Wer Drogen nimmt, sieht manchmal Dinge, die nicht da sind. Wer ein Mobiltelefon mit spezieller Software zückt und auf den Schirm guckt, dem kann es ebenso gehen. Augmented Reality, erweiterte Wirklichkeit, heißt die Technik, die dahinter steckt und die nun auf deutsche Handys kommt.

Sie könnte zum Beispiel die Wohnungssuche der Zukunft verändern: Auf einem Spaziergang durch ein schönes Stadtviertel auf der Suche nach der Traumwohnung? Einfach die Kamera des Telefons auf die Gebäude halten. Der Bildschirm zeigt, wo etwas frei ist und auch gleich die Nummer des Maklers dazu. Anklicken, anrufen.

Früher brauchte es zur Darstellung solcher Informationen eine große Kamera, eine Bildschirmbrille und einen Koffer voll Technik. Heute erledigen das die ins Handy geschrumpften GPS-Module und der interne Kompass. Die Kamera überträgt ein Bild der Wirklichkeit auf das Display, der Prozessor verknüpft dann die Koordinaten des realen Ortes mit den Zusatzinformationen aus dem Netz.

Doch woher diese Zusatzinformationen kommen, dafür haben Softwarehersteller unterschiedliche Ideen. Die Niederländer von SPRXmobile luden Programmierer gerade nach Amsterdam ein, um ihnen zu zeigen, wie sie ihre Software namens Layar mit Inhalten füttern. Die Firma bezeichnet ihr Programm als den "weltweit ersten Augmented Reality Browser". In Holland läuft er schon und zeigt den nächsten Geldautomaten einer kooperierenden Bank oder eben freie Wohnungen.

Dabei sind die Niederländer gar nicht die ersten. In Österreich zum Beispiel gibt es Mobilizy. Die Firma verwendet Informationen von Wikipedia. In Artikeln des Netzlexikons stehen beispielsweise bei Sehenswürdigkeiten immer auch deren Geokoordinaten. Die Software Wikitude nutzt diese und pappt so an im Handybildschirm angezeigte Häuser oder Berggipfel kleine Infoboxen. Im Prinzip kann das Programm alles einbinden, was mit Koordinaten versehen ist.

So könnte jeder Peter Stamms Spaziergang in Winterthur nachlaufen und dabei sehen, was der Schriftsteller zu den Orten seiner Schweizer Heimatstadt gesagt hat.

Wikitude soll dabei auch noch das Wikipedia-Prinzip für sich nutzen. Firmensprecher Philipp Breuss-Schneeweis sagt: "Wenn der Hausberg nicht drin ist, kann man diesen selbst hinzufügen."