Afghanistan Mehr als 50 Tote am Wahltag
Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist beendet, sie wurde von einer Welle der Gewalt begleitet. Auch die Bundeswehr wurde in Gefechte verwickelt
Trotz blutiger Terrorangriffe und massiver Drohungen der Taliban haben sich Millionen Afghanen nicht von der Wahl eines neuen Präsidenten abschrecken lassen. Die Wahllokale schlossen am Donnerstag um 17.00 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr MESZ), eine Stunde später als ursprünglich geplant. Wie die Wahlkommission in der Hauptstadt Kabul mitteilte, beteiligten sich die Menschen im ganzen Land mutig und mit viel Enthusiasmus.
In fast 95 Prozent der Wahlzentren im Land sei der Urnengang ohne Probleme verlaufen. Die Wahlbeteiligung sei hoch gewesen. Als Favorit ging Amtsinhaber Hamid Karsai in die Abstimmung. 300.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Dennoch kamen binnen weniger Stunden mehr als 50 Menschen bei verschiedenen Anschlägen und Gefechten ums Leben.
Unter den Toten waren nach offiziellen Angaben auch Soldaten, Polizisten und Zivilisten. Laut Karsai gab es am Wahltag insgesamt 73 gewaltsame Zwischenfälle. In 15 der 34 afghanischen Provinzen seien Angriffe und Anschläge verübt worden, sagte der Präsident. "Die Afghanen haben Raketen, Bomben und Einschüchterungen getrotzt und sind wählen gegangen", so der Amtsinhaber weiter. "Das ist großartig."
Nach Angaben der Wahlkommission konnten mehrere der etwa 6500 Wahlzentren, die auf rund 29.000 Wahllokale verteilt waren, wegen der angespannten Sicherheitslage nicht öffnen. Andere Wahlzentren hätten wegen Zwischenfällen vorzeitig geschlossen werden müssen. Die Taliban hatten zum Wahlboykott aufgerufen und Wähler bedroht. Aus Angst vor einer niedrigen Wahlbeteiligung hatte die Regierung die Medien aufgefordert, nicht über Angriffe and Anschläge zu berichten.
Karsai gab am Morgen in Kabul als einer der ersten der insgesamt 17 Millionen Wahlberechtigten seine Stimme ab. Sein wichtigster Herausforderer war der frühere Außenminister Abdullah Abdullah. Insgesamt stellten sich 30 Kandidaten den Wählern, darunter zwei Frauen. Es war der zweite Urnengang seit dem Sturz des Taliban- Regimes Ende 2001.
Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale begann die Auszählung der Stimmen. Erste inoffizielle Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet. Am 17. September sollen die Endergebnisse der Präsidentschafts- und der parallel angesetzten Provinzratswahlen vorliegen. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreichen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einem weiteren Wahlgang. Dann würden nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte antreten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Wahl als "wichtigen Abschnitt in der Geschichte der demokratischen Entwicklung" des Landes. Die Abstimmung sei auch ein Zeichen dafür, dass sich in Afghanistan vieles geändert habe, sagte Merkel bei einem Besuch in Bielefeld. Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobte die Wahl als "Erfolg demokratischer Tugenden" nach 30 Jahren Terror und Krieg. Nun gehe es darum, wachsam zu bleiben. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Stimmen zügig und sorgsam ausgezählt werden", sagte er.
- Datum 21.08.2009 - 09:43 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Bei der manipulierten Wahl wird also "ein kanpper Wahlausgang erwartet". Ganz großes Kino wird uns da geboten.
Unter den Taliban gab es gar keine Wahlen. Wer da eine abweichende Meinung vertreten hatte, der wurde einfach einen Kopf kürzer gemacht. Das war natürlich viel besser.
Unter den Taliban gab es gar keine Wahlen. Wer da eine abweichende Meinung vertreten hatte, der wurde einfach einen Kopf kürzer gemacht. Das war natürlich viel besser.
Heute morgen wurde im Leitartikel der HP noch gefordert, dass der Westen die sog. Wahl-Farce in Afghanistan endlich diskutieren müsste. Das fehlt mir in diesem Artikel leider völlig. Das Schauspiel läuft vielleicht problemlos, die Wahl nicht.
Unter den Taliban gab es gar keine Wahlen. Wer da eine abweichende Meinung vertreten hatte, der wurde einfach einen Kopf kürzer gemacht. Das war natürlich viel besser.
Es wurde lediglich mangelnde Konsequenz der ZEIT-Redaktion bemängelt.
Es wurde lediglich mangelnde Konsequenz der ZEIT-Redaktion bemängelt.
entsprechen mit Sicherheit nicht demokratischen Mindeststandards, dies ist in einer Stammesgesellschaft wie Afghanistan auch nicht zu erwarten. Allerdings ist es für dieses Land von extremer Wichtigkeit, wenigstens durch den - vielleicht lediglich symbolischen Wahlakt - einen kleinen Schritt in Richtung Demokratie und Menschenrechte zu tun , um damit ein Zeichen gegen den widerlichen Machtanspruch und die extreme Gewalttätigkeit der Taliban zu setzen. Gerade weil die Wahl trotz der Morddrohungen dieser primitiven Bande und trotz der Angriffe auf Wahllokale durchgeführt wurde, zeigt doch, das die Afghanen jedenfalls eins nicht wollen: Den "Gottesstaat" a la Taliban.
rm
Bescheiden: immerhin hat man die Wahllokale öffnen können, und es gab sogar Wahlunterlagen.
Andererseits, wenn man den Artikel über die außerdem zur Wahl stehenden Kandidaten Ghani und Abdullah liest, kommt man zu dem Schluß, daß es so hinterwäldlerisch um Afghanistan garnicht bestellt ist - leider wird das alles durch diese erdrückende Taliban-Besatzer Situation überschattet.
Diese Situation müßte nicht sein: wenn man als Besatzer Verbissenheit an den Tag legt, wird der Gegner genauso darauf reagieren.
Schade, das afghanische Volk hat mehr drauf.
Es wurde lediglich mangelnde Konsequenz der ZEIT-Redaktion bemängelt.
wen wunderts, es ist krieg, baby!
ich fühle so Jung, dass mir ganz alte zeilen in den kopf kommen:
"1-2-3 What are we fighting for?
Don’t ask me, I don’t give a damn. The next stop is Vietnam .
5-6-7 Open up the pearly gates.
It ain’t no time to wonder why. Yippee! We’re all going to die.
-- Country Joe and the Fish
Im Artikel wird die Zahl von 6 Raketenabschüssen auf Kundus berichtet, heute morgen im Radio berichtete eine deutsche Korrespondentin aus Kundus, dass der Raketenbeschuss wesentlich stärker und von solchem Ausmaß war, dass z.B. asiatische Wahlbeobachter ihre Kontrollarbeit nur in ganz geringem Maße durchführen konnten.
Die Berichterstattung ist für mich so widersprüchlich, dass Afghanistan für uns hiesige eigentlich eine "black box" ist, die von jedem Medium fast nach Belieben dargestellt werden kann.
Meine Urteil bilde ich mir daher lieber anhand von Überlegungen, die auf der historischen Erfahrung und Erfahrungen über die Wandelbarkeit eines spezifischen kulturellen Umfeldes gegeben sind: es ist unmöglich, mit einer kleinen Anzahl von Soldaten, von denen sich regelmäßig sowieso 80% in ihren Lagern verschanzen, aus einer zersplitterten, multiethnischen und archaischen Kriegergesellschaft in wenigen Jahren eine "demokratische" Gesellschaft unseres Verständnisses zu machen.
Mir fällt wirklich kein einziger überzeugender Grund für das deutsche Engagement dort ein, außer dass die USA es eben so wollen.
Ist es nicht beschämend, dass in der gesamten deutschen Öffentlichkeit fast ausschließlich und ganz im Ernst über alle möglichen vorgeschobenen Motive für diesen Krieg diskutiert wird, über den den einzig wirklichen und politisch ausschlaggebenden Grund aber nicht?
Denn wenn bei einem Rückzug der Truppen sich dort angeblich wieder gegen Europa und die USA gerichtete Terrorcamps etablieren würden, wieso richten die internationalen Terroristen solche Camps nicht dort ein, wo sie es, wie in Somalia jederzeit könnten?
Und wenn wir angeblich moralisch verpflichtet sind, afghanische Zivilisten (wieviele gibt es davon eigentlich in einer Kriegergesellschaft?), warum schicken wir dann eigentlich keine Truppen nach Zentralafrika, in den Sudan oder eben Somalia?
Ich finde es absurd, dass sich Medien und Politik konsequent weigern, solche Grundfragen auch nur zu diskutieren. Momentan schlittern wir in eine Politik, in der militärische Gewalt inkl. gefallener Soldaten und Zivilisten allein für ein bloße Verbesserung des atlantischen Verhältnis selbstverständlich gerechtfertigt erscheint. So eine Söldnermoral mag ja als zynische Realpolitik des kleineren Übels vertretbar sein, wir sind halt eine Exportnation am Rinnstein des großen Imperiums, aber dass so etwas gleichzeitig und völlig diskursfrei mit einer schauderhaft verheuchelten Rhetorik a la "Nach-Auschwitz-sind-wir-alle-so-musterhafte-Friedensbewahrer" einhergeht, ist für mich eine politische Schizophrenie allergrößten Ausmaßes.
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