5. die kritische anmerkung zum info-fenster müsste präziser lauten:
    auf welche quelle bezieht sich die behauptung, die mehrheit der afghanischen bevölkerung verurteile den opiumanbau?

  6. 6. angst?

    ich hab keine angst vor afghanistan.
    ich hab angst vor krieg.
    wie Herr Bundesverteidigungsminister Jung auch.
    gründe sind etwas unterschiedlich.
    ich- der toten wegen, er- der versicherungsfragen wegen und natürlich am rande das GG.

    ich hab nur angst vor volksvertretern, die das volk vertreten, so, wie mensch etwas VERsemmelt oder eben auch ZERsemmelt.

    raus aus vietnam, oops, sorry, afghanistan!

    • lpzig
    • 26.08.2009 um 1:16 Uhr

    Natuerlich!

    Aber waere es nicht wichtiger zu fragen: Warum zwingen die Waehler sie nicht, auszusagen, wie sie Afghanistan betrachten und was sie in der NATO wollen?

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    • mexi42
    • 27.08.2009 um 13:48 Uhr

    bereits Sinn- und Konzeptlosigkeit
    öffentlich eingestanden.
    Unser Kriegsminister hechelt noch
    in die Gegenrichtung.

    in dubio prosecco

    • mexi42
    • 27.08.2009 um 13:48 Uhr

    bereits Sinn- und Konzeptlosigkeit
    öffentlich eingestanden.
    Unser Kriegsminister hechelt noch
    in die Gegenrichtung.

    in dubio prosecco

  7. Viel westlichen Politiker wissen, dass sie in Afghanistan in euphorischer Art vom Weltkrieger Herr G. W. Bush manipuliert wurden und es ist jetzt sehr schwer einfach Rückzieher zu machen.

    Ich habe grossen Mitleid mit Herrn Minister Jung, er hat es sehr schwer, die Anwesenheit der deutschen Soldaten in Afghanistan zu rechtfertigen.

    Er konzentriert sich um Mädchen Schulen, Mediavielfalt, Radios- und Fernsehensender, weil solche Möglichkeiten bei Taliban tabu waren und diese Parolen in Europa Echo finden kann.

    Er möchte aber nicht darauf eingehen, dass seine Mädchen-Schulen meisten unter freiem Himmel stattfinden und ohne Lehrmaterials.

    Es gibt in Afghanistan über 100 Parteien, welche finanziellen Unterstützungen erhalten, finanzielle Unterstützung deswegen, um dadurch Demokratie in Afghanistan nach Aussen zu signalisieren.

    Radio- und Fernsehen sind von einigen reichen Parteien( Warlords ) und von USA exportierten gegründet, die mit Anweisungen arbeiten.

    Nun soll man den Herrn Minister Jung fragen, ist bzw. war das Hauptziel der Anwesendheit der ISAF, NATO und USA Soldaten?

    Ich erinnere mich, dass im Jahr 2001 neben Frauebrechten auch von Friede, Freiheit, Beseitigung des Terrorismus, Demokratie und von Wohlstand der Bevölkerung die Rede war.

    Während der Acht Jahren sind wir leider Zeugen der Vermehrung der Terroristen, Anarchie, Chaos, Unsicherheit und Armut der Bevölkerung.

    Wir sind ebenfalls Zeugen während dieser Zeit, dass durch ausländischen Soldaten regelmässig blinde Bombardierungen stattgefunden haben und noch finden, unschuldige Leuten umgebracht, Schikaniert und in die Gefängnisen gesteckt und dort sind mit Folterungen konfrontiert.

    Es ist beschämend, dass man mit solchen Slogans nach Afghanistan geht aber man kann kein einziger Slogan realisiert sehen, ja, diese unterstützenden Länder haben die damalige finanzierten Mörder, Kriminellen mit anderen trainierten Gruppe in Bonn vereinigt und auf das Volk los geschickt, nun sind alle diese Korrupten, ihre Verwandten und Freunden Milliardär geworden ( mit Steuergelder der unterstützenden Länder) und die Macht zirkuliert unter dem Logo "Wahlen" innerhalb dieser Leuten.

    Herr Minister Jung hat Schwierigkeiten mit der Wahrheit in Afghanistan, ich fürchte, es wird in Afghanistan noch schlimmer werden.

    Dies unterstützenden Länder sind gut beraten, das Leben ihrer Soldaten nicht sinnlos weiterhin auf Spiel zu setzen und die Steuergelder ihrer Bevölkerung nicht so leichtsinnig an diese Mafia-Dieben weiterhin zu verschleudern.

    Dieser Teufelkreis kann ende haben wenn diese unterstützenden Länder sich von diesen Kriminellen, Mörder und Korrupten trennen und sich an das Volk wendet, wenn sie die oben genannten Slogen ernst und ehrlich meinen!

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    Jeder weiss es. Ich wuerde auch lieber raus gehen aus Afganistan. Die Spanier, Hollaender, Englaender auch. Aber das geht nun mal nicht. Wirtschaft und Politik sind verflochten. Das eine funktioniert ohne das andere nicht. Alle haengen wir von de USA ab. Auch Opel. Und wenn die USA sagen, wir muessen da jetzt mal nach Afghanistan, dann spielen die Motive gar keine Rolle. Es geht auch nicht um Talibane oder al-Quaeda, die gab's viel frueher schon, auch nicht, um Demokratie einzufuehren. Ob es in Afghanistan Demokratie gibt, ist den Amerikanern egal. Wenn's darum ginge, muessten wir auch nach Nordkorea, nach Cuba oder in den Kongo. Es geht um die Sicherung von Rohstoffquellen in Zentralasien und um den Iran in Schach zu halten. Dafuer muessen Opfer gebracht werden. Lange kann es aber nicht mehr dauern. Wenn jeden Tag 100 Talibane fallen, geht denen irgendwann der Nachwuch aus.

    Ich glaube da verwechselt jemand Afghanistan mit Irak...

    Jeder weiss es. Ich wuerde auch lieber raus gehen aus Afganistan. Die Spanier, Hollaender, Englaender auch. Aber das geht nun mal nicht. Wirtschaft und Politik sind verflochten. Das eine funktioniert ohne das andere nicht. Alle haengen wir von de USA ab. Auch Opel. Und wenn die USA sagen, wir muessen da jetzt mal nach Afghanistan, dann spielen die Motive gar keine Rolle. Es geht auch nicht um Talibane oder al-Quaeda, die gab's viel frueher schon, auch nicht, um Demokratie einzufuehren. Ob es in Afghanistan Demokratie gibt, ist den Amerikanern egal. Wenn's darum ginge, muessten wir auch nach Nordkorea, nach Cuba oder in den Kongo. Es geht um die Sicherung von Rohstoffquellen in Zentralasien und um den Iran in Schach zu halten. Dafuer muessen Opfer gebracht werden. Lange kann es aber nicht mehr dauern. Wenn jeden Tag 100 Talibane fallen, geht denen irgendwann der Nachwuch aus.

    Ich glaube da verwechselt jemand Afghanistan mit Irak...

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