Wahl in Afghanistan Karsai und Abdullah streiten um den Sieg

Erste Hochrechnungen sehen Amtsinhaber Hamid Karsai als Sieger der Präsidentschaftswahl. Doch auch sein stärkster Rivale Abdullah Abdullah reklamiert den Sieg für sich

Offizielle Wahlleiter warnen zwar vor verfrühten Spekulationen über das Wahlergebnis, dennoch ist der Streit um den Sieg bereits entbrannt. Karsais Wahlkampfleiter Deen Mohammad teilte am Freitag mit, ersten Hochrechnungen zufolge habe die Mehrheit der Wähler für Amtsinhaber Hamid Karsai gestimmt. Der Bericht stütze sich auf die Aussagen von rund 29.000 Wahlbeobachtern aus Karsais Wahlkampfteam. Ein zweiter Wahlgang sei somit nicht notwendig, sagte Mohammad.

Der Sprecher von Karsais wichtigstem Rivalen, Abdullah Abdullah, wies dieses Ergebnis als falsch zurück – und reklamierte den Sieg für seinen Kandidaten. Seine Wahlbeobachter errechnen 63 Prozent der Stimmen für den früheren Außenminister Abdullah Abdullah und nur 31 Prozent für Hamid Karsai.

Anzeige

Die Afghanische Wahlkommission wollte beide Ergebnisse nicht bestätigen, teilte aber mit, dass in allen Teilen des Landes die Stimmen ausgezählt seien. Mit offiziellen Ergebnissen werde schon in der kommenden Woche gerechnet.

EU-Kommission hat die Kandidaten zur Zurückhaltung aufgerufen. "Wir möchten derzeit alle ermutigen, den Wahlablauf zu respektieren und keine verfrühten Ankündigungen über einen möglichen Ausgang zu machen", sagte ein Sprecher der Kommission. Die Beobachtermission der EU, die rund 100 Beobachter vor Ort hat, werde sich am kommenden Samstag zum Wahlverlauf äußern.

Planmäßig sollten am 17. September die Endergebnisse der Präsidentschafts- und der parallel angesetzten Provinzratswahlen vorliegen. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreichen, käme es Anfang Oktober zu einem weiteren Wahlgang. Dann würden nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte antreten, was eine Stichwahl zwischen Karsai und seinem Herausforderer, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, wahrscheinlich machen würde.

Millionen Afghanen hatten am Wahltag den Anschlägen der Taliban getrotzt und waren ungeachtet von Todesdrohungen in die Wahllokale geströmt. Behörden, Vereinte Nationen und unabhängige Beobachter meldeten aus allen Landesteilen eine rege Beteiligung an der zweiten Präsidentenwahl seit dem Sturz der Taliban 2001. Ein Sprecher der Wahlkommission sagte, dass er von einer Wahlbeteiligung zwischen 40 und 50 Prozent ausgehe, wobei es regionale Unterschiede gebe. Nach Angaben der UN gaben im umkämpften und möglicherweise wahlentscheidenden Süden erheblich weniger Menschen ihre Stimme ab als im Norden.

Laut der Unabhängigen Wahlkommission ist die Wahl in fast 95 Prozent der Wahlzentren im Land ohne Probleme verlaufen. 300.000 Sicherheitskräfte waren bei der Wahl im Einsatz. Dennoch kamen binnen weniger Stunden mehr als 50 Menschen bei verschiedenen Anschlägen und Gefechten ums Leben, rund die Hälfte davon waren Aufständische. Das Verteidigungsministerium zählte insgesamt 135 Zwischenfälle im ganzen Land, darunter vier Selbstmordanschläge.

Ungeachtet der Gewalt sind die Wahlen in Afghanistan international positiv bewertet worden. Präsident Hamid Karsai und Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nannten die Wahl einen Erfolg. "Das afghanische Volk hat Raketen, Bomben und Drohungen ignoriert und ist wählen gegangen", sagte Karsai nach Ende der Abstimmung. Rasmussen gratulierte den Afghanen für ihren Mut, mit dem sie den Drohungen der Taliban widerstanden hätten. "Unter dem Blickwinkel der Sicherheit" seien die Wahlen "besser als erwartet" verlaufen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "wichtigen Abschnitt in der Geschichte der demokratischen Entwicklung" Afghanistans. Die Wahl sei ein Zeichen dafür, dass sich in Afghanistan vieles geändert habe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobte die Wahl als "Erfolg demokratischer Tugenden" nach 30 Jahren Terror und Krieg. Nun gehe es darum, wachsam zu bleiben.

US-Präsident Barack Obama nannte die Wahl "anscheinend erfolgreich". Er betonte, weiterhin gegen die radikal-islamischen Extremisten am Hindukusch vorgehen zu wollen. "Wir müssen sicherstellen, dass wir uns wirklich darauf konzentrieren, den Job in Afghanistan zum Abschluss zu bringen", sagte Obama. Das werde allerdings seine Zeit brauche, räumte der Präsident ein.

An schweren Gefechten in Nordafghanistan waren am Wahltag nach örtlichen Polizeiangaben auch deutsche Soldaten beteiligt. Ein Sprecher sagte, deutsche und ungarische Truppen hätten afghanische Sicherheitskräfte nach einem Angriff der Taliban in der Provinz Baghlan unterstützt. 21 Aufständische sowie ein Distrikt-Polizeichef seien bei den stundenlangen Kämpfen getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Berlin widersprach den Angaben. "In der Provinz Baghlan waren keine deutschen Soldaten an Gefechten beteiligt", sagte ein Sprecher.


In der Nachbarprovinz Kundus feuerten Aufständische sechs Raketen auf die Stadt Kundus ab, an deren Rand das Feldlager der Bundeswehr liegt. Nach Angaben der Provinzregierung wurden fünf Menschen verletzt. Eine Rakete habe ein Wahllokal getroffen. Auch im südlichen Helmand wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwei Menschen bei einem Raketeneinschlag verletzt. In Kabul töteten Sicherheitskräfte nach Angaben der britischen BBC zwei mutmaßliche Taliban-Kämpfer.

 
Leser-Kommentare
    • Guido3
    • 21.08.2009 um 10:39 Uhr

    Was ist der Grund dafür, dass laut Wahlleiter bereits alle Stimmen ausgezählt sind, aber ein Endergebnis erst in 4 Wochen verkündet werden soll? Das erscheint ohne weitere Erklärung sehr ungewöhnlich. Wird es vorab wenigstens ein offizielles, vorläufiges Wahlergebnis geben?

  1. einfach nur fantastisch... war ja nicht anders zu erwarten.

    Und Frau Merkel gibt wie üblich ihren inhaltslosen Senf dazu.

    • FahadA
    • 21.08.2009 um 10:47 Uhr

    Ich hoffe, Professor Mebane (University of Michigan) und Chatham House und University St. Andrews können uns in den nächsten Tagen mit ihren Analysen zum wahrscheinlichen Wahlbetrug in Afghanistan in Atem halten. Gab es auch eine Meinungsumfrage vor der Wahl?

    Die zu erwartenden Proteste in der Bevölkerung wird man wohl diesmal nur den Taliban anlasten.

    Freelance

    • Prach
    • 21.08.2009 um 10:55 Uhr

    ... wer regiert künftig über einen Teil von Kabul? Wer darf künftig die meisten Bestechungsgelder einstecken? Wer darf durch die Weltgeschichte reisen, großzügige Geldgeschenke annehmen und die Rolle des "Präsidenten" verkörpern?

  2. ...daß wir uns für die Waheln in einem
    solchen Land interesieren müssen.

    Es gibt zig Länder auf dieser Erde.

    Berichtet wird immer über die, in denen
    der Westen geostrategische Interessen
    hat und diese verfolgt.

    Abdullah wird gewinnen udn auch er
    wird nicht zugeben, daß das Opium stets
    mit Militäemaschinen gen USA fliegt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service