Autobahnbaustellen Diagnose Betonkrebs

Wenn neue Autobahnen schon nach wenigen Jahren wieder aufgerissen werden müssen, dann sind oft chemische Reaktionen schuld. Fachleute suchen noch nach Lösungen

Es wird eng. Eigentlich sollte die Beton-Fahrbahn 30 Jahre lang halten. Doch oft ist sie schon nach kurzer Zeit angegriffen

Es wird eng. Eigentlich sollte die Beton-Fahrbahn 30 Jahre lang halten. Doch oft ist sie schon nach kurzer Zeit angegriffen

Auf der Autobahn A 9 von Berlin nach München sollten Autofahrer stets eine gewisse Leidensbereitschaft mitbringen. In jüngster Zeit ist Geduld vor allem zwischen Dessau und Bitterfeld gefragt. Hier sind wieder einmal Bauarbeiter am Werk. Beton wird aufgefräst und mit Teer wieder verschlossen. Viele Staugeplagte stellen sich die Frage, warum Autobahnen, die noch gar nicht so lange fertig sind, schon der Reparatur bedürfen. Einer der Gründe heißt "Betonkrebs". Die tückische "Krankheit" lässt Betondecken reißen und zerbröseln.

Für Asphaltdecken gilt eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa zwölf Jahren. Dann müssen sie neu aufgelegt werden. Betondecken gelten als langlebiger und widerstandsfähiger. Ingenieure gehen von 30 Jahren Haltbarkeit aus, allerdings nur, wenn die Betonmischung in Ordnung ist, erläutert Jürgen Berlitz, Experte für Straßenverkehrsplanung beim ADAC. Das ist das Problem – auf manchen Autobahnabschnitten stimmt die Mischung nicht.

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Im Osten, wo viele Autobahnen nach dem Ende der DDR mit gewaltigen Investitionen von Grund auf erneuert oder neu gebaut wurden, gibt es relativ viele Betonfahrbahnen und auch mehr Probleme mit Betonkrebs. Befallen sind oder waren nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums neben der A 9 der Berliner Ring A 10 sowie Abschnitte der A 14 Magdeburg-Dresden, der A 19 Rostock-Dreieck Wittstock und der A 24 Berlin-Hamburg. Im Westen ist Hessen am stärksten betroffen. Bundesweit sind oder waren nach derzeitigen Erkenntnissen rund 350 Kilometer "erkrankt". Der erste Verdachtsfall wurde 1995 aus Brandenburg von der A 24 gemeldet.

Unter Betonkrebs ist eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion zu verstehen. Wenn sich bestimmte Kiessorten in feuchter Umgebung nicht mit dem Bindemittel Zement vertragen, kommt ein chemischer Prozess in Gang, der den Beton zersetzt. Wie lang die "Inkubationszeit" ist, bis Schäden sichtbar werden, weiß niemand so genau. Das FEhS-Institut für Baustoff-Forschung in Duisburg geht von fünf bis zehn Jahren aus.

Für "erkrankte" Autobahnen wird die optimale Therapie noch gesucht. Wegweisende Erkenntnisse erhoffen sich Experten von einem Modellversuch, der seit Sommer 2008 in Sachsen-Anhalt läuft. Zwischen Bernburg und Könnern sind zwölf Kilometer der A 14 in acht Abschnitte unterteilt, auf denen unterschiedliche Versiegelungen gegen Wasser und Tausalz ausprobiert werden. (dpa)

So ist ein Abschnitt der Betondecke etwa mit dem Leichtmetall Lithium getränkt, ein anderer mit Epoxidharz beschichtet, wieder ein anderer mit Leinölfirnis behandelt. Den Bund kostete die Aktion rund 108.000 Euro pro Kilometer. Die ersten Messergebnisse werden jetzt ausgewertet. Welches Mittel am besten dazu taugt, Zersetzungen aufzuhalten, steht noch nicht fest. "Wir beobachten die Langzeitwirkung", sagt Dittmar Marquordt, der die Fachgruppe Straßenbautechnik im Landesbetrieb Bau von Sachsen-Anhalt leitet.

Nicht jede Baustelle auf Betonautobahnen hat etwas mit Betonkrebs zu tun. Auch normale Pflege und Instandhaltung sind aufwendig. Betonplatten sind heutzutage verdübelt und die Fugen mit elastischen Füllstoffen verbaut, die hin und wieder erneuert werden müssen, wie Berlitz berichtet. Der ADAC zählte kürzlich 330 Baustellen auf deutschen Autobahnen, an denen länger als eine Woche gearbeitet wird.

 
Leser-Kommentare
    • tsss
    • 24.08.2009 um 20:39 Uhr

    Mich würde folgendes interessieren:

    Wieviel Jahre Garantie werden den Straßenbau Unternehmen (HT) abverlangt?
    Werden Reparaturen ausgeschrieben?
    Wieviel Jahre Garantie wird für eine Reparatur abverlangt?
    Übernehmen Auftraggeber Verantwortung wenn sie spezifische Baustoffe ordern?
    Werden Lizenzgebühren für haltbarere Baustoffe aus dem Ausland gespart?
    Warum verbringe ich mehr Zeit an der Baustelle im Stau als arbeitende Arbeiter?

    Good luck

  1. Ich bin kein Fachmann für Beton oder Straßenbau, aber ich denke, dass das "Betonproblem" technologisch handhabbar ist. ABER die öffentliche Hand vergibt Aufträge immer an den billigsten Anbieter, man darf ja keine Steuermittel verschwenden, dass dann die Reperatur alles um ein Vielfaches verteuern kann, wird natürlich nicht einberechnet.
    Das zweite Übel ist die mangelnde Kompetenz. In Sachsen sind die Autobahnmeistereien gerade an die Landkreise übergeben worden. Wie soll ein Landkreis überhaupt die Kompetenz und das Wissen haben.

    • FGAlte
    • 25.08.2009 um 13:17 Uhr

    Zu DDR-Zeiten hieß das Problem "Schwellen-Aids", da es Betonschwellen für Eisenbahnstrecken betraf. Die mussten bald nach Verlegung wieder ausgetauscht werden, für uns peinlicherweise auch in ein paar Ländern des NSW (Nicht-sozialistisches Wirtschaftsgebiet), d.h. sauer eingefahrene Devisen in harter Währung gingen wieder flöten.
    Damals lag es angeblich am eingesetzten sog. Niedertemperaturzement.
    Es kommt alles wieder, gespart werden muss wohl immer.

  2. 4. A 1

    Alles nix gegen die A 1 zw HH und HB: 100 km Stau, und das täglich!

    So ein Wahnsinn.

    aj

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