Afghanistan wählt einen neuen Präsidenten. Das ist eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass in diesem Land noch vor sieben Jahren die Taliban herrschten. Sie wollten weder von Menschenrechten noch vom Rechtsstaat oder Demokratie etwas wissen. Es gab unter der Herrschaft keine Wahl für die Afghanen. Nur Gehorsam oder den Tod. Insofern ist der heutige Tag ein Fortschritt.

Die schlechte Nachricht allerdings ist, dass diese Wahlen weder ganz fair noch ganz frei und auch nicht ganz geheim sein werden. Gut, sagen sich alle: Afghanistan ist eben Afghanistan und nicht Europa. Da dürfe man das nicht so streng sehen. Eine bisschen schummeln, das sei nicht schön, aber alles in allem eine lässliche Sünde.

Nun, das ist freilich eine Illusion. Denn bei allem was wir bisher wissen, geht es nicht um kleinere Manipulationen. Die Wahlen werden systematisch und in großem Umfang manipuliert. Diesen Schluss jedenfalls lassen seriöse Berichterstatter von Organisationen zu, welche die Wahlregistrierung beobachtet haben.

Wir reden also von massiven Wahlfälschungen. Auch nicht schlimm? Wie ernst es der Westen mit Wahlen und Wahlfälschungen nimmt, das haben wir eben im Iran erlebt. Das Regime dort hat ordentlich manipuliert, die Menschen sind dagegen zu Zehntausenden auf die Straße gegangen, und der Westen hat sich empört und echauffiert. Man dürfe dem iranischen Regime die Fälschungen nicht nachsehen, heißt es. Schon aus Selbstachtung dürfe das der Westen nicht.

© Klöpfel/Tagesspiegel